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Bayerns neue Flügelzange beim ersten Training: Arjen Robben (l.) und Franck Ribery © getty

Bayerns Coup mit Robben hat die Expertenwelt verblüfft - aber er wirft auch Fragen auf. Sport1.de beantwortet die wichtigsten.

Von Martin Hoffmann

München - "Manchmal bin ich selbst überrascht, weil uns etwas einfällt, mit dem wir gar nicht gerechnet haben."

Mit diesen Worten ließ Bayern-Manager Uli Hoeneß im Frühsommer trotz offiziell abgeschlossener Kaderplanung die Hintertür für weitere Transfers offen.

Durch diese Hintertür ist nun kurz vor dem Duell gegen Meister Wolfsburg (Sa. ab 18 Uhr LIVE) Real Madrids Arjen Robben nach München gerauscht. Ob Hoeneß wirklich selbst von dem am Freitag als perfekt gemeldeten Transfer überrascht ist, bleibt unbekannt - die Fachwelt ist es jedenfalls.

Doch der Überraschungseffekt allein schafft nicht die Frage aus der Welt, die sich nach dem Coup jetzt stellen 144931(DIASHOW: Arjen Robbens Karriere).

Sport1.de beantwortet die wichtigsten.

Warum holt Bayern einen Offensiv- und keinen Abwehrmann?

In all den vielen Krisen-Analysen nach dem Fehlstart ist die Abwehr als Hauptproblem ausgemacht.

In allen außer der des FC Bayern selbst: Uli Hoeneß wähnt seinen Klub da "gut aufgestellt".

Trotz des ersatzlosen Verkaufs von Lucio, trotz der Flatterhaftigkeit Daniel van Buytens, trotz der aufkeimenden Zweifel, ob Youngster Holger Badstuber der großen Bühne bereits gewachsen ist.

Unbeirrt von den vielen Mahnungen von außen, die Abwehr zu verstärken, sagt Hoeneß: "In der Defensive hatten wir nie vor etwas zu tun."

Die Frage ist nur, ob das ernst gemeint ist, oder ob Hoeneß nur vermeidet, seine aktuelle Defensivreihe öffentlich zu brandmarken - womöglich in Anbetracht des Mangels an verfügbaren Verstärkungen.

Robben und Ribery - wie geht das zusammen?

Gemeinsam auf der linken Seite nicht, so bekäme der Flügel zu viel offensive Schlagseite.

Aber das ist auch nicht der Plan: Robben soll über rechts kommen - und das kann er auch.

Als Linksfuß neigt er dann weniger zu Pässen, sondern dazu, den Abschluss zu suchen. Robbens ausgeprägte Schusskraft kommt von rechts also besser zur Geltung.

Er kann aber prinzipiell auch aus der Mitte kommen - und könnte damit auch die Spielmacherposition einnehmen.

Wieso gibt Real Madrid einen wie Robben überhaupt ab?

Robben wäre gerne in Madrid geblieben, die Spanier haben ihm jedoch deutlich zu verstehen geben, dass er gehen soll - ihm sogar mit einem Tribünenplatz gedroht.

Warum? An erster Stelle brauchte Real nach all den teuren Verpflichtungen des Sommers auch ein paar einträgliche Verkäufe.

Zum anderen galt er der Madrilenen wegen seiner Verletzungsanfälligkeit als verzichtbar.

Welche Chancen stecken für Bayern in dem Deal - und wieviel Risiko?

Sollte Robben fit bleiben, ist er eine ungemeine Bereicherung: blitzschnell, dribbelstark, technisch top, schusskräftig.

Robben wäre als rechtes Gegenstück von Ribery eine ideale Entlastung, das Offensivspiel wird um einiges schwerer auszurechnen.

Und: Auch wenn er mit seinen unaufhaltsamen Geheimratsecken wie Mitte 30 aussieht - Robben hat mit 25 die Zukunft noch vor sich.

Das Problem: die bereits angesprochene Verletzungsanfälligkeit. Schon allein wegen der vielen Fouls, die er wegen seiner Spielweise einstecken muss.

Verschiedenste Blessuren - meist im Muskelbereich und den Sprunggelenken - haben ihn sowohl bei Chelsea als auch in Madrid immer wieder aus dem Rhythmus gebracht.

In Spanien bekam Robben wegen seiner dauernden Wehwehchen den Spitznamen "Glasmann" eingebracht.

Robben ist in diesem Jahr deshalb schon bei einem niederländischen Spezialisten in Behandlung gegangen, um seine Anfälligkeit zu lindern.

Ob es den Glasmann bruchsicherer gemacht hat, muss die Zeit zeigen.

Wie beeinflusst der Robben-Deal die Zukunft von Ribery?

Die Mutmaßungen über einen Kuhhandel waren schnell in der Welt: "Kriegen wir euren Robben, kriegt ihr im nächsten Jahr Ribery."

Uli Hoeneß hat diese Mutmaßungen zurückgewiesen, nichts anderes war aber zu erwarten.

Würde er so einen Deal zugeben, würde fortan jede Schaffenskrise Riberys darauf zurückgeführt, dass er in Gedanken schon in Madrid wäre - mehr noch als jetzt.

Ob es hinter den Kulissen eine Vereinbarung gibt, ist Spekulation. Aber das Thema Ribery - Real wird im nächsten Sommer so oder so wieder akut werden.

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