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Karl-Heinz Rummenigge (l.) und Uli Hoeneß sahen gegen Mainz wenig Positives © imago

Nach dem schlechten Saisonstart steht der FCB mit dem Rücken zur Wand. Rummenigge spricht von einer "gefährlichen Situation".

Von Daniel Rathjen

München/Mainz - Die Köpfe waren hochrot.

Wutentbrannt stapften Manager Uli Hoeneß, Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Finanzvorstand Karl Hopfner direkt nach Spielschluss in die Bayern-Kabine.

Ihr Frust über das 1:2 (0:2) bei Aufsteiger FSV Mainz war unübersehbar.

Für die Profis gab es nach der kalten Dusche auf dem Feld die Kopfwäsche durch die Bosse.

Schwächster Saisonstart seit 43 Jahren

Der schwächste Saisonauftakt seit 43 Jahren stürzt die Münchner bereits nach drei Spieltagen in die Krise (DATENCENTER: Die Tabelle).

Mit dem neuen Trainer Louis van Gaal ist der Rekordmeister mit zwei Unentschieden und einer Niederlage sogar noch schlechter als unter Vorgänger Jürgen Klinsmann gestartet.

Und die erste Halbzeit gegen die frechen Mainzer war mit das Enttäuschendste, was die Bayern seit langem geboten haben.

Van Gaal unter Beobachtung

Während Hoeneß und Hopfner gegenüber der Presse schwiegen, gab Rummenigge zu, dass seine kürzlich geäußerte Idee über eine baldige Vertragsverlängerung mit van Gaal wohl nicht realisierbar sein dürfte.

"Ich habe gelernt, dass nach Niederlagen oder Siegen keine Entscheidungen gefällt werden. Wir haben nach drei Spielen zwei Punkte. Wir sind natürlich sehr niedergeschlagen", sagte er.

"Das ist eine gefährliche Situation, die wir sehr ernst nehmen", fügte er noch drohend an.

Ribery fehlt überall

Auffällig ist: Der FC Bayern tritt derzeit nicht mehr wie ein Spitzenteam auf. Auch die Änderung des Systems von einer Raute auf ein 4-5-1 hatte keinen wertvollen Effekt.

Der verletzte Franck Ribery (Adduktorenbeschwerden) fehlt wieder Mal an allen Ecken und Enden. Die Automatismen greifen nicht, die Abwehr gleicht nach dem Abgang von Lucio zu Inter Mailand einem Torso.

30-Millionen-Mann Mario Gomez hängt vorne oft in der Luft, Miroslav Klose sucht nach seiner Form. Lediglich Neuzugang Ivica Olic und der agile Thomas Müller sind aktuell Lichtblicke, beide standen aber auch in Mainz nicht in der Startelf.

Hinzu kommt das Problem mit Michael Rensing. Der Keeper leitete die Pleite mit einem dicken Patzer ein.

Das Tor durch Andreas Ivanschitz zum 0:1 (25.) hätte ein Torwart mit Nationalmannschafts-Ambitionen verhindern müssen.

Beim 0:2 durch Aristide Bance (37.) war Rensing dann machtlos. Für das Spiel der Bayern bezeichnend war, dass der Anschlusstreffer aus einem Eigentor des Mainzers Nikolce Noveski (47.) resultierte.

Rensing sieht Fehler ein

"Bei dem ersten Gegentor sehe ich sicher nicht gut aus", gestand Rensing ein. "Unsere Leistung war absolut desolat. So reicht es nicht."

Auch Bastian Schweinsteiger war enttäuscht und ging hart mit seinen Kollegen ins Gericht. "Wir machen die Tore einfach nicht und wir legen keine Leidenschaft an den Tag", beschwerte er sich.

Gomez resümierte: "Es ist ein Schock für uns alle. Wir haben in der ersten Halbzeit überhaupt nicht gekämpft und haben eine Lehrstunde erteilt bekommen."

Der Trainer Gaal flüchtet sich in Durchhalteparolen und verlangt nach Zeit: "Ich werde jetzt noch härter und besser arbeiten, damit wir bald Erfolg haben. Wir wissen, dass wir unbedingt Punkte holen müssen."

Der Niederländer vertraut dabei ganz auf seine Erfahrung. Angst hat er nicht. "Ich bin ein Coach. Und das seit mehr als 20 Jahren. Ich weiß, was ich kann und was die Spieler können", stellt er klar.

Lahm spricht Klartext: "Fehlstart"

Ersatzkapitän Philipp Lahm sprach nach dem sportlichen Offenbarungseid ebenfalls Klartext.

"Wenn man als FC Bayern nach drei Spielen nur zwei Punkte auf dem Konto hat, kann man ganz klar von einem Fehlstart sprechen. Es muss sich jetzt einiges ändern, vor allem die Einstellung. Uns hat von Anfang an die Aggressivität gefehlt."

Nächste Woche bekommt es der FCB mit dem VfL Wolfsburg zu tun. Und die Einschätzung von dessen Meistertrainer Felix Magath scheint sich zu bewahrheiten. "Der FC Bayern hat in der Bundesliga die Dominanz der früheren Jahre verloren", hatte er behauptet.

In Mainz steigen die Münchner jedenfalls total geknickt schnurstracks in den schwarzen Teambus, während die Aufsteiger aus Mainz um den starken Goalgetter Bance auch noch lange nach Spielende feierten.

Mainz feiert Tuchel

Der neue Trainer Thomas Tuchel hat dort mit dem ersten Pflichtsieg der Mainzer gegen die Bayern sowohl Kult-Coach Jürgen Klopp als auch Aufstiegstrainer Jörn Andersen innerhalb weniger Wochen vergessen gemacht.

"Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft. Wir wollten nicht ans Ergebnis denken, sondern Leistung auf dem Platz zeigen. Das haben wir gemacht", erklärte der Coach.

Größtes Lob gab es dafür von FSV-Manager Christian Heidel: "Das war taktisch das Beste, was ich bei Mainz 05 in den letzten 20 Jahren gesehen habe. Thomas Tuchel macht einen Riesenjob, er hat die Jungs enorm heiß gemacht."

Dass das auch daran lag, dass der Gegner nie sein Potenzial abrief, interessierte beim Startschuss einer langen Mainzer Nacht niemanden.

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