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Franck Ribery (r.) hat mit dem FC Bayern 2008 das Double gewonnen © imago

Dem Franzosen passt die Menschenführung des neuen Bayern-Trainers nicht. Er sagt auch, warum das so ist.

Von Martin van de Flierdt und Daniel Rathjen

München - Das Transferfenster ist seit Dienstag, 0.01 Uhr geschlossen und damit ein Dauerthema endgültig zu den Akten gelegt, das die Hauptbeteiligten schon länger abgehakt hatten.

"Ich weiß seit über einem Monat, dass ich definitiv in München bleibe", sagte Franck Ribery der Münchner "tz". Real Madrid? Kein Thema mehr. Vorerst.

Ähnlich hatte sich Bayern-Manager Uli Hoeneß zuletzt ja wiederholt geäußert. Alles in Butter also bei Ribery und seinem Arbeitgeber? Mitnichten. Denn der Franzose offenbart in der Sporttageszeitung "L'Equipe" nun, dass die Umgangsformen von Trainer Louis van Gaal mit den seinen so gar nicht zusammenpassen.

"Es ist wichtig, dass es ein Vertrauensverhältnis zwischen mir und dem Trainer gibt. Aber genau da wird es kompliziert", wird er dort zitiert.

"Es ist das erste Mal, dass mein Kontakt mit einem Trainer nicht positiv ist. Mir fehlt da das richtige Gefühl."

Bei "France Football" werden seine Attacken sogar gegen den 58-Jährigen sogar noch heftiger.

"Am Anfang der Saison soll ich nicht fit genug für van Gaal gewesen sein. Er hat gesagt, ich sei verletzt. Aber das war eine Lüge, ich war nicht verletzt!", erklärt er.

Van Gaal zu streng?

Van Gaal ist dem Instinktfußballer ingesamt zu streng.

"Man muss auch mal einen Spaß machen dürfen", findet Ribery. "Aber ich spürte vor allem bei den Trainingseinheiten eine gewisse Blockade bei den Spielern. Keiner lachte oder traute sich etwas zu sagen. Alle waren zu ernst."

Die autoritäre Menschenführung van Gaals sei demnach nicht nur für ihn selbst unpassend, sondern belaste das Arbeitsklima der gesamten Mannschaft.

"Ich glaube nicht, dass der Verein eine harte Linie braucht", führt Ribery weiter aus.

"Man muss immer die richtige Mischung zwischen Spaß und Ernsthaftigkeit finden. Und den Spaß habe ich im alltäglichen Leben mit meinen Mitspielern zuletzt vermisst."

Mentale Grenzen unerwünscht

Er selbst brauche "geistige Freiheit, um auf dem Feld die Sau rauszulassen". Wie das aussehen kann, war am Samstag in der zweiten Halbzeit beim 3:0 gegen Wolfsburg zu bestaunen.

Dort zauberte er gemeinsam mit dem kongenialen Arjen Robben, der Ribery die Freude am Kicken wieder zurückzubringen scheint.

"Arjen ist eine große Hilfe", bekennt der 26-Jährige. "Für mich ist seine Verpflichtung ein Zeichen des Vereins. Einen Spieler wie Robben habe ich mir gewünscht, damit bin ich sehr zufrieden."

Dass nun auch van Gaal noch seine Linie ändert, um dem sensiblen Dribbler Ribery das Arbeitsumfeld rundum zu idealisieren, darf allerdings bezweifelt werden.

"Spanien ist mein Ziel"

Eher scheint wahrscheinlich, dass Ribery nach der Saison zu Real Madrid wechselt.

"Die spanische Liga ist mein Ziel, irgendwann werde ich da spielen", hat er sich vorgenommen.

Einen Vorvertrag mit den "Königlichen" verwies er jedoch ins Reich der Fabeln. "So etwas gibt es nicht. Es ist nichts abgesprochen", beteuert der 26-Jährige.

Ebenso hätten die Bayern ihm noch keine Vertragsverlängerung angeboten.

"Möglicherweise sprechen wir. Ich habe niemals eine Tür geschlossen", stellt Ribery klar.

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