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Friedel Rausch war nach dem Hundebiss pupulärer denn je © getty

1969 stürmen auf Schalke Fans das Feld. Sicherheitshunde fallen statt der Störenfriede die Spieler Friedel Rausch und Gerd Neuser an.

München - Die Szene stammt aus dem Kuriositätenkabinett der Bundesliga und ging um die ganze Welt.

Im hitzigen Revierderby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 am 6. September 1969 in der Kampfbahn Rote Erde waren die "Königsblauen" gerade durch Hansi Pirkner mit 1:0 in Führung gegangen, als einige allzu euphorische Schalker Fans auf den Platz stürmten.

Die Dortmunder Ordner wussten sich daraufhin nicht mehr anders zu helfen und ließen die Hunde los.

Die Vierbeiner hatten aber weniger ein Faible für die Unruhestifter als vielmehr für die ganz in blau gekleideten Schalker Spieler. So haben sich die Schäferhunde Friedel Rausch und Gerd Neuser als Opfer auserkoren.

Rausch wurde kräftig in den Hintern gebissen, Neuser in den linken Oberschenkel - das Foto ging durch die Gazetten.

"Ein Andenken für immer"

"Der Schreck und der Schmerz waren groß. Mir wurde eine Tetanusspritze verpasst, ich konnte zwei Nächte nur auf dem Bauch schlafen, die Narbe am Po kann man heute noch sehen. Ein Andenken für immer", erklärte der heute 69 Jahre alte Rausch mit trockenem Humor.

Dem Trainer und Ex-Profi ist die Szene auch vier Jahrzehnte später immer noch in bester Erinnerung. Genauso wie die Einladung ins ZDF-Sportstudio, wo ihm Moderator Dieter Kürten provokativ die Frage stellte, was gewesen wäre, wenn der Hund von vorne gebissen hätte.

Wie aus der Pistole geschossen antwortete Rausch: "Dann hätte der Schäferhund alle seine Zähne verloren." Der Konter saß, und der Applaus im Studio war ihm gewiss.

Populär durch Hundebiss

Rausch erlangte durch den Hundebiss in der Öffentlichkeit große Popularität. "Überall, wo ich auf der Straße erkannt wurde, sprach man mich aus Flachs mit Wau-Wau an", erklärte der frühere Schalker Verteidiger.

Rausch hatte damals nach der Hundebiss-Attacke sogar durchgespielt. Neuser, am 7. August 1993 verstorben, schied dagegen in der 76. Minute mit Lähmungserscheinungen im Bein aus.

Beide Profis erhielten vom BVB-Präsidium 500 Mark Schmerzensgeld und einen Blumenstrauß. Eine Woche später waren sie wieder im Einsatz.

Maulkörbe für Hundestaffeln als Konsequenz

Der DFB zog aus dem Skandal die Konsequenzen und führte daraufhin Maulkörbe für Hundestaffeln ein.

Das Ruhrpottderby endete übrigens 1:1. "Wir haben keinen Protest gegen die Wertung des Spiels beim DFB eingelegt. Es wurde mit 1:1 gewertet", sagt der damalige Schalker Präsident Günter Siebert.

Siebert, seit 59 Jahren S04-Mitglied, nimmt den Zwischenfall mit Humor. Der heute 79-Jährige hatte sich damals für das Rückspiel der Schwarz-Gelben etwas Besonderes einfallen lassen:

Der Schalke-Boss vereinbarte mit Graf von Westerholt einen besonderen Deal und ließ kleine, aber zahme Löwen aus dem Löwenpark Westerholt als tierisches Wachpersonal vor der Seitenwahl an der Mittelinie an der Leine von Ordnern auflaufen.

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