vergrößernverkleinern
Neuzugang Anatoliy Tymoshchuk hat bei den Bayern bisher noch nicht überzeugt © getty

Beim Foto-Shooting müssen die Münchner gute Miene zum bösen Spiel machen. Sport1.de zeigt die Baustellen des FC Bayern.

Vom FC Bayern berichtet Daniel Rathjen

München - Die Sonne schien und sie stießen mit Weißbier an.

In Lederhosen waren die Profis des FC Bayern zum Foto-Shooting bei einem Münchner Brauhaus angerückt.

Doch gute Laune versprühten sie im Festsaal des Sponsors nur auf Kommando des hektischen Fotografen.

Zu tief saß offenbar noch der Frust über den schlechtesten Saisonstart seit 43 Jahren.

Nur schmallippig oder gar nicht wollten sich die Münchner äußern.

"Die taktischen Anforderungen sind sehr groß"

Michael Rensing verweigerte jeden Kommentar, der Rest verschanzte sich in der Ecke des "Kaminzimmers", wo Getränke und Brezel bereit lagen.

Lediglich Kapitän Philipp Lahm nutzte die Gelegenheit, um die Blamage beim FSV Mainz zu erklären.

"Es ist sehr viel Taktik bei Louis van Gaal. Er hat klare Vorstellungen, wie jede Position gespielt werden muss. Das ist eine große Umstellung für jeden Einzelnen. Das war in den vergangenen Jahren nicht so", sagte der Verteidiger ernst.

Damit beschrieb er die Situation ganz gut. Denn eines ist klar: Die Spieler verstehen ihren Trainer (noch) nicht und der Coach nicht die Spieler. (DATENCENTER: Die Tabelle)

Es ist der Kern eines ganzen Problem-Haufens. Sport1.de analysiert die Brandherde. (KOMMENTAR: Die ersten Fragezeichen)

Die Personalpolitik:

Mit Ze Roberto (zum Hamburger SV) und Lucio (Inter Mailand) wurden zwei Leistungsträger abgegeben.

Trotz aller wilden Vorstöße und hektischer Klärungsversuche hat aber gerade Lucio für mehr Stabilität gesorgt.

Ze Roberto gehörte in der vergangenen Saison zu den auffälligsten Akteuren und kann jeder Bundesliga-Mannschaft durch seine hervorstechende Technik mehr Pep und Kreativität verleihen.

Leute gehen, Leute kommen. Aber die 50,5 Millionen Euro, die der Rekordmeister für neue Stars ausgegeben hat, sind definitiv sehr viel im Vergleich zum Ertrag.

Danijel Pranjic oder Edson Braafheid sind den Beweis ihrer Bundesliga- und vor allem Champions-League-Tauglichkeit noch schuldig. Auch Anatoliy Tymoshchuk ist bislang keine Verstärkung.

Zudem versäumten es die Verantwortlichen, einen Rechtsverteidiger zu holen wie Darijo Srna oder Jose Bosingwa. Und: Auf der noch verwaisten Zehner-Position wären Rafael van der Vaart und Wesley Sneijder zu haben.

Das Taktik-Chaos:

Beim 1:2 in Mainz wurde das Taktik-Chaos deutlich. Nach einem 4-4-2 mit Raute entschied sich van Gaal zunächst für ein 4-4-2 mit Bastian Schweinsteiger und Tymoshchuk als Doppel-Sechs und Stürmer Miroslav Klose als Spielmacher in spe.

Noch vor der Pause erfolgte dann eine Änderung auf ein 4-2-3-1 mit vier gelernten Stürmern auf dem Feld. Alles ohne sichtbaren Erfolg.

Die Spieler sind verunsichert und gehemmt von der Angst, Fehler zu machen. Van Gaal geriet in Erklärungsnot. Positiv bemerkbar machte sich aber, dass er sich der Kritik stellte.

Die Überheblichkeit:

In der ersten Halbzeit gegen Mainz wurde es deutlich sichtbar. Den Bayern mangelt es phasenweise an der richtigen Berufsauffassung.

"Das Bewusstsein, die besseren Fußballer zu sein, hat uns verleitet, es nur spielerisch zu versuchen und nicht zu kämpfen", gab der schwache Mario Gomez zu.

Auch Philipp Lahm kritisierte: "Wir hätten hellwach sein müssen. Ich hatte nicht den Eindruck, dass das jeder war."

Die Abwehr:

Sie wackelt. Und das gehörig. Youngster Holger Badstuber hat Potenzial, doch für die Position als wichtige Stütze in der Innenverteidigung ist er garantiert noch nicht reif.

Daniel van Buyten soll der Abwehrchef sein. Das Vertrauen in ihn ist bislang aber nicht gerechtfertigt. Seine Stellungsfehler gegen Mainz waren katastrophal und lassen keinen anderen Schluss als mangelnde Qualität zu.

Lahm spielt auf seiner Wunschposition rechts, konnte aber da noch nicht die Impulse setzen, die der Fan von ihm auf der linken Seite gewohnt war.

Der Torwart:

Wäre es nach den Verantwortlichen gegangen, stünde längst Manuel Neuer vom FC Schalke zwischen den Münchner Pfosten. Doch der blieb in Gelsenkirchen, Michael Rensing bekam seine zweite Chance.

Doch er ist und bleibt ein Unsicherheitsfaktor. Auf der Linie beweist er im Training überragende Reflexe. Allerdings wiegt das seine Schwächen bei Flanken und Distanzschüssen bei weitem nicht auf.

Offen, ob der FCB nun in der verbleibenden Zeit doch noch eine neue Nummer 1 verpflichtet. Nationaltorwart Robert Enke wäre wohl zu bekommen, doch den wollten die Münchner im Sommer nicht.

Louis van Gaal:

Der Niederländer hat im Allgemeinen den Ruf, vehement auf seinen Ansichten zu beharren. Manche nennen das Sturheit. Auch van Gaal hat seine eigene Linie. Und die ruft bei einigen Akteuren noch sehr viel Skepsis hervor.

Seine Regeln sind streng. Franck Ribery schüttelt öfter mal den Kopf, wenn der Coach beispielsweise darauf besteht, dass der Physiotherapeut nicht am Tisch der Spieler sitzen darf.

Laut "kicker" soll es auch mit "Lebemann" Luca Toni zu einem lauten Wortgefecht gekommen sein, als der Italiener zur Behandlung seiner Verletzung in die Heimat aufmachte.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel