vergrößernverkleinern
Josef Schnusenberg (l.) war von 1994 bis 2007 S04-Schatzmeister, seitdem ist er Präsident © getty

Schalkes Präsident ist offenbar das nächste Opfer des sportlichen Alleinherrschers. Dies bestätigt S04-Boss Tönnies indirekt.

Von Martin Volkmar und Robert Gherda

München/Gelsenkirchen - Josef Schnusenberg ist anscheinend das nächste Opfer von Felix Magath.

Wie Schalke 04 am Dienstag bestätigte, wird der Präsident bis zum Ende seiner Amtszeit 2010 nur noch repräsentative Aufgaben übernehmen.

Angeblich geschieht das auf eigenen Wunsch.

Tönnies: "Entscheidung geht von ihm aus"

"Die Entscheidung geht von Josef Schnusenberg aus", sagte Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies Sport1.de.

"Er hat mir Anfang des Jahres mitgeteilt, dass er seine nächsten Sommer endende Amtszeit nicht noch einmal verlängern will. Er ist dann 16 Jahre im Vorstand dabei und er würde gerne noch in der zweiten Reihe weiterarbeiten, aber eben nicht mehr an der Front."

Daher seien Berichte über Entmachtung Schnusenbergs "absolut falsch und völlig übertrieben".

Diese Darstellung wird im Umfeld der Königsblauen allerdings bezweifelt und durch Aussagen Magaths untermauert.

"Man hat mich geholt, um etwas zu verändern. Das gilt nicht nur für den sportlichen Bereich", erklärte der neue sportliche Alleinherrscher.

Magath: "Es liegt nicht immer nur am Trainer"

"Es liegt nicht immer nur am Trainer, wenn was schiefläuft. Auch die Verantwortlichen im Verein müssen sich hinterfragen."

Tönnies bestätigte Sport1.de indirekt Berichte, nach denen Magath massiv auf Schnusenbergs Rückzug gedrängt haben soll.

"Wir haben uns an das zu halten, was unsere Funktionsträger wollen", erklärte der Fleischfabrikant. "Wir sind sicher, dass wir damit noch besser aufgestellt sind."

Peters übernimmt Finanzressort

Diese Umstrukturierung auf einen nur noch zweiköpfigen Vorstand mit Geschäftsführer Peter Peters, der von Schnusenberg das Finanzressort übernimmt, und Magath ab Juli 2010 sei schon länger geplant. Nun werde er vorgezogen.

Somit hat sich die Macht auf Schalke schon nach wenigen Wochen unter dem Wolfsburger Meistermacher auf ihn, Peters und Tönnies konzentriert.

Dass dies Entscheidungen erleichtert, hat Magath bei den "Wölfen" erfolgreich vorgemacht. In Gelsenkirchen stehen allerdings aufgrund der wirtschaftlichen Probleme wesentlich weniger Mittel zur Verfügung.

136,5 Millionen Euro Verbindlichkeiten

Der Verein hat laut eigener Auskunft nach einem Gewinneinbruch von 12,7 Millionen Euro Gesamt-Verbindlichkeiten von 136,5 Millionen Euro.

Entsprechend wenig konnte nach dem Verpassen des internationalen Geschäfts in Neuzugänge investiert werden, Magath hatte dafür offenbar nur bedingt Verständnis.

Denn Schnusenberg hatte immer betont, Schalke könne nur so viel ausgeben wie man einnehme. Nun drängte Tönnies seinen Freund und Steuerberater mehr oder weniger sanft aus der Verantwortung.

Schnusenberg: Kein Grußkasper

Auch wenn die Beteiligten das so natürlich nicht bestätigen wollen. "Das mit einem Machtverlust zu bezeichnen - das wäre kompletter Unsinn", meinte Schnusenberg gegenüber der "dpa".

"Und wenn mich jemand dabei als Grußkasper bezeichnet, ist das einfach falsch. Schließlich ist es eine sehr ordentliche Aufgabe, 80.000 Mitglieder des FC Schalke 04 zu repräsentieren."

Mehr wird der S04-Präsident aber nicht mehr zu sagen haben, was auch eine Konsequenz seiner wenig glücklichen Außendarstellung in der vergangenen Katastrophen-Saison sein dürfte.

Dennoch hat Schnusenberg zumindest öffentlich keine Probleme mit dem Ende seiner seit 1994 andauernden Tätigkeit in der Schalker Führung:

"Ich werde im kommenden Februar 69 Jahre alt. Da wird es Zeit, sich stärker um die anderen schönen Dinge des Lebens zu kümmern."

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel