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Louis van Gaal hat den schlechtesten Bayern-Start seit 43 Jahren hingelegt © getty

Der Bayern-Coach klagt den Glauben an seine Arbeit ein, düpiert damit den Vorstand: "Wenn sie kein Vertrauen haben, gehe ich."

Von Christian Paschwitz

München - Für den FC Bayern zählt gegen den VfL Wolfsburg (ab 18.15 Uhr LIVE) nur ein Sieg.

Denn weitere Punktverluste würden die Alarmstimmung in München nochmal verstärken.

Schon jetzt hat der Rekordmeister den schlechtesten Saisonstart seit 43 Jahren zu verzeichnen.

Un nun sorgt ausgerechnet vor dem Duell gegen den Meister Louis van Gaal für zusätzliche Unruhe.

Der gerade erst verpflichtetete Coach spricht von Abschied - und stellt damit seine Zukunft in Frage.

"Dann gehe ich"

Dass er seinen bis 2011 datierten Vertrag erfülle, sei "abhängig vom Vertrauen vom Vorstand, von den Spielern, von den Medien und auch von dem Publikum. Das kann ich nicht ändern", sagte der 58-Jährige in einem TV-Interview.

Und dann ein Satz mit Sprengkraft für die Bayern-Verantwortlichen um Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß:

"Wenn sie kein Vertrauen haben, dann ist Schluss. Dann gehe ich."

Und dass, nachdem er mit Arjen Robben unmittelbar zuvor seinen erklärten Wunschspieler bekommen hatte, den der Rekordmeister für 25 Millionen Euro von Real Madrid holte. 145399(DIASHOW: Robbens erstes Bayern-Training)

Flucht nach vorne?

Es wirkt wie eine Flucht nach vorn, ehe ihn andere bei weiteren Rückschlägen in Frage stellen.

Van Gaal will sich offenkundig von niemandem das Heft des Handelns aus der Hand nehmen lassen.

"Ich werde niemals unter Druck stehen", antwortete er auf eine entsprechende Frage.

"Ich habe schon bei meiner ersten Pressekonferenz gesagt, dass es ein schwieriger Prozess sein wird für alle."

Der neue Chefcoach fordert Geduld von allen Seiten, denn diese werde sich am Ende auszahlen, davon ist er überzeugt.

"Auch bei Barcelona und Ajax habe ich schlecht angefangen, auch bei Alkmaar. Aber immer habe ich nachher sehr gute Noten bekommen."

Vorstandsboss Rummenigge stellte dann auch schnell klar: "Louis van Gaal hat unser Vertrauen. Sonst wäre er nicht unser Trainer."

"Noch schlimmer als Klinsmann"

Dennoch treten schon jetzt die ersten prominenten Kritiker auf den Plan.

"Er ist ja noch schlimmer, als der Klinsmann war", wetterte Schalkes Ex-Boss Rudi Assauer gegen van Gaal.

Beim "Audi Star Talk" im DSF stichelte Assauer zudem: "Die Angst vor den Bayern, dass die in den letzten fünf Minuten noch drei Tore machen, ist weg. Sie spielen einfach keinen klasse Fußball mehr."

Systemumstellung auf 4-3-3

Nur die rasche Rückkehr des Erfolgs wird also für Ruhe beim FCB sorgen.

Das weiß auch van Gaal, der deshalb - auch dank der Robben-Verpflichtung - sein System umstellen will. Schon beim Test gegen Union Berlin (3:1) probierte er sein bevorzugtes 4-3-3.

Franck Ribery ist dort wie früher auf links vorgesehen statt wie ursprünglich angedacht als Spielmacher in der Zentrale. "Wir haben keinen Zehner gefunden", gestand van Gaal.

Wieder Butt statt Rensing?

Auch im Tor spricht einiges dafür, dass der Niederländer seine Entscheidung für Michael Rensing revidiert.

Der bisherigen Nummer 1 droht gegen Wolfsburg wieder die Bank, "Oldie" Jörg Butt könnte wie schon gegen Union den Vorzug erhalten.

"Ich habe gesagt, dass ich auch den Torwart wechseln könnte, für mich ist der Torwart auch ein Spieler", rechtfertigte van Gaal seinen Zickzack-Kurs.

Der Mannschaft allerdings wirkt dadurch verunsichert: "Es ist schwer, weil die Mannschaft zweifelt. Ihr fehlt es an Selbstvertrauen", gab Ribéry bei "Sky" zu.

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