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Für Fabian Ernst ist es die erste glatt Rote Karte in der Bundesliga © getty

Fragwürdige Entscheidungen überschatten das Revier-Derby. Doch an der Auferstehung der Dortmunder sind die Schalker selbst Schuld.

Von Jessica Pulter

München/Dortmund - Jürgen Klopp ging mit Sieger-Faust über den Platz. Das breite Grinsen auf den Lippen.

Der Trainer von Borussia Dortmund hatte gerade mit seiner Mannschaft einen 0:3-Rückstand gegen den Erzrivalen Schalke 04 in ein 3:3 (0:2)-Unentschieden gedreht und damit die erneute Tabellenführung der Gäste verhindert.

"Ich habe schon Spiele gewonnen, über die ich mich weniger gefreut habe", meinte der sichtlich zufriedene Klopp.

Frust auf Schalke

Den Schalkern dagegen war die Enttäuschung anzusehen, denn die "Knappen" haben einen sicheren Sieg noch hergeschenkt.

"Wir haben 3:0 geführt, müssten eigentlich das 4:0 machen und dann ist alles weg", meinte Schalkes Trainer Fred Rutten, der in erster Linie vom Auftritt seiner Mannschaft enttäuscht war. "Wir haben arrogant gespielt nach dem 3:0."

"Kuriose Minuten"

"Wir durften das Spiel einfach nicht mehr aus der Hand gegeben. Das 3:0 muss reichen, auch bei Dortmund", zeigte sich Heiko Westermann enttäuscht.

Vor allem die Schlussphase, in der das Spiel innerhalb von 20 Minuten kippte, gab dem Nationalspieler zu denken: " Das waren die kuriosesten Minuten, die ich jemals erlebt habe."

Crash-Kurs für Klopp

Jürgen Klopp konnte dem nur zustimmen. "Das war ein Derby-Crash-Kurs", meinte der BVB-Coach.

"Es ist recht ungewöhnlich, dass man gegen einen so starken Gegner nach einem 0:3 noch mal zurückkommt."

Das spektakuläre 132. Revier-Derby hatte alles, was das Fußballer-Herz begehrt. Insbesondere die Tore fielen allesamt nach Szenen, die die Fans noch lange in Erinnerung behalten werden.

Jefferson Farfan (20.) sorgte gleich bei seinem ersten Auftritt für die Königsblauen für das 1:0 nach einem Elfmeterpfiff. Neven Subotic war zuvor mit der Hand im Sechzehner an den Ball gekommen.

Tätlichkeit bleibt unbestraft

Rafinha bezwang in der 39. Minute Keeper Roman Weidenfeller, obwohl der Brasilianer schon eigentlich gar nicht mehr auf dem Platz hätte stehen dürfen. Eine Tätlichkeit gegen Nelson Valdez zuvor wurde allerdings nur mit Gelb bestraft.

Das 0:3 (54.) dürfen sich diesmal Weidenfeller und Subotic ankreiden lassen, da sie gegen Kevin Kuranyi und den Torschützen Westermann nur halbherzig eingriffen.

Zwei Frei-Tore

Doch dann kippte das Spiel. Nach Subotics Anschlusstreffer (67.) sorgte der eingewechselte Alexander Frei mit einem genialen Linksschuss aus 18 Metern fürs 2:3 (71.). Allerdings stand der nach seiner schweren Knieverletzung bei der EM erstmals eingesetzte Schweizer beim Zuspiel im Abseits.

Und auch der verwandelte Elfmeter in der 89. Minute von Frei war mehr als fragwürdig, da zuvor bei Jakub Blaszczykowskis Kopfball Mladen Krstajic den Arm im Strafraum angelegt hatte und nicht aktiv Richtung Ball ging.

Strittige Entscheidungen

Schiedsrichter Lutz Wagner lag nicht nur in diesen Szenen falsch, der Referee und seine Assistenten hinterließen insgesamt keinen glücklichen Eindruck.

Auch wenn Wagner bei den beiden Platzverweisen - Gelb-Rot für Christian Pander und Rot für Fabian Ernst - richtig lag, die strittigen Entscheidungen vor den Toren, der nicht gegebene Platzverweis an Rafinha oder die mit 20 Sekunden fast lächerlich anberaumte Nachspielzeit werden dem Unparteiischen und seinem Gespann wohl noch ein paar Tage vorgeworfen werden.

Verständnis von Rutten

Allerdings zeigte Rutten Verständnis für Wagner. "Der Elfmeter kurz vor Schluss war eine Fehlentscheidung. Aber auch die Schiedsrichter und Assistenten sind Menschen", sagte der Schalke-Coach.

"Für uns ist das natürlich sehr unglücklich. Denn der Elfmeterpfiff hat dann das Spiel ganz gedreht."

Wagner gab nach dem Spiel zumindest zu, dass das 2:3 nach einer Abseitsposition fiel, ließ sich allerdings beim zweiten Elfmeter auf keine Diskussion ein.

"Den zweiten Handelfmeter habe ich aus meiner Sicht gegeben. Die TV-Bilder geben nicht eindeutig Aufschluss, ob es einer war oder nicht", meinte der Schiedsrichter.

BVB als moralische Sieger

Dank des Elfmetertreffers durften sich von den mehr als 80.000 Fans im ausverkauften Stadion zumindest die Dortmunder und deren Anhänger wie die moralischen Sieger fühlen.

Zumal es zum ersten Mal seit der Partie VfB Stuttgart gegen Arminia Bielefeld aus dem Mai 2000 einer Mannschaft gelang, einen 0:3-Rückstand in ein 3:3 zu verwandeln.

Den Gästen blieb trotz des Punktes nur die Aussicht auf Revanche - im Februar auf Schalke.

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