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Robin Dutt übernahm 2007 das Traineramt in Freiburg von Volker Finke © getty

Der SC Freiburg hat den ersten Einstieg in Deutschlands Eliteklasse geschafft. Rundum zufrieden ist Robin Dutt dennoch nicht.

Von Mathias Frohnapfel

München - Manchmal ist es besser, etwas Schwarz auf Weiß vor sich zu haben, als es nur theoretisch zu wissen.

Denn in der Theorie wussten die Profis des SC Freiburg, dass sie in der Bundesliga mithalten können. Seit dem Sieg über Schalke haben sie auch den Beweis dafür erbracht.

Die Tabelle dokumentiert diesen Fortschritt des Aufsteigers, der nach vier Spieltagen vier Punkte eingesammelt hat (DATENCENTER: Bundesliga).

Trainer Robin Dutt bewertet die Ausbeute im Gespräch mit Sport1.de positiv, aber nicht überschwänglich.

Bilanz "ganz in Ordnung"

"Vier Punkte gegen vier Topteams ist für einen Aufsteiger zwar ganz in Ordnung, jedoch hätten sechs Punkte der Leistung der Mannschaft entsprochen."

Vor allem beim 1:1 gegen den HSV, aber auch beim 2:4 gegen Stuttgart wäre für den Sportclub mehr möglich gewesen. Doch die Breisgauer Defensive sucht noch nach der idealen Balance für Deutschlands Eliteklasse.

Bricht der Gegner einmal den Freiburger Riegel, hatte er es meist wie der VfB und Leverkusen relativ leicht nachzulegen. "Neun der Gegentreffer sind gegen Leverkusen und Stuttgart gefallen, nachdem wir in Rückstand geraten sind und zu Gunsten der Offensive öffnen mussten", analysiert Dutt.

Stürmer noch ohne Coolness

Und er präsentiert auch gleich ein Gegenmittel, nämlich wie gegen Schalke selbst in Führung zu gehen. "Dann wird es auch für den Gegner schwer, ohne Risiko das Spiel noch zu drehen."

Allerdings hat Freiburgs Stürmer Mohammadou Idrissou noch nicht die Leichtigkeit wie in der Zweiten Liga gefunden, als er 13-mal traf.

Zu allem Überfluss zog sich Cedrick Makiadi bei seinem Startelf-Debüt gegen Schalke eine Zerrung zu. Und Jonathan Jäger sowie der von Greuther Fürth verpflichtete Stefan Reisinger müssen sich weiter akklimatisieren im "Hexenkessel Bundesliga".

Dass seiner Abteilung Attacke die Abgezocktheit fehlt, bestreitet Dutt jedoch. Partien mit versiebten Chancen könne es nun mal immer wieder geben.

"Es war trotzdem wichtig für uns festzustellen, dass wir gegen diese Topteams zu zahlreichen Möglichkeiten gekommen sind."

Ein Sieg fürs Selbstvertrauen

Überhaupt saugen die Freiburger aus dem ersten Dreier enorm viel Selbstvertrauen. "Die drei Punkte tun uns richtig gut", meinte Abwehrspieler Pavel Krmas nach dem 1:0 gegen die Königsblauen.

Und sein Chef Robin Dutt sieht sich in seiner offensivgeprägten Spielphilosophie bestätigt.

"Die Mannschaft", berichtet der 44-Jährige, "hat durch den Sieg gespürt, dass ihre Art und Weise Fußball zu spielen belohnt wird."

Kulisse beeindruckt und motiviert

Die Bundesliga ist für die Freiburger noch immer Abenteuer und spannendes Lernfeld zugleich. Das spürt man etwa, wenn man Johannes Flum respektvoll von den aufgekratzten Fans auf Schalke sprechen hört.

"Für die meisten von uns war es das erste Spiel vor so einer beeindruckenden Kulisse", gibt der 22-Jährige zu, um gleich zu versichern, dass das - natürlich - auf dem Rasen rasch vergessen war.

Kein Ersatz für die Innenverteidigung

Der Klub möchte die Klasse weitgehend mit dem Kader schaffen, dem auch im Mai der Aufstieg glückte. Auf einen Ersatzmann für Innenverteidiger Ömer Toprak, der bei einem Kart-Unfall verletzt wurde, hat man verzichtet.

Aber wäre es nicht besser gewesen, jetzt zu investieren, um nicht später unter Druck zu stehen? Dutt antwortet darauf so:

"Vom bloßen 'Geld-in-die-Hand-nehmen' wäre unser Kader nicht automatisch stärker und der Druck nicht geringer geworden. Wir haben die Kriterien sehr genau definiert, als es darum ging, Ömer kurzfristig zu ersetzen."

Letztlich habe es keinen Kandidaten gegeben, "der finanzierbar gewesen wäre und ein passender Ersatz." Auch die Verpflichtung des hoch gehandelten Kees Luijckx (AZ Alkmaar) kam nicht zustande.

Der Genussfaktor steigt

Der Trainer vertraut nun auf den Jungprofi Felix Bastians, dem er gegen S04 einen "sehr guten Einstand in der Innenverteidigung" bescheinigt.

Auch für Dutt ist es das erste Jahr als Chefcoach in der Bundesliga. Es ist die Bühne, nach der sich jeder Fußballlehrer sehnt.

"Richtig genießen kann man das vor allem, wenn man erfolgreiche Spiele hinter sich gebracht hat, das habe ich auf Schalke gemerkt."

Gegen Frankfurt könnte der nächste Streich gelingen.

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