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Louis van Gaal wartet mit dem FC Bayern auf den ersten Ligasieg © imago

Der Bayern-Trainer steht nach der Blamage von Mainz erstmals in der Kritik. Sport1.de deckt das Kernproblem der Münchner auf.

Von Daniel Rathjen

München - Noch bleibt er furchtlos.

"Ich habe keine Angst, ich fürchte keine Konsequenzen", sagte Louis van Gaal nach der peinlichen 1:2-Pleite bei Aufsteiger Mainz 05.

Doch eines ist unübersehbar: Der schlechteste Saisonstart seit 43 Jahren hat beim FC Bayern München schon am dritten Spieltag eine Krise ausgelöst.

Der große FC Bayern hat seinen Schrecken in der Bundesliga verloren, von Dominanz ist keine Spur.

Seit 37 Spieltagen nicht mehr Spitze

Die Bosse sind alarmiert, nachdem ihr Verein seit nunmehr 37 Spieltagen nicht mehr an der Tabellenspitze steht (DATENCENTER: Die Tabelle). Und die Kritiker bringen sich in Stellung.

"Was ich von in den ersten 45 Minuten gesehen habe, war erschreckend, indiskutabel und vor allem unwürdig", schimpfte Günter Netzer in der "Bild".

"Ein unnötiges, unattraktives, ja unsägliches Ballgeschiebe im Niemandsland des Spielfeldes."

Udo Lattek legte im DSF-Doppelpass nach: "Im Spiel ist keine Harmonie. Sie hätten kämpfen und rennen müssen. Aber das haben sie nicht getan."

"Wir bleiben ruhig"

Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge beeilte sich, eine drohende Trainerdiskussion schon im Keim zu ersticken. "Wir werden ruhigbleiben und weiterarbeiten", erklärte er.

Van Gaal selbst kann es selbst nicht richtig fassen. "Ich frage mich, was wir in der Vorbereitung falsch gemacht haben", sagte er und gab ebenfalls an: "Wir müssen jetzt noch härter und noch besser arbeiten."

Doch das könnte schwierig werden. Denn der FC Bayern präsentiert sich derzeit nicht als Team, sondern als Sammelsurium von Einzelspielern (KOMMENTAR: Die ersten Fragezeichen).

Van Gaals Handschrift ist bislang nicht zu erkennen, zudem ist die Systemfrage noch ungeklärt.

Systemwechsel bringen Unruhe

Franck Ribery wirbelt lieber auf links, Bastian Schweinsteiger will kein Spielmacher sein, Alexander Baumjohann und Jose Sosa sind den Anforderungen nicht gewachsen.

Statt mit einer Raute im Mittelfeld fing van Gaal in Mainz mit einem 4-2-3-1-System an, in dem sich sogar Miroslav Klose und später Thomas Müller hinter Mario Gomez als einziger Spitze versuchten.

Der Versuch ging in die Hose. Stattdessen wurde das größte Problem deutlich sichtbar.

Spieler sind gehemmt

Die Spieler sind offenbar überfordert mit den Ansprüchen des Trainers. Sie verstehen ihn (noch) nicht. Nahezu zwanghaft versuchen sie momentan, bloß keine Fehler zu machen und sind dadurch gehemmt.

"Es dauert, bis sie das taktische Verhalten völlig verinnerlicht haben", vermutet Netzer.

Laut Gomez liegen die Ursachen jedoch nur an der Einstellung. "Das System ist egal. Wir müssen laufen", stellte er klar.

Probleme in allen Mannschaftsteilen

Es ist aber nicht nur die Laufbereitschaft, die fehlt. Hinzu kommen erhebliche Schwierigkeiten in allen Mannschaftsteilen. Vor allem Ribery wird als Kreativkraft schmerzlich vermisst.

Der Franzose hätte auch gerne gespielt, wurde von van Gaal aber geblockt.

"Erst muss Franck in einer guten Verfassung sein. Ich habe gesehen, dass er nicht fit war", widersprach der Coach dem Mittelfeldstar, der auf einen Einsatz gedrängt hatte.

Das Abwehrverhalten ist zudem weiterhin besorgniserregend.

Netzter fällte gar ein vernichtendes Urteil: "Van Buyten ist wie Badstuber als Innenverteidiger international nicht vorzeigbar. Das gilt auch für Torwart Rensing."

Neue sind keine Verstärkung

Ein weiteres Problem: Die Neueinkäufe Danijel Pranjic, Edson Braafheid und Anatoliy Tymoshchuk sind bislang überhaupt keine Verstärkungen.

Ein wenig Grund zur Hoffnung gibt allenfalls die zweite Halbzeit. Darauf baut auch van Gaal:

"Die war besser, mit Leben und Leidenschaft, aber das muss man immer haben. Ich wechsle normalerweise nicht in der ersten Halbzeit aus, aber ich hätte noch mehrere Spieler auswechseln können."

Was passiert gegen Wolfsburg?

Allein: Nur der Einsatz verbesserte sich danach, nicht aber das Spielverständnis. Bis zur nächsten Partie gegen Meister VfL Wolfsburg am Samstag muss der Rekordmeister neue Lösungen finden.

Eine weitere Pleite dürfte endgültig für Alarmstimmung sorgen. Trotzdem fordert van Gaal Zeit und kann dabei auf seine erfolgreiche Vergangenheit verweisen.

In seiner Heimat startete er im Vorjahr mit dem AZ Alkmaar mit zwei Niederlagen sowie einem offensiven 4-3-3 und wurde mit einem defensiveren 4-4-2 Meister.

Möglich ist auch, dass der FCB noch einmal auf dem bis zum 31. August geöffneten Transfermarkt aktiv wird. Rafael van der Vaart und Wesley Sneijder suchen immer noch einen Verein.

Ob die tatsächlich weiterhelfen oder nur die Findungsphase verlängern würden, ist jedoch fraglich.

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