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Paolo Guerrero inmitten einer Jubel-Traube: Beim HSV herrscht Euphorie © imago

Der Trainer bremst die Euphorie beim HSV nach dem glänzenden Saisonstart. Turbulenz verspricht die Wahl des neuen Sportdirektors.

Von Daniel Rathjen

München - Spitzenreiter. Und das mindestens zwei Wochen lang.

Der Hamburger SV grüßt nach einem glänzenden Saisonstart vom Platz an der Sonne. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Und die Fans auf der Nordtribüne stemmen bereits Meisterschalen-Imitate aus Pappe in die Höhe.

Das Umfeld ist noch euphorischer geworden nach einem souveränen 3:1 gegen den 1. FC Köln.

Coach Bruno Labbadia bleibt aber auf dem Boden. Die Phase bis zur aktuellen Länderspielpause hat er immer nur "die erste Etappe" genannt.

"Wir haben einen ordentlichen Start hingelegt - mehr nicht", sagt er nur.

Er behält weiter die Ruhe nach der Skepsis, die ihm und seiner Mannschaft nach dem enttäuschenden 1:1 in Freiburg entgegenschlug.

Die alte Sachlichkeit

Auch jetzt - im Erfolgsfall - legt er Wert auf Sachlichkeit.

Vielleicht auch, weil der neue Coach ein gebranntes Kind ist.

Bei Bayer Leverkusen startete Labbadia vor einem Jahr ähnlich erfolgreich in die neue Spielzeit.

Doch in der Rückserie folgte ein sportlicher Absturz, der ihn letztlich auch den Job kostete.

Die Tabellenführung "bedeutet mir gar nichts", sagt er. "Unser Start erleichtert das Arbeiten, aber wir haben es gegen Köln versäumt, frühzeitig das dritte Tor zu machen und nach dem Anschlusstreffer die Ordnung verloren - daran müssen wir arbeiten."

Vor allem stach beim HSV aber die gute Torausbeute ins Auge. 146388(DIASHOW: Tops und Flops des Spieltags)

Guerrero in Topform

Nach zuletzt 16 Toren in vier Spielen markierten Paolo Guerrero per Doppelpack (19./66. Minute) und Piotr Trochowski mit einem Foulelfmeter (86.) die Treffer für die noch ungeschlagenen Hanseaten.

Beachtlich: Zum fünften Mal in Serie erzielte der Spitzenreiter mindestens drei Treffer.

"Wir wussten, dass wir 90 Minuten hart ackern müssen, das haben wir gemacht. Wir haben Geduld bewiesen", resümierte Labbadia.

Einer der Erfolgsgaranten seines Teams ist momentan Routinier Ze Roberto, den die "Hamburger Morgenpost" sogleich "Zauber-Ze" taufte.

Wirbel um "Zauber-Ze"

"Seine sportliche und menschliche Größe strahlt auf die Mannschaft aus", wird HSV-Vorstandsfrau Katja Kraus in der "Süddeutschen Zeitung" zitiert.

Einige Spieler - wie der junge Eljero Elia - sehen den Brasilianer "als Legende" und fühlen sich allein durch die Präsenz des 35-Jährigen beflügelt.

Bei so viel Lob gerät ein Gerücht beinahe komplett in den Hintergrund: Denn Ze Roberto soll keineswegs ablösefrei vom FC Bayern an die Elbe gewechselt sein.

Berater Figer mischt mit

Rund vier Millionen Euro soll der HSV laut Informationen des "Spiegel" nach Südamerika übewiesen haben.

Das Geld ging an den urugayischen Club Nacional Montevideo. Den bislang verdeckten Transfer bestätigte mittlerweilse auch HSV-Boss Bernd Hoffmann, auch wenn er die Summe der Ablösesumme offen ließ.

Sogar Ze Robertos Wechsel zum FC Bayern zur Saison 2007/08 fand unter anderen Vorzeichen statt als bisher angenommen.

So kam der Linksfuß auch damals nicht ablösefrei nach München, sondern war nur ausgeliehen.

Eine Million Euro soll der Rekordmeister gezahlt haben, um den Brasilianer bis 2009 zu verpflichten. Schon zu dieser Zeit war Montevideo der eigentliche Arbeitgeber des Mittelfeldspielers.

Im Mittelpunkt des verworrenen Geflechts steht offenbar Berater Juan Figer. Angeblich kontrolliere der einflussreiche Spielervermittler mehrere Klubs in Uruguay und profitiere damit selbst von solchen Ausleihgeschäften.

Fernab vom Feld regt sich in Hamburg nun auch Widerstand gegen den designierten Sportchef.

Roman Grill dürfte der Abstimmung des zwölfköpfigen Aufsichtrats am Dienstag skeptisch entgegen blicken.

Wer wird neuer Sportdirektor?

Nach übereinstimmenden Medienberichten stört mehrere Aufsichtrats-Mitglieder die Nähe des 39-Jährigen zu Hoffmann.

Im Profikader wird die Rolle Grills ebenso kritisch gesehen, weil er derzeit noch als Spielerberater tätig ist, unter anderem auch für Piotr Trochowski.

"Das wirft Fragen auf und ist auch bei uns Thema in der Kabine", sagte Torhüter Frank Rost dem Pay-TV-Sender "Sky".

Grill ist indes der Wunschkandidat des Präsidiums als Nachfolger von Dietmar Beiersdorfer, der im Juni nach monatelangen Differenzen mit Hoffmann seinen Posten zur Verfügung gestellt hatte.

Einziger noch verbliebener Gegenkandidat Grills ist der ehemalige Bayern-Profi Oliver Kreuzer, der derzeit bei Sturm Graz als Manager tätig ist.

Ein weiterer Bewerber, HSV-Klubmanager Bernd Wehmeyer, hatte Ende vergangener Woche seine Kandidatur zurückgezogen.

Der vom Aufsichtsrat zu wählende neue Sportdirektor braucht in diesem Gremium eine Zwei-Drittel-Mehrheit.

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