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Heiko Westermann kam 2007 von Arminia Bielefeld zum FC Schalke © getty

Dem Chaos im Umfeld folgt das Chaos auf dem Platz: Magath ist nach der Pleite sauer, beschwichtigt aber bei anderen Themen.

Von Felix Götz

München - Die Gesichtsfarbe von Trainer Felix Magath erinnerte nach der 0:1-Pleite des FC Schalke 04 gegen den SC Freiburg frappierend an die roten Zahlen, die angeblich das Konto der Königsblauen belasten.

Wütend musste der 56-Jährige feststellen, dass sein Team nach dem guten Saisonstart (sieben Punkte aus drei Spielen) wohl doch noch nicht so weit ist, wie sich das manch einer erhofft hatte.

"Das war ein Rückfall in die letzte Saison. Wir waren harmlos, kopflos, haben zu wenig investiert und hatten kaum Aktionen nach vorne. Solche Leistungen möchte ich unseren Zuschauern nicht mehr zumuten", wetterte der Mann, der in der vergangenen Saison mit dem VfL Wolfsburg die Deutsche Meisterschaft errungen hat.

In der Tat leisteten die Schalker einen spielerischen Offenbarungseid.

Drei Auswechslungen zur Pause

"Ich weiß nicht, wer den Spielern gesagt hat, dass man den Ball vorne hineinschlagen, und dann warten muss, bis er wieder zurückkommt", analysierte Magath simpel, aber passend.

So wurden die nach der 0:5-Klatsche gegen Leverkusen zunächst verunsicherten Freiburger immer mutiger und gingen nach einem Fehler von Benedikt Höwedes in der 40. Minute durch einen Treffer von Du-Ri Cha mit 1:0 in Führung.

Bereits zur Pause war Magath derart bedient, dass er drei Auswechslungen (zum Telegramm) vornahm. Unter anderem musste auch der schwache, und von den Fans bei jeder Ballberührung gnadenlos ausgepfiffene, Ivan Rakitic vom Feld.

"In der zweiten Halbzeit haben wir etwas mehr Druck entwickelt, waren aber nicht durchschlagkräftig genug", fasste Magath kurz zusammen.

Zurück ins Chaos

Sowieso war es nicht nur der jämmerliche Auftritt der Schalker Elf, der für Missmut sorgte, sondern noch weitere Aspekte, die zeigten, dass der FC Schalke einen Rückfall ins Chaos an allen Fronten hinnehmen musste.

Zum Einen erhitzten die Gerüchte um die angebliche finanzielle Schieflage, mit der die Entmachtung von Präsident Josef Schnusenberg verbunden sein soll, die Gemüter, und zum Anderen sickerte während des Spiels nach und nach durch, dass Rafinha den Verein angeblich in Richtung FC Bayern verlassen möchte.

Meldungen wonach sich der Brasilianer bereits mit dem Rekordmeister einig sein soll, wurden entschieden dementiert .

"Der Spieler will weg"

Magath wusste jedenfalls nichts von einem Angebot für Rafinha, stellte aber auch klar, dass der Brasilianer den Verein verlassen möchte.

"Der Spieler will weg. Ich habe ihm gesagt, er soll einen Verein bringen, der die richtige Ablöse zahlt. Das ist bisher nicht geschehen."

Allerdings bestritt Magath am Sonntag im DSF eine finanzielle Schieflage und damit verbundene Verkäufe.

"Schalke ist gesund. Natürlich hat Schalke im Moment keine finanziell rosigen Zeiten und in dieser finanziellen Situation sind keine großen Sprünge zu machen, daran hat sich nichts geändert", erklärte der Trainer.

Keine "Schleuderpreise" auf Schalke

"Aber wir müssen keinen Spieler verkaufen, schon gar nicht, wenn jemand eine Notsituation ausnutzen will, um hier zu Schleuderpreisen an Spieler zu kommen", so Magath weiter.

Auch ein Dementi der Münchner ließ nicht lange auf sich warten. "Das ist eine absolute Falschmeldung, da ist nichts dran", sagte Bayerns Sportdirektor Christian Nerlinger. FCB-Finanzchef Karl-Heinz Rummenigge bestätigte zumindest ein Interesse.

Magath beschwichtigt

Für den Trainer ist der Außenverteidiger "der beste Feldspieler, den wir haben". Aber warum würde Magath diesen Spieler dann abgeben?

Lag Rudi Assauer mit seinen Aussagen, dass der Verein finanziell in wesentlich akuteren Schwierigkeiten sei, als bekannt ist, eventuell doch nicht so falsch und es wird jeder Euro benötigt?

"Die finanzielle Situation ist nicht besorgniserregend. Die werden wir genauso in den Griff bekommen wie die sportliche", beschwichtigte Magath, der alleine als Krisen-Manager fungieren musste, weil die anderen Verantwortlichen schwiegen.

Westermann bekommt sein Geld

Assauer hatte behauptet, dass teilweise sogar Spielergehälter verspätet überwiesen wurden.

Während Magath diesen Vorwurf nicht eindeutig dementieren wollte, berichtete zumindest Heiko Westermann, dass dies bei ihm noch nicht vorgekommen sei.

Während in finanzieller Hinsicht teils nur spekuliert werden kann, muss man aus sportlicher Sicht fragen, mit welchem Personal Magath die von ihm ausgegebenen Ziele erreichen möchte.

Eine Antwort darauf wird die Zukunft geben.

Freiburg atmet auf

Während auf Schalke das Chaos zurückgekehrt ist, kann man beim SC Freiburg angesichts des ersten Dreiers in dieser Saison und dem damit verbundenen Sprung auf Rang 14 erst mal durchatmen.

Die Breisgauer haben nach dem Debakel gegen Leverkusen erstaunlich schnell gelernt, was auch Trainer Robin Dutt zufrieden feststellte.

"Die erste Halbzeit ist so verlaufen, wie man sie sich als Trainer wünscht. Wir haben Nadelstiche gesetzt, hatten gelungene Aktionen nach vorne und sind im vierten Spiel endlich mal in Führung gegangen", sagte der 44-Jährige.

Und Dutt weiter: "Am Konterspiel müssen wir noch etwas arbeiten." - Probleme, über die der FC Schalke in der jetzigen Situation wohl nur milde lächeln kann.

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