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Andreas Bergmann trainierte von 2004 bis 2006 den FC St. Pauli © getty

Vor dem Spiel in Nürnberg diskutierte man in Niedersachsen über den Rekordnationalspieler. Jetzt schwärmt alles vom Interimscoach.

Nürnberg - Vor dem Spiel wurde noch über den Trainerkandidaten Lothar Matthäus gesprochen, doch nach dem 2:0 (1: 0) von Hannover 96 schwärmte alles nur noch von Andreas Bergmann.

Die nach dem Rücktritt von Dieter Hecking wie befreit aufspielende Mannschaft um Doppeltorschütze Jiri Stajner tanzte mit dem Interimstrainer im Kreis, und Präsident Martin Kind stellte dem Stimmungsmacher nach dem ersten Bundesliga-Sieg beim 1. FC Nürnberg seit 21 Jahren den Chefposten in Aussicht.

"Wenn wir das nächste Spiel gegen Hoffenheim auch gewinnen, dann hat er gute Chancen, zu bleiben", sagte Kind.

Man werde einen Teufel tun und einen erfolgreichen Trainer gehen lassen. Selbst bei einer Niederlage am nächsten Spiel habe Bergmann eine Chance.

"Er hat einen guten Job gemacht"

Daran ändere selbst der auf der langen Kandidatenliste stehende prominente Name von Lothar Matthäus nichts. "Wir haben bisher mit keinem Trainer gesprochen, und werden bis zum Hoffenheim-Spiel auch mit keinem sprechen", sagte Kind. (DATENCENTER: Der Spielplan)

96-Sportdirektor Jörg Schmadtke sang ebenfalls ein Loblied auf den Ex-Coach des FC St. Pauli: "Er hat einen guten Job gemacht und die Mannschaft erreicht. Es ist durchaus möglich, dass er bleibt. Das hängt nicht vom Gewinnen ab, sondern auch vom Auftreten der Mannschaft."

Zwar beteuerte Schmadtke, dass man sich nicht unter Zeitdruck setzen lassen wolle, aber nach dem nächsten Spiel am kommenden Samstag gegen 1899 Hoffenheim könnte der endgültige Aufstieg auf den Chefposten besiegelt werden.

Stajner nicht zu stoppen

Andreas Bergmann nahm das ganze Ballyhoo um seine Person erstaunlich gelassen. "Das wird mir jetzt keine schlaflosen Nächte bereiten. Natürlich macht die Arbeit Riesenspaß und ich würde gern weitermachen - aber wichtig ist jetzt nur, dass die Mannschaft mit diesem Sieg durchgeatmet hat. Der Sieg war nur ihr Verdienst", sagte er.

Am Tag vor seinem Einstand hatte er noch mit dem am Mittwoch verabschiedeten Hecking telefoniert, dann legte er mit seinen personellen Umstellungen den Grundstein für den ersten Saisonerfolg. Der nach seiner Versetzung ins Mittelfeld ganz starke Constant Djakpa bereitete nach 15 Minuten die Führung des von Bergmann in den Sturm beorderten Jiri Stajner vor.

Den überragenden Tschechen konnte vor 38.600 Zuschauern im Frankenstadion nichts und niemand stoppen - auch nicht ein von dem an diesem Tag einzig bundesligatauglichen FCN-Akteur Raphael Schäfer im zweiten Versuch gehaltener Foulelfmeter (55.). Den eigentlich verwandelten ersten Strafstoß des Gefoulten hatte Schiedrichter Dr. Jochen Drees zurecht zurückgepfiffen.

Stajner erzielte sein zweites Tor dann eben in Minute 86 mit einem Traumschuss in den Winkel.

Enke: Es spricht nichts gegen Bergmann

"Unter Hecking haben wir auch manchmal gut gespielt und verloren", sagte der Matchwinner danach lakonisch und begründete die wundersame Leistungsexplosion des Teams: "Wenn ein neuer Trainer kommt, will sich halt jeder zeigen."

Kapitän Robert Enke hatte ebenfalls eine Klasseleistung gegen einen allerdings ganz schwachen Gegner gesehen, an der Interimscoach Bergmann natürlich einen Anteil habe. "Bei so einem Trainerwechsel fällt immer eine Last ab", meinte der Nationaltorwart: "Es ist neuer Schwung drin, und es spricht nichts dagegen, dass der Trainer bleibt."

Nürnberg frustriert

In der allgemeinen Jubelstimmung um Bergmann blieb bei den restlos enttäuschenden Gastgebern nur Frust.

"Das nennt man wohl einen klassischen Fehlstart", sagte Schäfer mit Blick auf die Bilanz von einem Punkt aus drei Spielen. Die Zuschauer pfiffen den Aufsteiger aus und Club-Trainer Michael Oenning blieb fast verzweifelt nur die Anmerkung, dass man nur das Ziel Klassenerhalt nach dem 34. Spieltag habe.

Danach wünschte er seinem Kollegen Bergmann viel Glück auf dem Weg zum Cheftrainerposten bei Hannover 96.

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