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Lukas Podolski (u.) nach seinem Tor in der 90. Minuten gegen Ex-Verein Köln © imago

Beim Spiel der Bayern in Köln dreht sich alles um FCB-Reservist Lukas Podolski. Als der ein Tor schießt, herrscht verkehrte Welt.

Von Julian Ignatowitsch und Conny Konzack

München/Köln - Es war die 90. Minute: 50.000 Fans jubelten, Lukas Podolski lag den Kopf im Rasen vergraben am Boden und rührte sich nicht.

Dann stand er auf und klopfte sich mit der rechten Hand auf die Brust.

Was zunächst eher den Anschein eines Eigentors erweckte, war tatsächlich der 3:0 (0:0)-Siegtreffer des FC Bayern in Köln und fühlte sich für den Protagonisten wohl eher wie ein Schuss ins Herz an.

Überhaupt wurde man den Eindruck nicht los, dass einer auf dem Rasen das falsche Trikot trug. Aber der Reihe nach.

Podolski einmal mehr auf der Bank

Von Beginn an stand Podolski bei der Rückkehr in seine Heimatstadt Köln an diesem Nachmittag im Mittelpunkt.

Freudig wurde der (Ex-)Publikumsliebling von den FC-Fans begrüßt, die Augen der Medien waren nur auf Kölns verlorenen Sohn gerichtet.

Der saß einmal mehr nur auf der Bank - Jürgen Klinsmann gab Luca Toni und Miroslav Klose den Vorzug.

Warmmachen im Kreis der Kölner

Die erste Halbzeit verlief unspektakulär: Die Kölner konzentrierten sich hauptsächlich aufs Verteidigen, die Münchner fanden dagegen kaum ein Mittel.

"Es war nicht leicht, da Köln sehr destruktiv gespielt hat", erklärte Bastian Schweinsteiger.

Interessant wurde es wieder, als man Podolski in der Halbzeit-Pause plötzlich beim Warmmachen im Kreis der Kölner Mannschaft sah.

Daum: "So was habe ich noch nicht erlebt"

Die Euphorie um den 23-Jährigen verblüffte selbst Christoph Daum: "So was habe ich noch nicht erlebt", sagte der Coach.

Nachdem Luca Toni die Bayern in der 53. Minute in Führung gebracht hatte, kam dann schließlich auch der sportliche Auftritt von "Prinz Poldi".

Klose musste nach schwachen 57 Minuten vom Feld, Podolski erhielt - vor allem zur Freude der FC-Fans - seine Chance. Die er durchaus nutzte.

Klinsmann lobt "Poldi"

Das 2:0 von Luca Toni leitete er ansehnlich ein, das dritte Tor erzielte er, wenn auch mit freundlicher Hilfe seines Sturmkollegen, selbst.

Während sich Podolski noch feiern ließ, lobte Klinsmann: "Lukas wird seinen Weg gehen - bei uns! Wir werden ihn Schritt für Schritt nach vorne bringen. Er wird seine Spiele und seine Tore machen."

Auch Podolski gab sich nach dem Aufruhr um seine Person und den vielen Diskussionen in den vergangenen Tagen versöhnlich: "Ich habe weder mit Jürgen Klinsmann noch mit Uli Hoeneß ein Problem."

Ottl statt van Bommel

Im Bezug auf seine vorläufige Reservistenrolle gab er sich gewohnt selbstbewusst: "Wie lange der Prozess dauert, liegt nur an mir. Wenn ich gute Leistungen bringe, kommt der Trainer nicht an mir vorbei."

Zwei andere Personalien gingen in der "Poldimania" beinahe unter: Kapitän Mark van Bommel schmorte nach abgesessener Sperre 90 Minuten auf der Bank. Klinsmann schenkte "dem zuletzt sehr starken" Andreas Ottl das Vertrauen.

Auch Neuzugang Massimo Oddo durfte nicht von Beginn an ran, wurde aber in der 67. Minute für Christian Lell eingewechselt und zeigte gute Ansätze.

Wieder Ruhe beim FCB

Die Bayern-Verantwortlichen waren am Ende neben dem Sprung auf Platz zwei vor allem froh, dass "die Transferliste geschlossen und das Spiel in Köln nun vorbei ist", wie Uli Hoeneß betonte. Gleichzeitig konnte es sich der Manager aber nicht verkneifen, darauf hinzuweisen, dass die "Geißböcke" gar kein Geld für einen Podolski-Wechsel hätten.

Auch Klinsmann begrüßte, dass nun wieder Ruhe im Verein sei.

Schließlich steht für den FCB schon am Mittwoch der nächste Härtetest in der Champions League an. Ob mit oder ohne Podolski interessiert in Bukarest wohl keinen.

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