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Arjen Robben spielte vorm Wechsel nach München zwei Jahre bei Real Madrid © getty

Huub Stevens weiß, wie Arjen Robben tickt. Gegenüber Sport1.de beschreibt er die Besonderheiten des neuen Bayern-Stars.

Vom FC Bayern berichtet Mathias Frohnapfel

München - Der Satz gehört in das Standardrepertoire eines jeden Fußballmanagers.

"Er weiß eben, wo das Tor steht", heißt es reflexartig von der Dritten Liga bis zur Champions League, wenn ein neuer Angreifer vorgestellt wird.

Zu Arjen Robben hat man dagegen die Aussage noch nicht gehört.

Wahrscheinlich weil der neue Stareinkauf des FC Bayern eine zu breite Palette an guten Eigenschaften besitzt, um ihn nur auf den Job vorm Tor reduzieren zu können.

Sport1.de-Kolumnist Huub Stevens kennt den Flügelspieler aus den Niederlanden bestens und weiß um dessen sportliche und menschliche Besonderheiten.

Robben "weiß um seine Qualitäten"

Stevens berichtet von Robbens Sozialisation auf dem Fußballplatz und davon, dass er in Holland das 4-3-3-System mit jedem Jahr Ehrendivison besser aufnahm. Ein Rohjuwel war er schon, als er mit 16 Jahren in Groningen debütierte.

"Er spielt mit Kopf und Herz. Er ist ein sehr intelligenter Spieler und weiß um seine Qualitäten, vor allem seine Schnelligkeit", sagt Stevens.

Der Trainer von Red Bull Salzburg gerät geradezu ins Schwärmen, wenn er über den 25-Jährigen spricht.

Kein klassischer Torjäger

"Superschnell, dribbelstark und eine geniale Übersicht": diese Tugenden bescheinigt er dem Offensivspieler.

Ein Torjäger im klassischen Sinne ist Robben trotz des Doppelpacks beim 3:0 gegen Wolfsburg nicht. In der Primera Divison traf er in 50 Partien für Real elfmal, zuvor gelangen ihm für Chelsea in 67 Premier-League-Matches 15 Treffer.

Achterbahnfahrt mit Real Madrid

Robben muss derzeit die Welt so vorkommen, als ob er in eine Zeitmaschine geraten ist.

Wochenlang wussten die Real-Bosse nicht, wie sie mit ihm umgehen sollten. "Einmal haben sie mir gesagt, dass ich gehen soll, dann sollte ich wieder bleiben. Sie haben mir einfach kein gutes Gefühl gegeben", fasst Robben im Interview diese Achterbahnfahrt zusammen.

Dann kam die Vertragsunterzeichnung in München, das erste Training und das erste Spiel - alles binnen 36 Stunden.

Gemeinsam mit seiner Frau Bernardien und Sohn Luka (1) beginnt jetzt das neue Leben in Deutschland.

Aus Stevens Sicht half Robben beim Blitzwechsel eine typische Eigenschaft seiner Landsleute, nämlich sich "ganz schnell anpassen" zu können.

"Sie integrieren sich schnell und bringen sich in ihre Mannschaft ein."

Ein Typ mit eigener Meinung

Zwar beschreibt er Robben als jemanden "der eine eigene Meinung hat und die auch verkündet."

Aber: "Er macht keine Schwierigkeiten. Er und Louis van Gaal können bestimmt gut zusammenarbeiten."

Zumal die erste Kontaktaufnahme zwischen FCB-Trainer und seinem neuesten Schützling - ein herzliches Telefonat, wie Robben berichtet - schon den Weg bereitet hat.

Eine Stufe unter Ribery

Die Bayern dürfen sich über einen gelungenen Einkauf freuen - auch wenn FCB-Präsident Franz Beckenbauer gegenüber der "Bild" einschränkt:

"Ich sehe Weltstars wie Messi, Cristiano Ronaldo und Ribery auf einer Stufe. Danach kommt die Kategorie mit Spielern wie Robben."

Das niederländische Fußball-Idol Ruud Gullit nennt Robben hingegen den "weltbesten Flügelspieler".

Und Rafael van der Vaart beschreibt den früheren Teamgefährten von Real Madrid als "totalen Spaßvogel. Er sorgt mit schlagfertigen Sprüchen und seinem Lachen für gute Stimmung in der Mannschaft".

Kein "Glasmann", aber gefährdet

Der Spaßfaktor ist gewiss auch im Zusammenspiel mit Franck Ribery hoch. Bereits am Samstag wirkte es so, als ob die beiden schon als Knirpse auf dem Bolzplatz zusammen gekickt hätten.

Mit Ribery teilt Robben das Schicksal öfter verletzt zu sein als viele andere Profis. Ein "Glasmann", wie spanische Zeitungen zwischenzeitlich höhnten, ist er dennoch nicht.

Laut Stevens liegt die Blessuren nicht an der körperlichen Konstitution Robbens, sondern eben genau an seiner Rolle.

"So ein Spieler, der so explosiv ist, ist natürlich gefährdet. Er kommt ja aus der Schnelligkeit, hat deshalb auch öfter Körperkontakt mit dem Gegner."

In solchen Momenten kann dann seine größte Stärke zum Fluch werden.

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