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VfB-Keeper Jens Lehmann will seine Profi-Karriere nach der Saison beenden © getty

Der DFB-Kontrollausschuss ermittelt nun offiziell gegen den Stuttgarter und den Dortmunder und wirft beiden Tätlichkeit vor.

Von Martin Volkmar

München - Jetzt ist es amtlich: Der DFB-Kontrollausschuss hat offziell ein Ermittlungsverfahren gegen Stuttgarts Torhüter Jens Lehmann und den Dortmunder Innenverteidiger Neven Subotic eingeleitet.

Bei einer Verurteilung droht beiden Akteuren wegen ihrer heftigen Rangelei im Bundesligaspiel (1:1) eine Sperre von mehreren Wochen. (NACHBERICHT: Dicke Lippe für "Buhmann" Lehmann)

"Beide Spieler sind dringend verdächtig, sich jeweils eines krass sportwidrigen Verhaltens in der Form einer Tätlichkeit gegen den Gegner schuldig gemacht zu haben", erklärte der DFB in einer Pressemitteilung.

"Absichtlich geschlagen"

Nach Auswertung der TV-Bilder habe Lehmann "zunächst Subotic absichtlich mit dem rechten Ellenbogen gegen den Hinterkopf geschlagen, woraufhin Subotic mit seinem linken Ellenbogen bewusst nach hinten schlug und Lehmann im Gesicht (Lippenbereich) traf", heißt es weiter.

Zudem habe Schiedsrichter Helmut Fleischer dem DFB-Kontrollausschuss mitgeteilt, dass er beide Vorgänge nicht gesehen habe.

Somit liege keine Tatsachenentscheidung vor und der Kontrollausschuss könne ermitteln.

Lehmann und Subotic wurden nun zu einer zeitnahen Stellungnahme aufgefordert. Eine Anklageerhebung dürften sie damit aber nicht verhindern, denn dazu sind die Vorwürfe des Kontrollausschusses zu eindeutig.

Strafmaß zwischen vier und acht Wochen

Sollte auch das DFB-Sportgericht beide Profis wegen Tätlichkeit verurteilen, wären ein Strafmaß zwischen vier und acht Spielen die Folge.

Dies bekräftigte der Kontrollausschuss-Vorsitzende Antin Nachreiner mit seinem Hinweis, "dass zielgerichtete Ellenbogenschläge, insbesondere gegen den Kopf beziehungsweise das Gesicht eines Gegenspielers, nach ständiger Rechtsprechung der DFB-Rechtsinstanzen als krass sportwidrig im Sinne des § 8 Nr. 8. der Rechts- und Verfahrensordnung des DFB angesehen und nachträglich bestraft werden können".

Zuvor hatten sich die Klubs eindeutig hinter die beiden Übeltäter gestellt und auf einer Tatsachenentscheidung bestanden.

Babbel und Zorc ohne Verständnis

"Der Schiedsrichter hat die Situation geahndet. Ich weiß nicht, was das Nachspiel soll. Das wundert mich jetzt schon", sagte Stuttgarts Trainer Markus Babbel.

"Hier lag eine glasklare Tatsachenentscheidung vor", meinte auch Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc.

"Es ist eine Ungeheuerlichkeit, dass der Ausschuss auf das Trommeln der Medien reagiert. Herr Fleischer hat angeblich nur ein Zurückweichen von Lehmann gesehen und auf Verdacht wegen Torwartbehinderung gepfiffen."

Fleischer: "Hätte beide vom Platz gestellt"

Fleischer selber hatte das zwar bestätigt, gleichzeitig aber erklärt: "Weder das Schlagen von Lehmann noch das von Subotic habe ich wahrgenommen, beide Szenen demzufolge auch nicht bewertet. Wenn ich es so gesehen hätte wie nachträglich im Fernsehen, hätte ich beide vom Platz gestellt."

Subotic hatte nach der Partie zumindest zugegeben, Lehmann mit dem Ellbogen berührt zu haben. "Ich habe aber nicht das Gefühl, dass ich ihn mit 400 Stundenkilometern getroffen habe", sagte der Serbe.

"Das passiert bestimmt tausendmal im Fußball. Dann darf man den anderen gar nicht mehr berühren, das wäre dann Tennis."

"Wiederholungstäter" Lehmann sieht sich als Opfer

Lehmann dagegen sah sich als Opfer, der völlig schuldlos sei. Entsprechend harsch fiel seine Reaktion auf die Nachfrage eines TV-Reporters aus, ob er provoziert habe.

"Wenn Sie das nicht wissen, was Sie in Ihrer Kamera sehen, müssen Sie sich das nächste Mal ein bisschen besser vorbereiten", motzte der 39-Jährige.

"Wenn ich einem so ins Gesicht haue, ist das Absicht. So etwas habe ich noch nicht erlebt. Wenn ich das gewesen wäre, hätte man mich für acht Wochen gesperrt."

Dieses Strafmaß könnte ihm nun nachträglich drohen, da der Ex-Nationaltorwart möglicherweise als Wiederholungstäter angesehen wird.

In der vergangenen Saison hatte er sich unter anderem mit dem Bremer Diego im Kabinengang angelegt, den Schuh des Hoffenheimers Sejad Salihovic auf sein Tor geworfen und VfB-Teamkollege Khalid Boulahrouz das Stirnband vom Kopf gezogen.

Rechtfertigung für Verzicht auf Anklage gegen van Bommel

Aufgrund des aktuellen Falls rechtfertigte sich der Kontrollausschuss auch noch einmal für den Verzicht auf ein Verfahren gegen Bayern-Kapitän Mark van Bommel nach dessen Einsteigen gegen Hoffenheims Isaac Vorsah am ersten Spieltag.

Dies habe man nicht als krass sportwidrig betrachtet, da der Kontrollausschuss von einem heftigen Anrempeln, nicht aber von einer Schlagbewegung van Bommels ausgegangen sei:

"Nach Auswertung der Fernsehaufzeichnungen sah der Kontrollausschuss keine Veranlassung, von diesem Grundsatz abzuweichen, so dass ein nachträgliches Ermittlungsverfahren gegen van Bommel nicht eingeleitet wurde."

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