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617 Tage hat Romeo Castelen auf seine Rückkehr beim HSV warten müssen © getty

Nach dem souveränen Sieg in Wolfsburg gibt es für die Hanseaten Lobeshymnen von VfL-Coach Veh. Umjubelt wird Castelens Comeback.

Wolfsburg - Erst nahmen sie die Festung des Deutschen Meisters VfL Wolfsburg im Sturm, dann wurden die Profis des Hamburger SV vom gegnerischen Trainer zum Titelkandidaten ernannt.

"Die Meisterschaft läuft in diesem Jahr über den HSV. Das ist eine richtig gute Mannschaft", meinte der zerknirschte VfL-Coach Armin Veh, nachdem sein Team beim 2:4 von den Hanseaten regelrecht zerlegt worden war.

Nur aufgrund der schlechteren Tordifferenz verpassten es die Hamburger, an Spitzenreiter Bayer Leverkusen vorbeizuziehen.

Wolfsburger Heimserie beendet

Wichtiger aber war der Prestigeerfolg im Nord-Derby, mit der der HSV Wolfsburgs Bundesliga-Heimserie von 16 Monaten und 20 Spielen ohne Niederlage beendete.

Bruno Labbadia wies die Lobeshymnen von Veh aber dennoch zurück.

"Mit seiner Aussage hat Armin den Druck schön weitergegeben. Das würde ich an seiner Stelle genauso machen", meinte Hamburgs Trainer.

"Mir geht das aber alles zu schnell. Das war ein ordentlicher Start in die Bundesliga - mehr nicht. Es geht immer noch besser."

Labbadia wollte den Ball bewusst flach halten, für die Konkurrenz dürften seine Worte jedoch wie eine Drohung geklungen haben.

Petric und Mathijsen optimistisch

Zumal seine Spieler sich wesentlich selbstbewusster äußerten.

"Wenn wir noch 31 solcher Spiele machen, stehen wir am Ende oben", sagte Stürmer Mladen Petric, der nach Wolfsburgs Aufholjagd von 0:2 auf 2:2 das wichtige 3:2 der Hanseaten erzielt hatte.

Auch Abwehrchef Joris Mathijsen gab zu bedenken: "Wenn wir so weitermachen, sind wir nur ganz schwer zu schlagen."

Zuvor trafen Paolo Guerrero und der starke Neuzugang Eljero Elia, dann ließen Zvjezdan Misimovic und der eingewechselte Obafemi Martins mit ihren Toren den "Wölfen" noch einmal Hoffnung.

Freude über Comeback von Castelen

Doch Petric und schließlich Romeo Castelen in der Schlussminute sorgten für den perfekten Saisonauftakt des Bundesliga-Gründungsmitglieds.

Neben dem Sieg freuten sich die Hamburger besonders über den ersten Bundesliga-Treffer des ebenfalls eingewechselten Castelen. "Es ist schön, wie er sich wieder herangekämpft hat", sagte Labbadia.

617 Tage hatte der Flügelflitzer aufgrund zweier Knieoperationen auf seinen insgesamt 14. Bundesliga-Einsatz warten müssen.

"Als nach meinem Tor plötzlich alle Mitspieler auf mir lagen, bekam ich überhaupt keine Luft mehr", meinte der Niederländer.

"Aber man kann sich gar nicht vorstellen, wie glücklich ich in diesem Moment war. Da braucht man keinen Sauerstoff."

"In der ersten Halbzeit abschlachten lassen"

Den Wolfsburgern war die Luft schon vorher ausgegangen. Für besonderen Frust sorgte die erste Hälfte. "Das war desolat", schimpfte Misimovic, dessen Team nun die schwere Auswärtsaufgabe beim FC Bayern bevorsteht.

"Es war klar, dass irgendwann die Serie reißt. Aber wir haben uns in der ersten Halbzeit fast ohne Gegenwehr abschlachten lassen."

Veh grantelt

Noch deutlicher drückte es Veh aus, der sich nach Spielende von Interview zu Interview grantelte.

"In der ersten Halbzeit waren wir fast nicht auf dem Platz. Das hatte mit Bundesliga nichts zu tun. So kann man nicht bestehen", wetterte der Coach nach seiner ersten Pflichtspiel-Niederlage als VfL-Coach.

"Die Favoriten sind jetzt erst einmal andere."

Für Veh offenbar vor allem der HSV.

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