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Mit der Verpflichtung von Robben (r.) in neue Dimensionen: Rummenigge (l.) und Nerlinger © getty

Nach der Verpflichtung des Niederländers werfen die Münchner ihre Sparsamkeit vollends über Bord. Dank Sportdirektor Nerlinger.

Von Christian Paschwitz

München - Die Haltung der vergangenen Saison, als kein einziger Euro für neue Kräfte ausgegeben wurde, hat der FC Bayern in dieser Spielzeit längst aufgegeben.

Der Ukrainer Anatoliy Tymoshchuk aus St. Petersburg kostete den Rekordmeister zum Beispiel stolze elf Millionen Euro.

Letztlich 35 Millionen Ablöse waren es gar für Mario Gomez (vorher VfB Stuttgart) - er ist nun Rekord-Transfer der Münchner.

Und für den aktuellen Hochkaräter Arjen Robben haben die Bayern schätzungsweise 24 bis 25 Millionen Euro an Real Madrid überwiesen.

Raus mit dem Kapital - her mit den Stars

Getreu dem zuvor erst ein Mal gepflegten Motto: Raus mit dem Kapital - her mit den Stars.

Diesen Weg hatten die Münchner schon 2007 beschritten, als sie sich die Verpflichtung von Franck Ribery, Luca Toni, Miroslav Klose, Marcell Jansen und Co. rund 70 Millionen Euro kosten ließen.

Dann aber mutierten die Münchner vergleichsweise wieder zu Sparbrötchen. Bis Arjen Robben kam. 110902(DIASHOW: Die Bundesliga-Rekordtransfers)

Zeitenwende mit Robben

Daraufhin kündigt Sportdirektor Christian Nerlinger nun eine offensivere Transferpolitik in der nahen Zukunft an:

"Das Resultat zeigt es einfach, dass wir uns an Transfers dieser Güteklasse ran trauen sollten. Das hat der Transfer von Franck Ribery bewiesen, und auch der von Robben."

Teure Stars auch in der Zukunft

Mehr noch: Die Münchner "sollten auch in Zukunft versuchen, diese qualitativ hochwertigen Spieler für den FC Bayern zu gewinnen."

Diese Linie hat auch dazu beigetragen, dass Robben überhaupt den Weg nach München fand.

"In den nächsten zwei, drei Jahren werden sicher weitere Transfers getätigt, um eine sehr starke Mannschaft aufzubauen, die gute Chancen hat, die Champions League zu gewinnen", verriet der Niederländer der "Bild".

Champions-League-Sieg das Ziel

Nerlinger legt nun die Messlatte für Verstärkungen deutlich höher als Hoeneß ? und nährt unfreiwillig Spekulationen.

Unlängst waren Gerüchte aufgekommen, die Bayern seien nicht mehr liquide genug, den Robben-Transfer über das Festgeldkonto zu finanzieren.

Dem trat Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sogleich vehement entgegen: "Wir haben auch diesen Transfer aus dem Eigenkapital bezahlt, nicht mit einem Kredit einer Bank finanziert."

Bayern "finanziell total gesund"

Rummenigge wehrte sich in der Münchner "Abendzeitung" weiter: "Wir sind ein total seriös und solide aufgestellter Verein, der finanziell total gesund ist. Diese Behauptungen entbehren jeglicher Grundlage. Der FC Bayern steht finanziell so gut da wie nie zuvor."

Und obendrein: "Die, diese Behauptung aufgestellt haben, haben eine einstweilige Verfügung mit einer Gegendarstellung erhalten."

Geschäfte auf Pump so wie Real Madrid oder andere Top-Klubs in Südeuropa oder auf der britischen Insel? Derlei will man an der Säbener Straße keinesfalls auf sich sitzen lassen.

Ohne Investitionen wird's schwer gegen Top-Klubs

Gleichwohl ergibt sich nun ein gewisser Spagat für die Bayern.

Schließlich hat gerade die vergangene Saison gezeigt, dass gegen die ganz Großen in der Champions League kaum zu bestehen ist.

Wenn nämlich die Geldschatulle geschlossen bleibt statt teure Hochkaräter zu holen.

Auch wenn viele das für Bayern-Ansprüche erfolglose Abschneiden in Liga und auf internationaler Bühne vorrangig an das Wirken von Ex-Trainer Jürgen Klinsmann knüpften.

Effenberg übt harsche Kritik

Künftig dürften es sich die Bayern noch weniger leisten können, auf Mega-Deals zu verzichten.

Ex-Kapitän Stefan Effenberg polterte dazu in der Vorwoche bei "Sky", ging insbesondere mit der fehlenden Investitionsbereitschaft für die Defensive hart ins Gericht:

"Im kompletten Abwehrverbund haben die Verantwortlichen des FC Bayern in den letzten ein oder zwei Jahren einfach geschlafen. Es gab immer Probleme."

Zugleich wetterte Effenberg: "Die Fehler kann man nur abstellen, indem man sich verstärkt, nicht ergänzt. Das tut der FC Bayern nicht."

Gomez überbewertet?

Der frühere Mittelfeld-Antreiber warf den Bayern ebenso vor:

"Ich gebe keine 30 Millionen aus für Mario Gomez, der in meinen Augen einen Marktwert hat von 12 oder 15 Millionen. Dann investiere ich die andere Summe, die ich dann noch hätte, und Bayern hat genug, da rein, wo ich wirklich Probleme habe."

Rummenigge schlägt zurück

An Rummenigge prallt die Kritik Effenbergs oder Oliver Kahns ("Rensing sollte wechseln") allerdings ab.

"Alle diese Kritiker interessieren mich nicht", sagte der Bayern-Vorstandsboss dem "kicker".

"Sie sollen zusehen, dass sie einen Job kriegen, in dem sie etwas zu sagen haben, und sich nicht als bezahlte Chefkritiker des FC Bayern hervortun."

Nerlinger genießt Support

Anders verhält sich das bei Nerlinger: Nerlinger stellt das Wirtschaften nun womöglich auf eine andere Stufe gestellt - mit der Rückendeckung der bisherigen Klub-Lenker.

"Ich habe die volle Unterstützung vom Vorstand, was es mir leicht macht", sagt der 36-Jährige. "Der Vorstand schenkt mir großes Vertrauen, das ist eine große Ehre für mich."

Und Nerlinger ergänzt: "Ich hoffe, dass ich das zurückzahlen kann."

So wie Rummenigge hofft, Transfers auch künftig stets liquide über die Bühne zu bringen.

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