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Seit 2006 hat Martin Kind (l.) als Klubboss in Hannover wieder das Sagen © getty

Hannovers Präsident erklärt den schwachen Start von 96. Im Interview spricht er auch über die Führungsspieler und den Trainer.

Von Mathias Frohnapfel

München/Hannover - Ein Punkt, null Tore - so lautet die vernichtende Bilanz von Hannover 96 nach drei Spieltagen.

Entsprechend groß ist der Druck bei den mit hohen Zielen in die Saison gestarteten Niedersachsen vor dem Sonntagsspiel gegen Borussia Mönchengladbach (ab 16.30 UhrLIVE).

Doch Klubboss Martin Kind bleibt im Gespräch mit Sport1.de relativ gelassen und stärkt Trainer Dieter Hecking den Rücken.

Sport1: Herr Kind, wo liegen die Gründe für den Fehlstart?

Martin Kind: Wir haben gegen Cottbus nicht gewonnen. Das ist das einzige Ergebnis, was nicht ganz zufriedenstellend ist. Aber: Die Mannschaft hat Potenzial, gegen Stuttgart hat sie es auch angedeutet. Ich gehe auch davon aus, dass sie es gegen Mönchengladbach abruft und dann gucken wir mal.

Sport1: Kann man denn ordentlich spielen und trotzdem keine guten Ergebnisse einfahren? Oder ist es wie sonst im Leben, dass man irgendwann für die Anstrengung belohnt wird?

Kind: Ich gehe davon, dass die Mannschaft durch die Ergebnisse motiviert sein wird. Und ich hoffe, sie wird gegen Gladbach zum ersten Mal belohnt.

Sport1: Der Verein hat hochkarätige Neuzugänge wie Jan Schlaudraff, Mikael Forssell und Mario Eggimann geholt. Haben Sie geahnt, dass es so lange dauert, bis sie sich in Hannover bemerkbar machen?

Kind: Ich habe ja immer gesagt, dass diese Saison erstmal eine schwere wird. Das Zweite ist: Es braucht eine deutliche Zeit, neue Spieler zu integrieren. Dieser Prozess läuft, er ist noch nicht abgeschlossen.

Sport1: Die Ambitionen von Hannover gehen in Richtung UEFA-Cup. Hat man das Team damit zu sehr unter Druck gesetzt?

Kind: Ich habe mehrfach betont, dass ich mehr als zufrieden bin, wenn wir in diesem Jahr irgendetwas zwischen Platz sieben und zehn erreichen. Unser Ziel ist, eine ordentliche Saison zu spielen.

Sport1: Trainer Dieter Hecking hat in dieser Woche nicht nur den 44. Geburtstag gefeiert, sondern auch einen Rekord aufgestellt: Er ist seit zwei Jahren im Amt. Damit hält er sich so lange wie kein anderer 96-Coach in Hannovers 21 Jahren Erstklassigkeit. Muss er sich trotzdem Sorgen um seinen Posten machen?

Kind: Dieter Hecking ist ein Trainer, der hier unglaublich engagierte und erfolgreiche Arbeit leistet. Er identifiziert sich mit 96. Wir haben unsere Ziele mittelfristig ausgelegt, kurzfristige Betrachtungen machen da keinen Sinn. Wir werden an dieser mittelfristigen Planung weiterarbeiten und Dieter Hecking ist ein ganz wesentlicher Baustein.

Sport1: Mit welchen Kriterien messen Sie Heckings Arbeit und die der Mannschaft?

Kind: Darana, dass sich hier erfolgreiche Strukturen entwickeln. Die letzte Saison war sehr erfolgreich. Mit Sportdirektor Christian Hochstätter zusammen entwickeln wir nun diese Strukturen. Wir waren uns immer gemeinsam klar, dass es dabei Rückschläge geben kann. Aber trotz des derzeitigen Tabellenplatzes wird bei 96 gute Arbeit geleistet. Die wollen wir in Ruhe kontinuierlich und nachhaltig fortsetzen.

Sport1: Es gab Medienberichte, dass die Mannschaft eine neue Hierarchie entwickeln muss und ein Routinier wie der derzeit verletzte Michael Tarnat sehr fehlt. Was ist Ihr Eindruck?

Kind: Führungsspieler müssen sich entwickeln. Die kann man nicht herbeireden. Das ist ein Prozess. Warten wir mal ab, welche Spieler sich herausentwickeln. Ohne Frage haben wir da im Moment noch zu arbeiten, aber ich sehe es als einen Prozess.

Sport1: In der Länderspielpause waren neun 96-Spieler international im Einsatz. Wird Hannover vom eigenen Erfolg der Vergangenheit eingeholt? Es ist ja für die Mannschaft etwas anderes, wenn das Team gemeinsam trainieren kann.

Kind: Auch das muss man sicher lernen. Das sind für mich aber alles keine Alibi-Argumente. Wir haben einige Nationalspieler, wissen um die Problematik. Wichtig ist, dass die Mannschaft sich weiterentwickelt und davon bin ich überzeugt.

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