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Andreas Bergmann trainiert seit 2007 die U-23-Mannschaft von Hannover 96 © getty

96-Coach Bergmann will mit einem Sieg gegen Hoffenheim zum Chef-Trainer aufsteigen. Um mögliche Transfers sorgt er sich nicht.

Von Jürgen Blöhs

München/Hannover - Andreas Bergmann hat mit dem ersten Bundesliga-Sieg beim 1. FC Nürnberg seit 21 Jahren bei Hannover 96 die Wende eingeleitet.

Im Spiel gegen 1899 Hoffenheim (Sa., ab 15Uhr LIVE) steht für den Interimscoach nun einiges auf dem Spiel.

"Wenn wir das nächste Spiel gegen Hoffenheim auch gewinnen, dann hat er gute Chancen, zu bleiben", erklärte 96-Boss Martin Kind.

"Wir haben bisher mit keinem Trainer gesprochen und werden bis zum Hoffenheim-Spiel auch mit keinem sprechen."

Im Sport1.de-Interview spricht Bergmann über die derzeitige Übergangssituation, das Verhältnis zu seinem Vorgänger Dieter Hecking und mögliche Transfers.

Sport1.de: Waren Sie sehr überrascht über Ihre Beförderung zum Coach der Profis?

Andreas Bergmann: Natürlich war das überraschend als ich hörte, dass Dieter Hecking aufhören will. Aber ich hatte gar keine Zeit darüber nachzudenken, als ich Mittwochabend gefragt wurde.

Sport1.de: Wie eng war vorher die Zusammenarbeit als U-23-Trainer mit dem Hecking-Team?

Bergmann: Ich habe mit Dieter super zusammengearbeitet.

Sport1.de: Hatten Sie beide ein gemeinsames System wie bei der berühmten Ajax-Schule, dass bis in die Jugend-Mannschaften gespielt werden musste?

Bergmann: Das Beispiel Ajax ist natürlich sehr hoch gegriffen. Das System hängt immer davon ab, was für Spieler man hat. Aber wir haben schon gemeinsam ein Ausbildungskonzept erarbeitet, dass unsere Mannschaften agieren und nicht reagieren sollen. Und man kann den erfolg ja auch daran erkennen, dass viele jüngere Spieler die Chance bei den Profis bekamen.

Sport1.de: Haben Sie dann sofort zugesagt oder mussten Sie überlegen?

Bergmann: Nein. Wenn man so eine Chance erhält, dann greift man an.

Sport1.de: Was konnten Sie in der Kürze der Zeit überhaupt machen?

Bergmann: Es gab ja - gerade auch durch Einflüsse von außen - schon seit Ende der Rückrunde nicht gerade die beste Stimmung. Für mich war einfach wichtig, eine bessere Atmosphäre zu schaffen.

Sport1.de: Wie haben Sie das geschafft?

Bergmann: Vielleicht habe ich da mit meiner Art den richtigen Punkt getroffen, um eine gewisse Lockerheit reinzubekommen und ein paar Blockaden im Kopf zu lösen. Das Wichtigste aber war, den Spielern klarzumachen, dass sie so eine Situation nur im Team lösen können, dass jeder für den anderen arbeitet. Das haben sie in Nürnberg super gemacht.

Sport1.de: Jetzt dürfte die Stimmung wesentlich besser sein...

Bergmann: Natürlich war das Erfolgserlebnis wichtig, aber jetzt ist auch gut. Wir müssen nach vorn schauen und uns intensiv auf einen starken Gegner vorbereiten. Wir werden auf alle Fälle versuchen, gegen Hoffenheim zu gewinnen.

Sport1.de: Laut Martin Kind haben Sie bei einem weiteren Sieg gegen Hoffenheim beste Chancen auf eine dauerhafte Position als Chefcoach. Ist das Ansporn oder unnötiger Druck für Sie, Ihre Zukunft von einem Spiel abhängig zu machen?

Bergmann: Für mich ist es erst mal eine Herausforderung, die Mannschaft auf Hoffenheim einzustellen. Die Jungs ziehen hervorragend mit. Weiter denke ich noch nicht. Von diesen ganzen Wasserstandsmeldungen mache ich mich frei. Ich mache meinen Job, was mir Riesen-Spaß macht und ansonsten warte ich ab, was kommt.

Sport1.de: Die Transferfrist läuft am Montag ab, der FC Bayen hat ein Torwartproblem. Haben Sie Angst, dass Robert Enke Hannover kurzfristig noch verlässt?

Bergmann: Im Moment weiß ich nichts, aber daran verschwende ich auch keinen Gedanken. Ich kümmere mich um die Mannschaft.

Sport1.de: Würden Sie selber gern noch für die eine oder andere Position einen Spieler holen?

Bergmann: Auch damit beschäftige ich mich nicht. Ich muss mich erstmal an die vorhandene Mannschaft gewöhnen. Mit Transfers soll sich Jörg Schmadtke beschäftigen.

Sport1.de: Sollten Sie nicht Trainer werden, ist der Weg zurück zur U 23 offen?

Bergmann: Ja. Da habe ich überhaupt keine Not. Die Arbeit mit dem Nachwuchs macht viel Spaß, und ich bin ja noch der Sportliche Leiter der gesamten Nachwuchsabteilung. Das ist eine spannende Aufgabe, auch wenn man nicht so im Rampenlicht steht. Andererseits: Natürlich will ich die Chance nutzen.

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