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Dzeko (l.,) und Grafite treffen bisher noch nicht wie in der vergangenen Saison © imago

Beim Meister aus Wolfsburg läuft es in der neuen Saison noch nicht rund. Christian Gentner fordert bei Sport1.de mehr Biss.

Von Christian Stüwe

München - Wenn ein Team kurz vor der Halbzeit einen Gegentreffer hinnehmen muss, wird immer von einem "psychologisch ungünstigen Zeitpunkt" gesprochen.

15 Minuten haben die Spieler Zeit, um über ihre Fehler nachzudenken, 15 Minuten, um sich gegenseitig Vorwürfe zu machen. Und 15 Minuten müssen vergehen, bis sich die Chance zur Wiedergutmachung ergibt.

So gesehen kommt die kleine Krise beim VfL Wolfsburg psychologisch mehr als ungünstig. Denn nach zuletzt zwei Niederlagen muss der Meister nun auf Grund der Länderspielpause zwei Wochen auf das nächste Spiel warten.

"Ich glaube nicht, dass das ein Problem ist", sagte Christian Gentner gegenüber Sport1.de.

"Viel Zeit" bis zur Wiedergutmachung

"Wir haben jetzt viel Zeit, um uns auf das nächste Spiel gegen Leverkusen vorzubereiten", versucht der Mittelfeldmann der "Wölfe" aus der freien Zeit das Beste zu machen:

"Ich sehe das nicht positiv oder negativ, dass jetzt eine Pause ist."

Tatsache ist aber, dass es bei den Wolfsburgern nicht rund läuft und die zwei Wochen sehr arbeitsintensiv werden dürften.

"Wölfe" mit fantastischer Rückrunde zum Titel

In der vergangenen Saison spielten die Wolfsburger eine fantastische Rückrunde und wurden verdient Meister.

Selbst Rückschläge wie die Nachricht von Felix Magaths Abgang zu Schalke oder eine bittere 1:4-Niederlage in Stuttgart konnten den VfL nicht vom Ziel abbringen.

20 Spiele blieben die "Wölfe" zu Hause unbesiegt, 16-mal siegten sie im eigenen Stadion zuletzt in Folge.

Der HSV beendete die beeindruckende Serie am vorletzten Spieltag. Dann war die Elf des neuen Trainers Armin Veh beim 0:3 in München chancenlos.

Noch im April hatten die "Wölfe" den Rekordmeister vorgeführt und mit 5:1 geschlagen.

Grafite vermisst Leichtigkeit

Dass es derzeit in Wolfsburg nicht hundertprozentig passt, lassen die Aussagen von Grafite vermuten.

Es fehle an der "Leichtigkeit der vergangenen Saison", erklärte der Brasilianer.

Mit seinem Hackentor demütigte er die Bayern im April, am vergangenen Samstag konnte der Torschützenkönig sich kaum in Szene setzen.

Auch Sturmkollege Edin Dzeko lässt noch die Torgefahr der letzten Saison vermissen. "Wir werden viel enger gedeckt", beklagt sich Grafite.

Andere Klubs jagen den VfL

Die Jagd auf den Überraschungsmeister der vergangenen Saison hat längst begonnen.

"Wir sind in diesem Jahr der Meister, den alle schlagen wollen", räumt Gentner ein: "Wir werden anders wahrgenommen."

In der verganenen Saison wirbelte das "magische Dreieck" mit Zvejdan Misimovic, Dzeko und Grafite fast nach Belieben. Grafite und Dzeko wurden mit 54 Treffern zum gefährlichsten Angriffsduo der Bundesligageschichte.

Die "Wölfe" spielten sich praktisch in einen Rausch, der im Titelgewinn mündete.

Fehlt es an "Mannschaftsgeist"?

In dieser Saison sind die anderen Teams auf die drei Offensivkräfte eingestellt, teilweise wird hart gegen die "Wölfe" verteidigt.

Und obwohl das Team zusammen blieb und mit Spieler wie Obafemi Martins oder Karim Ziani noch hochkarätig verstärkt wurde, ist das Gefühl aus der Meistersaison offenbar verloren gegangen.

Anscheinend ist die Mannschaft unter Veh noch nicht die eingeschworene Truppe, die sie unter Magath war.

Es fehle auch "an Mannschaftsgeist" bemängelte Grafite. Und auch Gentner sieht in diesem Bereich noch Luft nach oben.

Gentner: "Jeder muss alles abrufen"

"Wir müssen so in die Spiele reingehen, dass wir jetzt die sind, die jeder unbedingt besiegen will", sagt der Nationalspieler: "Jeder muss alles abrufen, mit ein paar Prozent weniger werden wir die Erfolge nicht wiederholen."

Die Probleme des VfL scheinen also in der Tat im psychologischen Bereich zu liegen. Es wird also viel geredet werden bei den "Wölfen" in der zweiwöchigen Pause auf der Suche nach der Leichtigkeit der vergangenen Saison.

Doch das Einzige, was in so einem Fall wirklich hilft, ist ein Sieg im nächsten Spiel gegen Leverkusen.

Und auf diese Chance müssen die Wolfsburger jetzt eben etwas länger warten.

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