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Erin Derdiyok (l.) kam im Sommer vom FC Basel zu Bayer Leverkusen © getty

Das "ökonomische" System von Heynckes trägt auch gegen Freiburg Früchte: Bayers Kaltschnäuzigkeit bringt die Werkself auf Platz eins.

Von Jessica Pulter

München/Freiburg - Zwölf Schuss, fünf Treffer im Gastspiel beim SC Freiburg:

Auch ohne den langzeitverletzten Torjäger Patrick Helmes hat sich Bayer Leverkusen vor dem gegnerischen Tor eiskalt gezeigt.

Dank der Tore von Stefan Kießling (35.), Tranquillo Barnetta (47., 76.) und Eren Derdiyok (70., 84.) schoss Leverkusen den SC mit 5:0 (1:0) ab und stürmte zumindest bis zum Sonntag an die Tabellenspitze.

Für Bayer-Trainer Jupp Heynckes keine Überraschung, sondern nur das Ergebnis der neuen Strategie der Werkself.

Ökonomische Leverkusener Spieler

"Ich habe nicht nur Stefan Kießling gesagt, er solle weniger laufen, sondern auch Barnetta", erklärte Heynckes sein neues System.

"Wenn man sich auspumpt bis zum Strafraum, dann hat man nicht mehr die Konzentration. Barnetta sollte etwas ökonomischer spielen, damit er im Abschluss noch die Kraft hat."

Der Plan geht auf. Kießling steht zusammen mit Derdiyok mit jeweils drei Treffern an der Spitze der Torschützenliste, Barnetta gelang sein erster Doppelpack in der Bundesliga.

Heynckes spart nicht mit Kritik

Mit den ersten Minuten seiner Mannschaft war Heynckes allerdings überhaupt nicht einverstanden. "Wir werden viel Zeit benötigen, um die erste Halbzeit zu analysieren. Das hat mir überhaupt nicht gefallen", kritisierte "Don Jupp", der seinem Team aber bis Dienstag frei gab.

Zuvor hatte der Coach nicht lange gefackelt und bereits nach 29 Minuten Arturo Vidal vom Platz genommen. Ein deutliches Zeichen an die Werkself, das seine Wirkung nicht verfehlte.

"In der ersten Halbzeit sind wir überhaupt nicht ins Spiel gekommen. Die Freiburger waren uns in allen Dingen überlegen und hätten das ein oder andere Tor machen müssen", meinte auch Kießling, der immer mehr unterstreicht, dass er auch für die Nationalmannschaft wieder eine Option ist.

Nach der Halbzeitpause fand Leverkusen dann immer besser in die Partie und drehte den Spielverlauf vollkommen auf den Kopf.

Bayer noch im Lernprozess

Heynckes' System greift schon nach wenigen Wochen, auch wenn der Trainer zugibt, dass sich seine Mannschaft noch im Lernprozess befindet.

"Die Tabellenführung bedeutet mir daher gar nichts", sagte der 64-Jährige. "Das hört sich nach einem 5:0 komisch an, aber wir waren auch die glücklichere Mannschaft."

Ähnlich kommentierte Rudi Völler den besten Saisonstart seit 2004. "Wir gehen mit der Geschichte gelassen um. Natürlich ist ein schöner Start angenehm, da kommt Ruhe rein in die Geschichte", meinte der Sportdirektor.

"Aber unser Sieg ist zu hoch ausgefallen."

Freiburg lange Zeit überlegen

Bis zum ersten Gegentor durch Kießling gaben die Freiburger den Ton an, hatten durch Jonathan Jäger reihenweise gute Möglichkeiten.

"Man hat gesehen, was Abschlussqualität bedeutet. Stefan Kießling hat mit seiner ersten Chance das erste Tor gemacht", meinte SC-Trainer Robin Dutt, dessen Mannschaft wie schon gegen den Hamburger SV und den VfB Stuttgart lange Zeit auf Augenhöhe mitkämpfte.

"Die Komplimente dafür kommen mir zu den Ohren raus."

So sah es auch sein Kapitän Heiko Butscher: "Für das viele Lob können wir uns nichts kaufen."

SC am Tabellenende

Für den Aufsteiger war es schon das dritte Spiel ohne Sieg, bereits zehn Gegentore haben die Breisgauer kassiert und stehen damit auf dem letzten Tabellenplatz.

"Wir müssen uns emotional von diesem 0:5 lösen", gab Dutt das nächste Ziel aus.

"Wir haben eine gewisse Art und Weise, Fußball zu spielen. Sie wurde noch nicht belohnt. Aber es ist unsere einzige Chance, in der Bundesliga zu bestehen."

Die Leverkusener dagegen dürfen nach dem besten Bundesligastart seit fünf Jahren nicht nur mit einem Blick auf die internationalen Plätze schielen.

Das Sturmduo Kießling und Derdiyok macht Lust auf mehr, und spätestens zur Rückserie will auch Helmes wieder für Tore sorgen.

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