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Obafemi Martins wechselte von Newcastle United zum VfL Wolfsburg © getty

Obafemi Martins verstärkt seit dieser Saison den Angriff des VfL Wolfsburg. Sport1.de stellt den neuen Star des Meisters vor.

Von Martin Hoffmann

München - Manchmal lernt man einfache Dinge am besten, indem man es sich besonders schwer macht.

Obafemi Martins , die neue Sturmhoffnung des VfL Wolfsburg, kann die Sache mit dem Toreschießen vielleicht deshalb so gut, weil sie in seiner Kindheit so kompliziert war.

Fünf Fußlängen waren die Tore nur breit, als Martins im heimischen Nigeria mit seinen Schulkameraden auf der Straße kickte.

Und weil es da meist lang dauerte, bis mal ein Treffer erzielt war, war der Jubel dann besonders ausgiebig.

Daher auch Martins' Tick mit den Saltos und Flickflacks, mit denen er nun das deutsche Publikum verzücken will.

Treffer beim Debüt

Vergangene Woche als Joker beim 3:1 in Köln hat Martins sein erstes Tor geschossen 140094(Die Bilder) und seinen ersten Salto geschlagen.

Am Sonntag soll auch dem Hamburger SV schwindelig werden (ab 17 Uhr LIVE ).

Der VfL-Sturm sei dank Martins "sogar noch stärker geworden", schwärmt Wolfsburgs Abwehrchef Andrea Barzagli im Sport1.de-Interview. (zum Artikel)

Das Traum-Duo Grafite und Edin Dzeko scheint durch den 24 Jahre alten Zugang von Newcastle United zum Trio Infernale ausgewachsen.

Martins hat mit seinen neuen Sturmkollegen etwas gemeinsam: Wie dem Kriegskind Dzeko und dem einstigen Mülltütenvertreter Grafite hat auch Martins eine bewegte Geschichte hinter sich.

Mit 14 entdeckt

Mit 14 Jahren wurde er vom Spieleragent Churchill Oliseh, dem Bruder des früheren Bundesliga-Profis Sunday Oliseh, auf der Straße entdeckt und in einem Verein untergebracht.

Mit 15 vermittelte Oliseh ihn zum italienischen Drittligisten AC Reggiana weiter, 2001 griff dann Inter Mailand zu, Ende 2002 folgte das Debüt in der Serie A - und der Durchbruch.

"In Italien haben sie gesagt, ich sei schneller als der Ball", erklärte Martins einmal - kein Wunder bei einem ehemaligen Schulchampion im Sprint.

Aber Martins ist durch seinen Straßenspielerhintergrund eben weit mehr als das: Er ist beidfüßig, technisch beschlagen und hat einen strammen Schuss - 135 km/h wurden einmal gemessen.

Und trotz zierlicher 1,70 Meter ist Martins auch vergleichsweise stark in der Luft.

2006 nach Newcastle

Ganz glatt lief seine Karriere aber nicht immer: Bei Inter wurde 2006 die Konkurrenz durch die Zukäufe von Zlatan Ibrahimovic und Hernan Crespo zu groß, so dass es ihn nach Newcastle zog.

Nach einer starken Debütsaison mit 17 Toren rutschte er dort danach öfter in die Jokerrolle, im dritten Jahr warfen ihn Verletzungen mehrmals zurück.

Zoff im Nationalteam

Negative Schlagzeilen gab es zudem oftmals im Zusammenhang mit seiner Nationalmannschaftskarriere.

2006 drohte er mit seinem Rücktritt, als der Verband ihn auf seiner Homepage versehentlich sechs Jahre älter machte - woran fast sein Wechsel nach Newcastle scheiterte.

Ein Jahr später drohte ihm umgekehrt sein Team mit dem Rauswurf, als er ein Länderspiel gegen Ghana ausließ, um sich um seine kranke (und mittlerweile verstorbene) Mutter zu kümmern.

Verbrechensopfer 2007

Riesige Schockwellen löste im Sommer 2007 ein Vorfall aus, bei dem Martins in Lagos in seinem Auto nach eigenen Angaben von maskierten Unbekannten beschossen wurde.

Martins sprach englischen Medien gegenüber zunächst von einem Mordanschlag, spielte die Angelegenheit später aber als mutmaßlichen Überfallversuch herunter.

So oder so ist Martins aber daran erinnert worden, in welcher Lebenswelt er gelandet wäre, hätte er als kleiner Junge nicht so gut auf die kleinen Törchen geschossen.

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