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Ralf Rangnick (r.) trainierte Schalke von September 2004 bis Dezember 2005 © imago

In der Vorsaison empfing Hoffenheim Schalke als Tabellenführer, nun steht der S04 oben - und steht vor dem großen Prüfstein.

Von Martin Hoffmann

München - Es waren wohlklingende Vorschusslorbeeren, die der neue Coach von Schalke 04 zu hören bekam.

"Genau der Richtige", wäre er, mit einer "messerscharfen Analyse" der Mannschaft habe er enormen Eindruck gemacht. Kurzum: "Wir gehen davon aus, dass er das Riesenpotenzial der Mannschaft ausschöpfen kann."

Es kam anders: Ralf Rangnick wurde von den "Königsblauen" nach nicht viel mehr als einem Jahr entlassen. Die warmen Worte vom damaligen Manager Rudi Assauer: längst vergessen.

Nun empfängt Rangnick mit 1899 Hoffenheim seinen Ex-Klub (ab 20 Uhr LIVE) - mit dessen neuen Coach, der seine Vorschusslorbeeren bislang erfolgreicher eingelöst hat.

Verdrehte Vorzeichen

Es ist nicht Rangnicks erstes Wiedersehen mit den "Königsblauen", aber es findet unter völlig anderen Vorzeichen statt - nicht nur, weil es gegen Felix Magath jetzt ein Duell der Trainer-Alphatiere ist.

Als Hoffenheim die Schalker im vergangenen Jahr empfing, war der Gastgeber gefeierter Tabellenführer. Rangnick sprach in der letzten Saison gerne vom "Asterix-Effekt", mit dem seine "Gallier" so manchen Giganten zum Wanken brachten.

Die Gelsenkirchener waren zu dem Zeitpunkt ein immer wieder unter seinen Möglichkeiten spielendes Team, gebeutelt von Dauerzoff abseits des Rasens.

So schnell ändern sich die Zeiten. Jetzt greift Felix Magath, auch gerne "Quälix" genannt, an.

Beißende Kritik und Kündigungs-Affäre

Während Schalke mit dem neuen Coach erfolgreich in die Saison gestartet ist, entsteht bei Hoffenheim der Eindruck, dass die Mannschaft eher an die missratene Rückrunde als die märchenhafte Hinrunde der Vorsaison anknüpft.

Für die Leistung auf dem Platz beim 0:1 bei Bayer Leverkusen hatte Rangnick frühzeitig beißende Kritik übrig.

Und außerhalb des Platzes gibt es auch schon die ersten Misstöne. Die komplizierte Kündigungsaffäre um Neuzugang Prince Tagoe belastet das Vereinsklima - und im öffentlichen Umgang damit gibt der Klub auch ein chaotisches Bild ab.

Am Donnerstag ließ Mäzen Dieter Hopp erst noch verlauten, die Kündigung wäre zurückgenommen worden - was Pressesprecher Markus Sieger dann aber nicht bestätigen wollte.

Magath ist auf der Hut

Felix Magath ist dennoch auf der Hut vor 1899: Er lasse sich "von dem Start der TSG nicht irritieren".

Für die von Rangnick zuletzt kritisierte Offensive hat Magath nach wie vor größten Respekt: "Sie werden vom Anpfiff an den Sieg suchen."

Magath weiß, dass Hoffenheim nach Nürnberg und Bochum der erste echte Prüfstein ist, ob Schalke sich wirklich nach oben orientieren kann: "Hoffenheim ist für mich nach wie vor ein Kandidat für die ersten fünf Plätze."

Weis zurück im Kader

Genau dasselbe sagt Rangnick - der wieder auf den von Knieproblemen genesenen Tobias Weis zurückgreifen kann - über Schalke.

"Wenn die Spieler fit sind, ist das eine Mannschaft, die sicher unter den ersten Fünf landen muss", so der Coach gegenüber "Der Westen".

Es wäre keine Überraschung, dass Schalke unter Magath stärker wäre als in der misslungenen Vorsaison.

Umstände, die nagen müssen

Die Umstände, unter denen Magath Schalke übernommen hat, müssen dabei an Rangnick nagen.

Während der jetzt nämlich als Trainermanager die Vollmacht bekommen hat, den ganzen Klub nach seinem Bilde umzukrempeln, wurde Rangnick seinerzeit auf Schalke verspottet für seinen Drang überall mitreden zu wollen.

In Erinnerung blieb Assauers Ermahnung: "Wir haben dich nicht eingekauft, um das Hotel zu buchen und den Bus zu bestellen."

Rangnick betont nun zwar, er habe nie Trainer und Manager bei Schalke sein wollen. Aber: "Ich habe mir nur gewünscht, dass alle im Verein eine Sprache sprechen. Und das war leider nicht immer der Fall."

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

Hoffenheim: Hildebrand - Beck, Simunic, Compper, Ibertsberger - Carlos Eduardo, Vorsah, Salihovic - Obasi, Ibisevic, Ba

Schalke: Neuer - Rafinha, Zambrano, Bordon, Höwedes - Mineiro - Moritz, Westermann - Kenia (Rakitic) - Farfan, Kuranyi

Schiedsrichter: Michael Weiner (Giesen)

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