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Franz Beckenbauer (l.) und Stefan Effenberg sind aktuell gar nicht zufrieden © imago

Was nun? Zwischen van Gaal und der Mannschaft kracht es. Die Kritiker prophezeien dem FC Bayern bereits eine schwierige Saison.

Vom FC Bayern berichten Daniel Rathjen und Mathias Frohnapfel

München - Geduld ist beim FC Bayern ein Fremdwort.

Zeit ist ein Luxus, den sich der Rekordmeister nicht erlauben kann.

Nach dem schlechtesten Start seit 43 Jahren wächst der Erfolgsdruck rasant (DATENCENTER: Die Tabelle).

Und Trainer Louis van Gaal hat momentan wenig Argumente (zum Artikel: Keiner versteht van Gaal).

Am Tag nach der peinlichen 1:2-Pleite beim FSV Mainz 05 studierte der Chefcoach in seinem Büro das Debakel auf DVD. Eine Krisensitzung mit der Mannschaft wird in den nächsten Tagen folgen.

Die Bosse sind verstimmt, weil sie ihre Dominanz in der Liga schwinden sehen.

"Muss die richtige Antwort finden"

Und wenn die Münchner schon von einem Aufsteiger vorgeführt werden, wird es auf internationaler Ebene erst recht nicht reichen.

Auch deswegen setzt Präsident Franz Beckenbauer den neuen Coach unter Druck. "Louis van Gaal muss am Samstag gegen Wolfsburg die richtige Antwort finden", sagt er in der "Bild".

Angst habe er nach der 1:2-Blamage bei Mainz 05 nicht, "aber man wird sehr nachdenklich: Eine Erklärung für die diese Leistung habe ich nicht".

Beckenbauer räumte zudem Fehler in der Transferpolitik ein:

Mehr Sicherheit mit Lucio?

"Mit Lucio wäre die Abwehr vielleicht etwas stabiler, Ze Roberto ist mit seiner Ballbeherrschung eine Verstärkung für viele Teams. Aber was soll's, jetzt sind sie weg."

Nun müssten sich Spieler wie die bislang enttäuschenden Van-Gaal-Wunschspieler Danijel Pranjic, Edson Braafheid oder auch Anatoliy Tymoshshuk steigern: "Sonst wird's ein schweres Jahr für Bayern."

Daher ist die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass der FCB noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv wird: Etwa mit der Verpflichtung von Rafael van der Vaart oder Wesley Sneijder für das Mittelfeld, einem (Rechts-)Verteidiger oder auf der Torhüterposition.

"Das bespreche ich mit dem Vorstand", sagt van Gaal dazu. Das Transferfenster schließt am 31. August.

Gomez: "Trainer ohne Schuld"

Neuzugang Mario Gomez erklärte jedenfalls, dass die Mannschaft nicht gegen den Trainer spiele. (KOMMENTAR: Die ersten Fragezeichen)

"Das ist Quatsch. In der ersten Halbzeit sind wir ja nicht gelaufen, nicht der Trainer. Das ist ja nicht die Schuld des Trainers", meinte der Stürmer.

Die fehlende Leidenschaft im Bayern-Spiel ist aber nur ein Aspekt der insgesamt desolaten Verfassung.

Ex-Leitwolf Stefan Effenberg, unter dessen Regie auf dem Platz 2001 die Champions League gewonnen wurde, sprach die Probleme im Kader schonungslos an.

"Bei den Neuverpflichtungen in der Abwehr haben die Verantwortlichen einfach geschlafen in den vergangenen ein, zwei Jahren. Da gab es zum Teil haarsträubende Fehler. Die kann man nur abstellen, wenn man sich verstärkt, nicht ergänzt", urteilte er bei "Sky".

Effenberg in Rage

Auch dass van Gaal Superstar Franck Ribery in München trainieren ließ, anstatt ihn als Joker auf die Bank zu setzen, kritisierte der 40-Jährige.

"In der Regel geht die Kurve bei Mainz nach 70, 75 Minuten runter, rein kräftemäßig. Wenn ich dann noch Ribery auf der Bank habe, der eine Waffe ist, dann bringe ich ihn. Dann lasse ich ihn nicht zu Hause", so Effenberg.

Ohne den Franzosen sei der FC Bayern für ihn ohnehin nur eine "Durchschnittsmannschaft".

Eine vernichtende Kritik fällte Effenberg über Stürmer Miroslav Klose, der am Samstag hinter der einzigen Spitze Gomez im zentralen Mittelfeld agieren musste.

Ohrfeige für Rensing

"Klose kann nicht hinter den Spitzen spielen. Und warum spielt Olic nicht von Anfang an? Du spielst gegen Mainz mit einer echten Spitze. Gegen Mainz! Mit einer Spitze kann ich gegen Real Madrid oder Manchester spielen", echauffierte sich der "Tiger".

Zudem sprach Effenberg Keeper Michael Rensing die Klasse ab.

"Jede Top-Mannschaft braucht einen Weltklasse-Torwart. Den hatten wir damals mit Oliver Kahn, den hat Bayern heute mit Rensing nicht. Er ist ein Torwart, der bei Köln oder Frankfurt spielen würde, aber nicht bei Bayern."

"Kann schnell gehen"

Die Hoffnung auf Besserung - zumindest in der Bundesliga - hat Effenberg aber noch nicht aufgegeben: "Ich glaube, dass der FC Bayern durchaus in der Lage ist, Deutscher Meister zu werden. International wird es bei Bayern aber nicht reichen, das sage ich jetzt schon."

Dass er im Notfall auch selbst eine verantwortliche Position bekleiden würde, will er nicht ausschließen:

"Man hat doch gesehen, wie schnell es gehen kann. Markus Babbel ist Trainer beim VfB Stuttgart. Warum soll das bei mir nicht auch funktionieren?"

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