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Felix Magath (M.) gibt Benedikt Höwedes (r.) im Training der Schalker Anweisungen © getty

Nach dem Rückzug von Präsident Schnusenberg wächst die Macht von Felix Magaths auf Schalke weiter. Tönnies bedauert dies nicht.

Von Christian Stüwe und Robert Gherda

München - Mehr als acht Jahre ist her, dass Bachirou Salou dem damaligen Trainer von Eintracht Frankfurt einen bösen Vorwurf machte.

"Felix Magath ist der letzte Diktator in Europa", schimpfte der Stürmer damals.

Nun ist das Wort "Diktator" doch zu negativ besetzt, aber die Machtfülle Magaths auf Schalke ist für die Bundesliga wohl einmalig.

Als Trainer und Manager in Personalunion hat er sportlich längst alleine das Sagen.

Der angekündigte Rückzug von Präsident Josef Schnusenberg dürfte nun Magaths Einfluss auf Vorstandsentscheidungen und Gesamtverein noch einmal deutlich erhöhen.

Schon ist vom "FC Magath 04" die Rede. Ein Wortspiel, das dem Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies zu weit geht.

"Die Gefahr sehe ich überhaupt nicht", bestreitet Tönnies im Gespräch mit Sport1.de, dass Magaths Einfluss zu groß werden könnte.

Tönnies: "Kompetenzen bündeln"

Doch dann beginnt der Aufsichtsratsboss, das Alleinherrscher-Modell zu verteidigen.

"Ich denke, man muss Kompetenzen bündeln und nicht verzetteln", erklärt der Fleischfabrikant, der Magath gegen Ende der letzten Saison verpflichtete:

"Wir richten den Verein komplett neu aus und stellen ihn auf völlig neue Füße."

Offenbar sind damit die Füße Magaths gemeint. Dass ein Großteil der Entscheidungsgewalt nun bei Magath liegt, stört Tönnies nicht.

Volles Vertrauen in Magath

"Felix Magath hat bereits zu Genüge bewiesen, dass er mit den Kompetenzen und der Macht umgehen kann, von daher habe ich da überhaupt kein schlechtes Gefühl", sagt er.

Zusammen mit Geschäftsführer Peter Peters wird Magath künftig einen zweiköpfigen Vorstand bilden - und kann nun nicht mehr überstimmt werden.

Während sich Peters um die Finanzen kümmern wird, fallen dem Trainer auch noch Bereiche wie Marketing und Medienarbeit zu. Bereiche, die mit dem Sportlichen im engeren Sinne nichts mehr zu tun haben.

Tönnies bestätigte indirekt gegenüber Sport1.de, dass die Initiative zu Schnusenbergs Rückzug offenbar von Magath ausging.

"Hochzufrieden" mit Saisonstart

Der S04-Boss ist begeistert von den ersten Wochen des neuen sportlichen Alleinherrschers und sieht sich durch den guten Saisonstart (zwei Siege, ein Unentschieden) bestätigt.

"Ich bin hochzufrieden mit dem, was bisher erreicht wurde. Insgesamt haben alle Beteiligten einen sehr guten Job gemacht und ich als Aufsichtsratvorsitzender und als Fan bin sehr glücklich", freut sich Tönnies.

Doch auch Magath ist sich seiner starken Position bewusst und forderte unlängst Nachbesserungen an der Mannschaft. "Ob Ein- oder Verkäufe - ich will nichts ausschließen", sagte er.

Tönnies schließt Neuverstärkungen nicht aus

Obwohl es unter dem Finanzchef Schnusenberg noch hieß, dafür habe der Verein angesichts von 136,5 Millionen Euro Verbindlichkeiten keine Mittel, hat bei Tönnies offenbar ein Umdenken eingesetzt.

"Aus der Erfahrung heraus kann ich sagen, dass es zum Ende der Transferperiode noch einmal spannend werden dürfte", meint er vielsagend. "Es kann sein, dass noch etwas passiert."

Grundsätzlich aber sollen erst ausgemusterte Akteure wie Levan Kobaishvili, Carlos Grossmüller und Albert Streit abgegeben werden.

Juve-Anfrage für Rafinha

Oder auch ein Leistungsträger wie Rafinha. Magath bestätigte der "Bild" eine Anfrage von Juventus Turin über einen Berater. Angeblich bieten die Italiener acht Millionen Euro Ablöse.

Spätestens dann wäre Geld vorhanden, wenn auch die Zeit bis zum Ende der Wechselperiode am Montag langsam knapp wird.

Sollte Magath noch einen Hochkaräter bekommen, hätte er sich einmal mehr durchgesetzt, unterstützt vom großen Förderer Tönnies.

Ein weiteres Indiz für die enorme Machtfülle.

Doch was passiert, wenn der Trainer Magath auf Grund einer sportlichen Krise wackelt?

Nur Tönnies scheint in der Hierachie noch über Magath zu stehen. Entlässt er aber den Trainer, steht der Verein plötzlich komplett ohne sportliche Führung und nur noch mit einem Ein-Mann-Vorstand da.

Schalke befindet sich also durchaus in einer wachsenden Abhängigkeit von Magath.

In absehbarer Zeit scheint allerdings die Rückendeckung für Magath zu groß zu sein. Doch im emotionalen Umfeld auf Schalke können sich die Dinge manchmal schnell ändern.

Ziel: Vier Jahre bis zur Meisterschaft

Zumal auch Tönnies aller Rückendeckung zum Trotz das Fernziel nicht vergessen hat: Die erste Meisterschaft seit 1958.

"Ich halte mich da an Felix Magath, der versprochen hat, dass es innerhalb von vier Jahren soweit ist", erklärt Tönnies knapp: "Dabei bleibt es."

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