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Romeo Castelen (l.) macht sein erstes Bundesliga-Tor für den Hamburger SV © getty

Der HSV zeigt einen "richtig starke" Leistung in Wolfsburg und entführt drei Punkte. VfL-Trainer Veh ist mächtig sauer.

Von Jessica Pulter

München - Der VfL Wolfsburg hätte es wissen können. Denn der Hamburger SV hat in dieser Saison die dritte Minute für seine ersten Tore auserkoren.

Wie schon gegen den SC Freiburg und Borussia Dortmund gelang den Hanseaten auch im Gastspiel beim VfL Wolfsburg ein frühes Tor, diesmal durch Paolo Guerrero (3.).

Doch bevor der HSV seinen 4:2 (2:0)-Sieg beim Deutschen Meister feiern durfte, ging die Elf von Trainer Bruno Labbadia noch durch einspektakuläres Wechselbad der Gefühle.

Doch am Ende stand die erste Heimniederlage für den VfL nach 20 Spielen.

Entfesselte Hamburger

Von Müdigkeit aufgrund des Europa-League-Spiels in Guingamp am Donnerstag war bei den Gästen überhaupt nichts zu merken.

Hamburg spielte in der ersten Halbzeit wie entfesselt, legte nach dem Blitzstart durch Guerrero gleich mit einem weiteren Tor von Neuzugang Eljero Elia (7.) nach und musste sich nur den Vorwurf gefallen lassen, nicht noch mehr Tore geschossen zu haben.

"Wir hätten in der ersten Halbzeit den Sack zumachen müssen", kritisierte auch HSV-Torwart Frank Rost nicht zu Unrecht.

"Das war richtig stark"

In der zweiten Hälfte bewiesen die Hamburger dann auch noch Nehmerqualitäten.

Zwar gelang Wolfsburg durch Zvjezdan Misimovic (52.) und den eingewechselten Obafemi Martins (55.) der Ausgleich. Doch der HSV brach nicht ein. Ganz im Gegenteil.

"Man muss meiner Mannschaft ein großes Kompliment machen", lobte Labbadia sein Team. "Nach dem 2:2 gingen die Köpfe schon nach unten. Dann wieder zurückzukommen, war richtig stark."

Ein paar Minuten Verschnaufpause brauchten die Hanseaten, dann sorgten Mladen Petric (75.) und der eingewechselte Romeo Castelen (90.) mit ihren Treffern für die Entscheidung.

HSV nun in der Favoritenrolle

Hamburg schob sich mit dem zweiten Saisonsieg nicht nur auf Platz zwei der Tabelle, sondern darf auch wieder lautstark Titelambitionen formulieren.

"Es wird auf uns zukommen, dass wir die Favoritenrolle übernehmen müssen", weiß daher auch Rost. "Das haben wir uns aber erarbeitet, und darauf sollten wir auch stolz sein."

Grill im Gespräch als Sportdirektor

Vielleicht hilft der Höhenflug den Hamburgern auch, eine immer noch offene Personalstelle in ihrem Klub zu besetzen.

Der HSV sucht seit Wochen nach einem neuen Sportdirektor, Vorstandsboss Bernd Hoffmann versprach nun: "In der Länderspielpause kann da etwas passieren."

Als aussichtsreichster Kandidat wird derzeit Roman Grill gehandelt. Gegen den 43-Jährigen würde aber sprechen, dass er derzeit als Spielerberater tätig ist und womöglich in einen Interessenskonflikt käme.

"Das hat mit Bundesliga nichts zu tun"

Ganz andere Probleme offenbarte dagegen der VfL im Spitzenspiel. In Halbzeit eins fand die so stabile Offensive um Edin Dzeko, Misimovic und Grafite überhaupt nicht statt, die Abwehr wirkte teilweise komplett überfordert.

"Unerklärlich", räumte Trainer Armin Veh ein. "Wir hatten teilweise eine Überzahl in der Defensive, haben aber die Bälle nicht bekommen. So wie wir uns in der ersten Halbzeit präsentiert haben, so geht das nicht. Das hat mit Bundesliga nichts zu tun."

Die 20 guten Minuten in Halbzeit zwei verbesserten das Bild nur marginal.

Rost: VfL ist Favorit gegen Bayern

Wolfsburg muss nun schnellstens wieder zu alter Stärke zurückfinden, denn am kommenden Samstag sind die Niedersachsen beim FC Bayern München zu Gast.

Trotz der bitteren Niederlage hat der VfL einen Fürsprecher für das nächste Spitzenspiel. "Für mich ist der VfL klarer Favorit bei den Bayern, ich sehe da für Wolfsburg nicht schwarz", erklärte ausgerechnet HSV-Torwart Rost im Beisein seines Gegenübers, Diego Benaglio.

Das brachte dem VfL-Keeper, trotz der vier Gegentore bester Wolfsburger, zumindest wieder ein Schmunzeln ins Gesicht zurück.

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