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Oliver Kreuzer ist seit Oktober 2008 Sportdirektor bei Sturm Graz © imago

Der Ex-Bayern-Profi sagt dem HSV kurzfristig ab. Doch auch Grill wird nach Hause geschickt. Die Suche kann nun "Monate dauern".

Von Nikolai Kube

Hamburg - Das Chaos beim Hamburger SV um die Nachfolge von Dietmar Beiersdorfer ist perfekt.

Oliver Kreuzer, aktueller Sportdirektor bei Sturm Graz, teilte dem Aufsichtsratvorsitzenden des HSV Horst Becker kurzfristig per Kurznachricht mit, dass er seine Kandidatur als Sportchef zurückziehe.

"Nach eingehenden Gesprächen mit Horst Becker, Bernd Hoffmann und Katja Kraus kam ich am Dienstagabend zu dem Entschluss, nicht als Sportchef zu kandidieren", sagte Kreuzer gegenüber "Sport Bild".

Vorfall zwischen Hoffmann und Kreuzer

Angeblich ist dem Vorfall ein Treffen zwischen dem Vorstandsvorsitzenden des HSV, Bernd Hoffmann, und Kreuzer vorangegangen.

Dabei soll Hoffmann dem Ex-Profi klargemacht haben, dass man nicht mit ihm zusammenarbeiten wolle, sondern Roman Grill bevorzuge.

Becker wollte von einer möglichen Beeinflussung vonseiten Hoffmanns aber nichts wissen: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Vorstand Herrn Kreuzer zu seiner Entscheidung bewogen hat."

Mit Kreuzer bereits über Gehalt gesprochen

Spekulationen, dass sich Kreuzer nur hätte präsentieren sollen, um einen Gegenkandidaten zu Grill zu stellen, wies Becker zurück: "Das ist nicht richtig. Sonst hätte ich mit Herrn Kreuzer nicht über seine Gehaltsvorstellungen gesprochen."

Kreuzer meinte zu seinem plötzlichen Rückzug:

"Bei mir hat sich der Eindruck verfestigt, dass sich der Vorstand des HSV bereits unumstößlich auf Roman Grill als Sportchef des Vereins festgelegt hatte."

Auch Grill nach Hause geschickt

Deshalb habe er keine Veranlassung mehr für ein finales Gespräch mit dem Aufsichtsrat gesehen.

Doch anstatt nun den zweiten Kandidaten Grill zu nominieren, schickte der Vorstand auch diesen wieder nach Hause.

Man wolle unbedingt einen weiteren Kandidaten anhören, daher mache dieser Termin keinen Sinn, so Becker.

Die Aufsichtsratssitzung wurde somit ohne Ergebnis vertagt.

"Wir wollten keine halbherzige Lösung"

Grill war wenig begeistert: "Das ist eine unerfreuliche Situation", sagte er dem "Hamburger Abendblatt".

Doch warum haben Becker und Co. nach Kreuzers Absage Grill nicht zum neuen Sportchef gewählt?

Becker begründet es folgendermaßen: "Wir wollten keine halbherzige Lösung."

"Der Aufsichtsrat hat immer gesagt, dass er zwei Kandidaten hören will. Daher haben wir folgerichtig gehandelt, auch wenn der Vorgang in der Außendarstellung natürlich unglücklich wirkt", sagte Becker.

Suche kann Monate dauern

Zudem deutet er an, dass Grill, der aktuell auch als Spielerberater aktiv ist, wegen des negativen Echos auf seine Kandidatur durchgefallen sei: "Er war ja auch in den Medien scharfer Kritik ausgesetzt", so der Aufsichtsratvorsitzende.

Nun könne die Suche noch Monate dauern, erklärte Becker und fügte hinzu, "es gibt keinen Grund, in Hektik zu verfallen. Wir fangen wieder bei null an."

Grill sei demnach für die anstehende Präsentationsrunde "nicht gesetzt": "Das würde keine gute Wirkung auf andere potenzielle Kandidaten haben."

Grill will seine Bewerbung derweil aufrechterhalten: "Ich sehe keine Veranlassung, an meiner Kandidatur etwas zu ändern, nur weil ein anderer abgesagt hat."

Als Becker schließlich vor laufender Kamera von "Oliver Grill" sprach, war das Chaos perfekt.

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