In seiner Sport1.de-Kolumne schreibt Huub Stevens über die bittere Pleite der Bayern in Mainz und Leverkusens Chancen auf den Titel.

Hallo Fußballfreunde,

das Wochenende hat uns mit dem Mainzer Erfolg gegen Bayern München einen echten Überraschungscoup beschert.

Man muss auch klipp und klar sagen, dass der Sieg des FSV hochverdient war. Natürlich darf so etwas den Bayern nicht passieren. Aber die Mainzer sind über sich hinausgewachsen, sie konnten ja auch unbelastet aufspielen.

Bayern dagegen hat in jedem Spiel sehr viel zu verlieren. Am Samstag sind die Münchner mit diesem Druck nicht klargekommen.

Jetzt ist man natürlich schnell dabei zu sagen, für das, was einige Bayern-Spieler kosten, kriegt man in Mainz die ganze Mannschaft. Also müssten die Bayern in einem solchen Spiel eigentlich deutlich besser sein.

Aber Geld schießt eben doch keine Tore, so einfach ist das.

Einen Grund für Panikmache bei den Bayern sehe ich trotzdem nicht. Sie haben auch in Phasen, in denen sie besser drauf waren, mal gegen kleinere Klubs verloren.

Ich bin mir sicher, dass Louis van Gaal in München die Kurve kriegt, wenn man ihm die Zeit dazu gibt.

Das Problem ist aber: Im Profigeschäft bekommst du im Prinzip nie die Zeit für einen Entwicklungsprozess. Du stehst immer unter Druck.

Dass sich einige Bayern-Profis geäußert haben, sie verstünden nicht, was van Gaal von ihnen will, kann ich übrigens nicht nachvollziehen.

Es ist ganz simpel: Van Gaal verlangt von den Spielern eine gute Organisation auf dem Platz, aus der guter und erfolgreicher Fußball entsteht. Er ist dahingehend aber ein bisschen detailversessener als andere.

Mit Wolfsburg kommt jetzt vielleicht genau das richtige Kaliber als nächster Gegner, an dem die Münchner Wiedergutmachung betreiben können.

Gegen den Meister zu spielen ist etwas anderes als - bei allem Respekt - in Mainz.

Und gegen den HSV hat der VfL gezeigt, dass er verwundbar ist. Wolfsburg war da nur in den ersten 20 Minuten nach der Pause präsent.

Hamburg ist dagegen in sehr guter Frühform und personell in diesem Jahr wirklich sehr stark besetzt. Da kommen Spieler wie Marcus Berg oder Romeo Castelen von der Bank.

Der HSV wird in dieser Saison eventuelle Ausfälle gleichwertig ersetzen können und auch durchwechseln, um Spieler frisch zu halten. Das ist ein Riesenplus.

Für Castelen freut es mich besonders, dass er endlich mal fit ist und auch die Leistung bringen kann, die in ihm steckt. Wir haben ihn damals nicht umsonst nach Hamburg geholt. Leider war er danach lange verletzt.

Mit Eljero Elia hatte ich schon vor einigen Jahren gesprochen, als er noch in Den Haag spielte. Damals wollte ich ihn dazu bringen, zu Roda Kerkrade zu wechseln.

Er hat sich dann aber aus finanziellen Gründen für Twente entschieden. Es war also schon länger abzusehen, dass Elia große Qualität hat.

Die hat aktuell auch Tabellenführer Bayer Leverkusen mit Stefan Kießling und Eren Derdiyok im Sturm. Die beiden gehören ohne Frage zu den besten Angreifern der Liga.

Jupp Heynckes wird mit seiner Mannschaft lange vorne mitmischen, auch wenn es am Ende nicht dazu reichen wird, ganz oben zu stehen.

Das Niveau von Bayern, dem HSV oder Wolfsburg hat Leverkusen noch nicht. Aber das Zeug zur Überraschungsmannschaft der Saison besitzt Bayer allemal.

Bis nächste Woche,Euer Huub Stevens

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