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Stuttgarts Jens Lehmann will seine Profi-Karriere nach der Saison beenden © imago

Rolle rückwärts durch den DFB: Nun handelt es sich bei der heftigen Rangelei mit Dortmunds Subotic doch um eine Tatsachenentscheidung.

Von Jessica Pulter und Martin Volkmar

München - Jens Lehmann und Neven Subotic sind mit einem blauen Auge davongekommen.

Der DFB-Kontrollausschuss hat das Verfahren gegen den Torwart des VfB Stuttgarts und den Innenverteidiger von Borussia Dortmund ohne Strafe eingestellt.

Beiden Spielern wurde der Vorwurf gemacht, im Bundesligaspiel zwischen VfB und BVB (1:) ein krass sportwidriges Verhalten an den Tag gelegt zu haben.

Bei einer Verurteilung hätte beiden Akteuren wegen ihrer heftigen Rangelei ieine Sperre von mehreren Wochen gedroht. (NACHBERICHT: Dicke Lippe für "Buhmann" Lehmann)

"Absichtlich geschlagen"

Der Kontrollausschuss hatte am Dienstag ein Verfahren eingeleitet.

Nach Auswertung der TV-Bilder habe Lehmann "zunächst Subotic absichtlich mit dem rechten Ellenbogen gegen den Hinterkopf geschlagen, woraufhin Subotic mit seinem linken Ellenbogen bewusst nach hinten schlug und Lehmann im Gesicht (Lippenbereich) traf", hieß es zu Beginn des Untersuchungsverfahrens.

Da Schiedsrichter Helmut Fleischer dies laut eigener Aussage so nicht gesehen hatte, wurde ermittelt.

Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters

Am Donnerstag folgte nach mehrfacher Befragung des Unparteiischen die Rolle rückwärts. Der DFB teilte nun mit, dass Fleischer "eine Lösung des Kontaktes der beiden Spieler wahrgenommen hat".

Zudem habe die Auswertung der Hintertor-Kamera ergeben, dass der Unparteiische den Stuttgarter Strafraum im Blickfeld hatte.

Deshalb kommt der Kontrollausschuss zu dem Schluss, dass Fleischer eine Tatsachenentscheidung getroffen hat. Diese Auffassung hatten auch beide Vereine zuletzt vehement vertreten.

Eine nachträgliche sportgerichtliche Entscheidung sei daher nicht mehr möglich.

Geldstrafe für Subotic

Andres sieht das intern bei den Klubs aus. Der BVB belegte seinen Innenverteidiger Subotic mit einer Geldstrafe für den Ellenbogen-Check.

"Wir haben mit ihm gesprochen und waren uns einig, dass sein Verhalten sanktioniert werden muss", erklärte Sportdirektor Michael Zorc. Dies sei "monetär" erfolgt. Die Höhe der Strafe ist nicht bekannt.

Strafmaß zwischen vier und acht Wochen

Hätte das DFB-Sportgericht beide Profis wegen Tätlichkeit verurteilen, wären ein Strafmaß zwischen vier und acht Spielen die Folge gewesen.

Dies hatte der Kontrollausschuss-Vorsitzende Antin Nachreiner mit einem Hinweis bestätigt, "dass zielgerichtete Ellenbogenschläge, insbesondere gegen den Kopf beziehungsweise das Gesicht eines Gegenspielers, nach ständiger Rechtsprechung der DFB-Rechtsinstanzen als krass sportwidrig im Sinne des Paragraph 8 Nr. 8. der Rechts- und Verfahrensordnung des DFB angesehen und nachträglich bestraft werden können".

Babbel und Zorc ohne Verständnis

Das Ermittlungsverfahren hatte erwartungsgemäß bei den Beteiligten zu Protesten geführt.

"Der Schiedsrichter hat die Situation geahndet. Ich weiß nicht, was das Nachspiel soll. Das wundert mich", sagte Stuttgarts Trainer Markus Babbel.

"Hier lag eine glasklare Tatsachenentscheidung vor", meinte auch Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc.

Fleischer: "Hätte beide vom Platz gestellt"

Fleischer selber hatte dagegen nach dem Spiel erklärt: "Weder das Schlagen von Lehmann noch das von Subotic habe ich wahrgenommen, beide Szenen demzufolge auch nicht bewertet. Wenn ich es so gesehen hätte wie nachträglich im Fernsehen, hätte ich beide vom Platz gestellt."

Subotic hatte zugegeben, Lehmann mit dem Ellbogen berührt zu haben. "Ich habe aber nicht das Gefühl, dass ich ihn mit 400 Stundenkilometern getroffen habe", sagte der Serbe.

"Das passiert bestimmt tausendmal im Fußball. Dann darf man den anderen gar nicht mehr berühren, das wäre dann Tennis."

Lehmann sieht sich als Opfer

Lehmann dagegen sah sich als Opfer, der völlig schuldlos sei. Entsprechend harsch fiel seine Reaktion auf die Nachfrage eines TV-Reporters aus, ob er provoziert habe.

"Wenn Sie das nicht wissen, was Sie in Ihrer Kamera sehen, müssen Sie sich das nächste Mal ein bisschen besser vorbereiten", motzte der 39-Jährige. "Wenn ich einem so ins Gesicht haue, ist das Absicht. So etwas habe ich noch nicht erlebt. Wenn ich das gewesen wäre, hätte man mich für acht Wochen gesperrt."

Nun aber kommt der Ex-Nationaltorwart wie schon bei einigen anderen Ausrastern in der Vergangenheit ohne Strafe davon.

In der letzten Saison hatte sich Lehmann unter anderem mit dem Bremer Diego im Kabinengang angelegt, den Schuh des Hoffenheimers Sejad Salihovic auf sein Tor geworfen und VfB-Teamkollege Khalid Boulahrouz das Stirnband vom Kopf gezogen.

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