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Grenzenlose Freude bei Hannover 96 nach dem ersten Sieg in der neuen Saison © imago

Während Hannover gegen Gladbach die Auferstehung feiert, läuft der Aufsteiger Gefahr, in die Tabellen-Niederungen abzurutschen.

Von Tobias Schneider

Hannover - Pfiffe, Buhrufe, Unmutsäußerungen. Nach 15 gespielten Minuten waren die 96-Fans alles andere als angetan von der Darbietung ihrer Mannschaft und quittierten den ängstlichen Auftritt dementsprechend.

Als das Spiel zu Ende war und die Anzeige-Tafel einen 5:1-Sieg in das Rund der AWD-Arena projizierte, war der Unmut vergessen.

Gemeinsam drehten die 96-Profis eine Ehrenrunde - die erste in dieser Saison - und ließen sich ausgiebig feiern.

Nach dem Katastrophen-Start war der Sieg Balsam für die geschundene 96er-Seele.

Krisengerede verstummt

Erst verzweifelte Hannover drei Spieltage lang vor dem gegnerischen Tor, dann fackelten die Niedersachsen gegen Gladbach ein wahres Offensiv-Feuerwerk ab.

Mit dem 5:1-Kantersieg hat Hannover das Krisengerede beiseite gewischt, doch es war beileibe nicht alles Gold, was glänzte.

Zu Beginn war den Gastgebern deutlich die Angst vor einem erneuten Versagen anzumerken: Ängstlich agierten die 96er, produzierten Fehlpässe wie am Fließband.

Die Situation drohte sich sogar zu verschlimmern, als Huszti in der 27. Minute vom Elfmeter-Punkt scheiterte.

Knoten nach 1:0 geplatzt

Doch wenige Minuten später machte Huszti seinen Fauxpas wett, erzielte das so wichtige 1:0 für die Hausherren. "Mit dem ersten Tor ist der Knoten geplatzt", sagte Doppel-Torschütze Jan Schlaudraff.

Apropos Schlaudraff: Nach den ersten Spielen harsch kritisiert, trumpfte der Neuzugang von Bayern München groß auf.

Grandioses Solo

Erst lupfte er den Ball elegant über Heimeroth hinweg, dann dribbelte der 25-Jährige die gesamte Borussen-Abwehr schwindelig und vollstreckte eiskalt. Ein Treffer, welcher frappierend an das Sensations-Tor gegen Werder Bremen im November 2006 erinnerte.

Nach seinem tollen Solo-Lauf befragt, gab sich der Stürmer aber betont zurückhaltend: "Gladbach musste aufmachen, dadurch hatte ich mehr Platz."

Nicht nur bei Hannover, auch bei Schlaudraff hat sich der Knoten endlich gelöst.

Forssell der neue Klose

Auch bei Mikael Forssell steht jetzt das erste Bundesliga-Tor in der Saison 2008/2009 zu Buche.

Allerdings hat der Finne seinen Elfmeter-Treffer Huszti zu verdanken, der das Leder an den 27-Jährigen weiter reichte.

Zuvor war das gegnerische Tor für den Finnen wie vernagelt.

Sprung auf Platz 12

Für Hannover sieht die Lage nach dem Drei-Punkte-Sonntag wieder entspannter aus. Durch den Erfolg gegen Gladbach hat Hannover in der Tabelle einen Satz auf Platz 12 gemacht.

Wie wichtig der Sieg war, wird bei einem Blick auf den Spielplan deutlich: Leverkusen, München, Dortmund, Hoffenheim und Bremen heißen die nächsten Gegner.

Blick nach unten

Gladbach muss sich dagegen wieder nach unten orientieren, auch wenn die Tabelle nach dem 4. Spieltag alles andere als aussagekräftig ist und die 1:5-Klatsche ohnehin zu hoch ausfiel.

Trainer Jos Luhukay bemängelte: "Wir sind nicht in die Zweikämpfe gekommen, haben individuelle Fehler begangen, die zu Tore führten. Das war über 90 Minuten unser Problem", sagte der Niederländer nach der dritten Pleite im vierten Spiel.

Wiedergutmachung beim Rhein-Derby

Dennoch brauchen die "Fohlen" den Kopf noch lange nicht in den Sand zu stecken, selbst als das Spiel längst entschieden war, ließen sich die Gäste nicht abschlachten und bewiesen Moral.

"Wenn man fünf Tore kassiert, ist das sicher kein guter Nachmittag gewesen," sagte Keeper Heimeroth nach Schlusspfiff, schickte aber gleich eine Kampfansage hinterher: "Wir sind gefestigt genug, um nächste Woche Reaktion zu zeigen. Das werden wir auch tun."

Im heimischen Borussia-Park kommt es dann zum Rhein-Derby gegen den 1. FC Köln.

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