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Thomas Tuchel musste seine aktive Karriere wegen eines Knorpelschadens beenden © getty

Mainz-Coach Thomas Tuchel spricht vor dem Duell gegen die Bayern über die Chancen und seine turbulenten ersten Arbeitswochen.

Von Matthias Becker

München - Wohl selten kam ein Bundesliga-Trainer so überraschend zu seinem ersten Job wie Thomas Tuchel, seit dem 3. August Trainer von Aufsteiger FSV Mainz 05.

Vier Tage vor dem Saisonstart ersetzte Tuchel, bis dato A-Jugend-Trainer der Mainzer, Aufstiegs-Coach Jörn Andersen.

Seitdem hat sich sein berufliches Leben stark verändert. Eines ist aber gleich geblieben: Erfolg hat er, gemessen an den Mainzer Möglichkeiten, weiterhin.

Mit der A-Jugend wurde er im Sommer erstmals Deutscher Meister, mit den Profis gab es in den ersten beiden Saisonspielen Remis gegen Bayer Leverkusen und bei Hannover 96.

Jetzt kommt der FC Bayern an den Mainzer Bruchweg (Sa., ab 15 Uhr LIVE). Und der 35 Jahre alte Coach will auch gegen den Rekordmeister nicht klein bei geben (Video: Mainz vor dem Hit).

Sport1.de: Herr Tuchel, haben Sie in Ihre neue Rolle schon vollständig hineingefunden?

Thomas Tuchel: So gut es geht, innerhalb von zwei so turbulenten Wochen. Wir haben mittlerweile den Trainerstab neu besetzt, müssen uns jetzt gemeinsam an gewisse Abläufe gewöhnen und Strukturen kennenlernen. So langsam fasst es Fuß, ab sofort ist eine nachhaltigere Arbeit möglich als bisher.

Sport1.de: Sind Sie zufrieden mit dem, was Sie bislang umsetzen konnten?

Tuchel: Ja, total. Ich bin sehr zufrieden wie die Mannschaft mich aufgenommen hat und wie offen sie für meine Ideen des Spiels war. Wir haben sehr gute zwei Wochen zusammen gehabt und damit auch eine sehr gute Basis für die laufende Runde gelegt.

Sport1.de: In Hannover haben sie eine sehr schwache erste Halbzeit gespielt. Wo sehen Sie momentan denn den größten Verbesserungsbedarf?

Tuchel: Wir haben noch viele Stellschrauben an denen wir drehen können. Die Halbzeit in Hannover hätten wir sicherlich besser spielen können. Wir haben schon Fortschritte im Spiel gegen den Ball gemacht, da sind wir sehr diszipliniert. Aber ich möchte, dass wir den eigenen Ballbesitz noch deutlicher kultivieren und uns durch mehr Qualität beim eigenen Ballbesitz Erholungspausen schaffen für das aufwendige Spiel gegen den Ball.

Sport1.de: Von Ihren Spielern sind Sie für Ihre Maßnahmen in der Halbzeitpause in Hannover enorm gelobt worden. Was haben Sie denn da gemacht?

Tuchel: Gar nicht so viel. Ich weiß auch nicht, was die Spieler erwartet haben, ob sie auf ein Donnerwetter gewartet haben. Wir tun einfach gut daran, in der Halbzeit nach vorne zu schauen. Ich habe versucht, Mut zu machen, und den Blick auf die Punkte zu schärfen, wo wir besser spielen können.

Sport1.de: Aber sie haben auch gleich zwei Spieler ausgewechselt. In der Lokalpresse wurde diskutiert, Fitnessprobleme hätten dazu geführt. Eine Folge der misslungenen Vorbereitung unter Ihrem Vorgänger Jörn Andersen?

Tuchel: Es tut gut, sich da in Bescheidenheit zu üben und gar nicht erst zu äußern. Der Stand ist so wie er ist. Und es ist überhaupt nicht so dramatisch, wie es geschildert wird. Wir werden zukünftig auf jeden Spieler in der Belastungssteuerung individuell eingehen, um so schnell wie möglich an das Niveau heranzukommen, das wir für unser laufintensives Spiel brauchen.

Sport1.de: Am Samstag kommt der FC Bayern an den Bruchweg. Ist es für Sie auch ein guter Zeitpunkt, gegen den Rekordmeister anzutreten, der etwas schwächelt?

Tuchel: Es gibt für Mainz 05 nur schwierige Zeitpunkte gegen die Bayern zu spielen, dessen sind wir uns auch bewusst. Für mich gibt es momentan ständig Highlights. Vor zwei Wochen das erste Heimspiel, dann das erste Auswärtsspiel. Das gibt sich dann schon nicht mehr viel.

Sport1.de: Es kribbelt aber schon ein bisschen, oder?

Tuchel: Ich spüre schon diese große Vorfreude, auch bei meiner Mannschaft. Wir wissen, dass wir klarer Außenseiter sind und nehmen diese Rolle an. Wir wissen aber auch, dass im Fußball mit dem Anpfiff des Spiels grundsätzlich alles möglich ist und haben nichts herzuschenken.

Sport1.de: Vergangenes Wochenende hatten sie defensiv mit Hannover schon Probleme. Die Offensive der Bayern hat nominell deutlich mehr zu bieten. Wie wollen Sie diese in den Griff bekommen?

Tuchel: Wir werden uns da schon etwas überlegen und am Samstag sehr gut vorbereitet sein.

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