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Timo Hildebrand bestritt 221 Bundesligaspiele für den VfB Stuttgart © getty

Im Sport1.de-Interview spricht Timo Hildebrand über die Nationalmannschaft und seine Ambitionen mit der TSG 1899 Hoffenheim.

Von Mathias Frohnapfel

Timo Hildebrand hat in den letzten Wochen für die ein oder andere Schlagzeile gesorgt.

Der Torwart der TSG 1899 Hoffenheim zeigte zuletzt starke Leistungen. Das bewog ihn wohl dazu, seine Comeback-Ambitionen für die Nationalmannschaft in die Öffentlichkeit zu tragen.

Trotzdem konnten auch die überzeugenden Vorstellungen des früheren Stuttgarters den holprigen Saisonstart der Hoffenheimer nicht verhindern.

Beim 0:0 der Kraichgauer gegen Schalke 04 stimmte zwar das Ergebnis noch nicht, doch die spielerische Leistung lässt für die nächsten Spieltage hoffen.

Im Sport1.de-Interview spricht Timo Hildebrand über die Wichtigkeit eines selbstsicheren Torwarts, seine angestrebte Rückkehr in die Nationalelf und die Zielsetzung für die nächsten Bundesligaspiele.

Sport1.de: Herr Hildebrand, Ihre Leistungen stimmen. Fühlen Sie sich in Hoffenheim besonders wohl - gerade nach der Zeit in Valencia?

Timo Hildeband: In Hoffenheim habe ich mich von Anfang an wohl gefühlt. Es sind leider Verletzungen dazwischen gekommen, die mich immer wieder etwas zurückgeworfen haben. Aber seit den letzten Spielen in der vergangenen Rückrunde passt eigentlich alles ziemlich gut. Ich habe einfach wieder Spaß am Fußballspielen. Ich bin schon durch ein großes Tal geschritten und habe einige negative Erfahrungen gemacht, aber daraus habe ich mich wieder rauskatapultiert und das hilft mir.

Sport1.de: Hilft es der Abwehr, wenn Sie Selbstvertrauen ausstrahlen und umgekehrt?

Hildebrand: Es ist immer wichtig, wenn man einen Torwart hinten drin stehen hat, der der Mannschaft Halt geben kann. Aber genauso ist es natürlich andersrum.

Sport1.de: Sie haben gesagt, in der Form wären Sie jemand für die Nationalelf. Hätten Sie gedacht, dass das für so viel Wirbel sorgt?

Hildebrand: Eigentlich nicht. Man war es aber nicht gewöhnt von mir, dass ich so etwas sage. Von daher hat das wohl für etwas mehr Wirbel gesorgt. Als ich auf die Nationalmannschaft angesprochen wurde, habe ich eben meine Meinung gesagt.

Sport1.de: Liegt das aus Ihrer Sicht daran, dass es in Deutschland aktuell wieder eine Torwart-Diskussion gibt?

Hildebrand: Das mag sein. Ein Jahr vor der WM gibt es noch keine neue Nummer 1. Vier Torhüter sind jetzt die Favoriten und daher ist es doch selbstverständlich, dass viel diskutiert wird.

Sport1.de: Haben Sie denn noch die konkrete Hoffnung auf ein Comeback?

Hildebrand: Ja, natürlich. Ich habe dazu bereits meine Meinung gesagt. Die Trainer gehen nun ihren Weg und entscheiden. Also mal sehen, was daraus wird.

Sport1.de: Wie bewerten Sie den Hoffenheimer Saisonauftakt?

Hildebrand: Gegen Schalke hätten wir eigentlich gewinnen müssen. Da hat uns einfach nur das Tor gefehlt. Gegen Leverkusen haben wir eine schwache Leistung gezeigt und gegen Bayern haben wir auch gut gespielt. Klar hätte man gerne mehr Punkte, aber von der Spielweise her haben wir drei ganz ordentliche Spiele gemacht.

Sport1.de: Es gab bei 1899 in der vergangenen Woche kurzfristig einen Mannschaftsabend. Wie wichtig war das, um gegen Schalke wieder zu einer besseren Leistung zu finden?

Hildebrand: Es war allen auch vorher klar, dass wir so ein Spiel wie gegen Leverkusen nicht noch einmal machen können. Ich hoffe, dass wir in Hannover genauso auftreten wie gegen Schalke, denn genau das ist unsere Spielweise. Das ist das Hoffenheim, das man eigentlich kennt. Der Abend war schon wichtig für den Teamgeist, aber nicht entscheidend.

Sport1.de: Haben Sie den Eindruck, dass dem Team momentan die Euphorie aus dem Vorjahr fehlt, als man als Aufsteiger ins Rennen ging?

Hildebrand: Im Grunde ist das jetzt eine ganz andere Situation. Jetzt geht es erst richtig los. Wir müssen nun allen beweisen, dass wir die Ambitionen, die wir alle haben, auch umsetzen können. Das ist ein harter und schwieriger Weg und deswegen müssen wir im Training hart daran arbeiten.

Sport1.de: Worauf kommt es in den nächsten Wochen an, um diese Ziele umzusetzen?

Hildebrand: Teamgeist auf jeden Fall. Dass der eine für den anderen alles gibt. Dass sich jeder dem gemeinsamen Ziel unterordnet, wieder attraktiven und erfolgreichen Fußball zu spielen und persönliche Interessen keine Rolle spielen. Jeder muss am Ende sagen können, er hat alles dafür gegeben. Wenn alle im Training 100 Prozent geben, dann werden sich die Ergebnisse irgendwann einstellen. In der Bundesliga bekommt man nichts geschenkt.

Sport1.de: Also gilt es erst das Kämpferische zu erledigen, bevor man spielerisch glänzen kann?

Hildebrand: Schon klar. Aber jedem von uns ist auch bewusst, dass wir eine gute Mannschaft haben. Wir haben uns gut verstärkt, gerade auch mit Joe Simunic hat unser Kader an Qualität gewonnen. Aber im Fußball gehört natürlich auch dazu, sich zur Wehr zu setzen, wenn es mal nicht läuft. Und alles andere kommt dann auch mit der Qualität der Einzelspieler.

Sport1.de: Gibt es denn im Team genug Spieler, die ihre Meinung sagen und mal lauter werden, wenn es nicht so läuft?

Hildebrand: Deswegen hat der Verein auch Simunic geholt. Ich denke, dass wir mittlerweile genug gestandene Spieler haben, die schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben und dann auch Einfluss nehmen können.

Sport1.de: Stimmt in Hoffenheim die Mischung aus jung und alt?

Hildebrand: Gerade dieses Jahr mehr als letztes Jahr. Wenn viele Stammspieler fehlen, dann wird es aber schwer, weil wir trotzdem noch eine junge Truppe sind. Aber wir haben erfahrene Spieler dazubekommen.

Sport1.de: Andreas Beck hat die U-21-EM gespielt. Die Pause war danach für ihn relativ kurz. Wie wirkt sich das auf die Abwehr aus?

Hildebrand: Wir haben ja erst zwei Gegentore bekommen und auch gegen Schalke haben wir keine einzige Torchance zugelassen. Natürlich braucht man ein bisschen Zeit, wenn man keine Pause hatte. Wir haben mit Luiz Gustavo und Tobse (Tobias Weis, d. Red) auch zwei Stammspieler, die ausgefallen sind. Das sind wichtige Spieler für uns. Denn sie sind sehr aggressiv und gewinnen viele Zweikämpfe im Mittelfeld. Aber letztendlich haben wir genug Spieler, um diese Lücke zu schließen.

Sport1.de: Wie sind Ihre Erwartungen vor dem Spiele gegen Hannover?

Hildebrand: Wir fahren dahin, um zu gewinnen. Mit dieser Einstellung gehe ich in jedes Spiel.

Sport1.de: Nach dem jüngsten Sieg ist Hannover wieder mit mehr Selbstvertrauen ausgestattet. Macht es das schwieriger?

Hildebrand: Sie haben eine schwierige Zeit gehabt. Sie haben jetzt einen neuen Trainer und werden sicher anders auftreten, als in den vergangenen Wochen.

Sport1.de: Wird es auch ein Duell zwischen den beiden Torhütern Timo Hildebrand und Robert Enke?

Hildebrand: Mir ist das im Grunde egal, wer beim Gegner im Tor steht.

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