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Bastian Schweinsteiger unterschrieb 2002 einen Profivertrag beim FC Bayern München © getty

Der Nationalspieler sieht sich zu kritisch beäugt und macht auf seine Defensivqualitäten aufmerksam. Doch die Konkurrenz ist groß.

Von Nikolai Kube und Christian Stüwe

München - Bisher sah das Alltagsgeschäft für Bastian Schweinsteiger so aus: Mit einem Konkurrenten (meist Hamit Altintop) rangelte er um einen Platz im Bayern-Mittelfeld.

Künftig könnte der Nationalspieler nur noch um die Rolle des ersten Ersatzmannes kämpfen - Rib und Rob lassen grüßen.

Denn seitdem die neue Flügelzange der Münchner, Franck Ribery und Arjen Robben, gegen den VfL Wolfsburg brillierte, dürften die beiden gesetzt sein: Ribery auf links und Neueinkauf Robben auf rechts, dem eigentlichen Hoheitsgebiet von Schweinsteiger.

Und egal in welchem System - 4-3-3 oder 4-4-2 - die Bayern antreten, die Planstelle für "Schweini" sucht man vergeblich.

"Mir liegt mehr an der Defensive"

Da wundert es nicht, dass der 25-Jährige nun über einen Kurswechsel nachdenkt.

"Ich will zwar das Spiel mit klugen Pässe leiten, mir liegt dennoch mehr an der Defensive. Ich hasse es, wenn der Gegner zu viele Angriffschancen bekommt", verkündete der Mittelfeldspieler.

Er mag dabei auch an den bröseligen Bayern-Abwehrverbund in den ersten Saisonspielen gedacht haben.

Schweinsteiger als Defensivspieler?

Klar, an der Seite eines Franck Ribery und neuerdings eines Robben muss der Nationalspieler seinen Offensivdrang etwas einschränken.

Er kann nicht wie im DFB-Team, in dem der deutlich defensivere Michael Ballack die Fäden zieht, ungezügelt nach vorne stürmen.

Täuscht die Wahrnehmung?

Aber wann hat man den Techniker zuletzt grätschen oder defensive Zweikämpfe im Mittelfeld bestreiten sehen?

Glaubt man dem Bundesliga-Profi, war das in der Vergangenheit sehr wohl der Fall:

"Für die Leute ist es schwierig einzuschätzen, wer wie gut spielt. Wer den Ball gewinnt, wird leider zu selten gesehen", kritisiert er die Medien.

Seine meist unauffälligen Leistungen würden deutlich zu negativ gesehen:

"Ich habe immer meine Einsätze. Es ist einfach ein Unterschied, was der Trainer will und was die Öffentlichkeit sieht."

Abräumer als Vorbild

Als Beispiel dient ihm ein ehemaliger Kollege:

"Owen Hargreaves hat damals oft gegen den Mann gespielt, gegen Marcelinho oder Hleb. Er hat sehr oft schlechte Kritiken bekommen. Aber für die Mannschaft war das extrem wichtig."

Ein defensiver Abräumer als Vorbild also. Da wundert es nicht, dass "Schweini", auch was die "Zehner"-Position betrifft, so seine eigenen Ansichten hat.

Bezeichnete es der Nationalspieler vor einigen Monaten noch als Traum, für den FCB hinter den Spitzen aufzulaufen, sieht er sich nun für die Spielmacher-Rolle nicht mehr geeignet:

"Die 'Zehn' ist zu offensiv für mich"

"Die Position auf der 'Zehn', so wie wir sie spielen, ist zu offensiv für mich. Die Mischung, die ich jetzt spiele, ist optimal", sagte die Nummer 31 des FC Bayern.

Doch ob Schweinsteiger auch zukünftig einen Platz im Bayern-Mittelfeld sicher hat, darf zumindest bezweifelt werden.

Dabei war der Blondschopf noch im vergangenen Herbst umschwärmt von Klubs wie Juventus, Inter und Real Madrid und die Bayern-Bosse freuten sich nach der Vertragsverlängerung im Dezember über die Klärung "einer wichtigen Personalie".

Doch auf eine starke Phase in der Hinrunde 2008 folgte erneut eine Leistungsstagnation - allerdings auch begleitet von einer mäßigen Präsentation des gesamten Teams.

Trainer sieht ihn als "kompletten Fußballer"

Beim FC Bayern hat Schweinsteiger lange Zeit so etwas wie Bestandsschutz genossen.

Nur ihn bedenken die Fans in der Allianz Arena mit der Zugabe "Fußballgott" und neben Philipp Lahm ist er der sichtbare Beweis, dass sich Eigengewächse beim Rekordmeister eben doch durchsetzen können.

Auch Trainer Louis van Gaal sieht Schweinsteigers Qualitäten.

"Schweinsteiger ist für mich ein kompletter Fußballer, ein unantastbarer Führungsspieler", zitierte FCB-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vor kurzem den Trainer.

Und vielleicht begeistert Schweinsteiger seine Fans in dieser Saison tatsächlich mit neuen Stärken - als Mittelfeld-Allrounder.

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