vergrößernverkleinern
Das Ergebnis der Haaranalyse bringt Daums Kokainkonsum ans Licht und beweist die Vorwürfe von Hoeneß. Für Daum ist es der Tiefpunkt
Auch gegen die Bayern rechnet sich Kölns Coach einiges aus © getty

Im zweiten Teil des Sport1-Interviews nimmt Christoph Daum Stellung zu Bayern-Coach Jürgen Klinsmann.

Sport1: Sie waren noch weit vor Klinsmann der Trainer, der mit ungewohnten Methoden und Mitteln als großer Motivator galt und unter anderem auch auf autogenes Training und Autosuggestion setzte...

Daum: Sie sprechen auf Aktionen bei Leverkusen an. Früher wurden Trainer doch in Schubladen gelegt: Der eine war der Schleifer, der andere die graue Eminenz, der andere der Psychologe. Ich war immer der so genannte Motivator. Mich allein auf diese Funktion zu reduzieren, kann aber eigentlich nicht meiner Arbeit entsprechen. Sicher ist: Die Fußball- und die ganze Sportwelt befindet sich in einer Umstrukturierung. Und wir müssen immer wieder die Wissenschaft mit einbeziehen. Jürgen Klinsmann zum Beispiel hat in der Nationalmannschaft Vieles umgesetzt von dem, was ich früher mit Leverkusen gemacht habe.

Sport1: Und er hatte mit seinen neuen Ideen in der Nationalmannschaft auch Erfolg. Aber braucht ein Cheftrainer wirklich bis zu elf Assistenztrainer?

Daum: Klare Antwort: Ja! Auch ich hätte beim 1.FC Köln gerne mehr Trainer, noch können wir die uns aber nicht leisten. Ich versichere Ihnen: Ein Experten-Team, wie es der Jürgen jetzt beim FC Bayern aufgebaut hat, wird in vielen Spitzenvereinen Vorbild werden und sich immer mehr durchsetzen. Früher war der Trainer doch auch der Konditionstrainer, der Mentaltrainer und der Psychologe. Heute gibt es dafür eigene Leute. Neue Wege wie Jürgen Klinsmann zu gehen, wird immer erst belächelt, dann bekämpft, aber wenn sie sich durchgesetzt haben, bewundert. Wenn Jürgen in München Erfolg hat - und davon bin ich überzeugt - war alles richtig.

Sport1: Sie kamen im November 2006 mit Herzblut zurück zum 1.FC Köln. Ist das knapp zwei Jahre später immer noch so?

Daum: Mein Herz schlägt sogar noch verstärkt für den FC. Unglaublich, wie die mich hier nicht nur als Trainer, sondern auch als Menschen wertschätzen. Die Anerkennung hat fast gar nichts mehr mit sportlichem Erfolg zu tun. Und ich glaube, es gibt keinen Trainer in der Bundesliga, dem das so vermittelt wird wie mir. Das ist schon außergewöhnlich.

Sport1: Aber trotzdem bedurfte es doch sicherlich auch konkreter Dinge, so beliebt geworden zu sein.

Daum: Wir haben uns zu Saisonbeginn hingesetzt und viele Dinge geändert, um einheitlicher auftreten und uns dadurch zu stärken. Nicht nur in der Medien- und Öffentlichkeitsarbeit. Internet und E-Commerce gehören wie in jedem anderen mittelständischem Unternehmen auch beim 1. FC Köln längst zum Tagesgeschäft. Dafür haben wir eigens Leute eingestellt. Und die sechsköpfige Einheit um mich und meinem Team im sportlichen und um Wolfgang Overath und seinen Leuten im wirtschaftlichen Bereich funktioniert sehr gut. Das war früher nicht immer so. Heute hat Köln eine sehr gute Nachwuchsförderung und ein funktionierendes System - wir haben sehr sehr gute Leute. Wir wollen uns in Bundesliga etablieren und müssen deshalb in allen Belangen nach vorne schauen.

Hier geht es zurück zum ersten Teil des Interviews!

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel