DSF-Experte Udo Lattek stört die Kritik des Franzosen an van Gaal. In seiner Sport1-Kolumne bremst er zudem die Euphorie um Özil.

Hallo Fußball-Freunde,

Franck Ribery hat uns mit seinem Wechsel-Theater in der Sommerpause bereits pausenlos beschäftigt.

Und auch jetzt herrscht wieder Wirbel um ihn. Bayerns Dribbelkönig behauptet, dass sein Kontakt zu Trainer Louis van Gaal "nicht positiv" sei.

Aber hatte er jemals einen "positiven Kontakt" zu einem seiner Trainer? Nein! Er hatte mit jedem Trainer irgendwann Ärger, wenn dieser nicht so gespurt hat wie Ribery wollte.

Was mich besonders stört, ist, dass er erst nach Frankreich fährt und sich dort ausweint.

Kritik ist angebracht, aber warum kann er nicht - wenn er solche Sorgen hat - direkt zum Coach gehen?

Im Fußball geht es nicht nur um den Spaß. Ein Trainer muss auch eine gewisse Ernsthaftigkeit wahren. Oder hat jemand schon mal in einer Firma den Direktor den ganzen Tag während der Arbeit lachen sehen?

Für etwas Jubel und Heiterkeit sorgt momentan immerhin die deutsche Nationalmannschaft.

Aber bei allen Lobesliedern, die jetzt auf "Emporkömmling" Mesut Özil gesungen werden, sollte auch klargestellt werden: Er macht zu wenig für die Defensive. Er muss noch ein bisschen mehr nach hinten arbeiten. Doch mit seiner Kreativität ist er auf jeden Fall eine Bereicherung.

Für mich war das Spiel gegen Südafrika allerdings kein ernsthafter Test. Ein ernsthafter Test wäre es gewesen, wenn Jogi Löw die beste Mannschaft hätte spielen lassen.

Und man darf jetzt nicht den Fehler begehen und sagen, die Jungen müssen alle in die A-Nationalmannschaft. Wenn sie die Qualität haben, dann gehören sie dort hinein. Wenn sie die Qualität nicht haben, dann müssen sie halt noch warten.

Es ist ja manchmal auch so, dass nicht die Spieler, die das größte Talent haben, weitergekommen sind, sondern die, die das Sieger-Gen hatten. Wenn man diese Spieler herauskristallisiert, dann sehe ich recht optimistisch in die Zukunft.

Zur Torwartfrage möchte ich sagen, dass die Entscheidung, Rene Adler spielen zu lassen, gar nicht so hoch gehängt werden sollte. Es ist noch so viel Zeit bis zur WM 2010.

Jetzt ist Robert Enke die Nummer 1, nach dem Spiel gegen Südafrika müsste Adler die Nummer 1 sein. Wenn Enke gegen Aserbaidschan nicht gut spielt, heißt es wieder, der Enke ist es doch nicht.

Und einen Manuel Neuer gibt es auch noch. Man muss den Leuten einfach die Chance geben, und sich dann zur gegebenen Zeit entscheiden.

Für Tim Wiese stehen die Chancen wohl schlecht. Denn wenn man einen "Stinkstiefel" als dritten Torwart mitnimmt, kriegt man richtig Probleme.

Und nach dem zu urteilen, was ich so alles gehört habe, ist Wiese nicht gerade "pflegeleicht".

Wenn ich Trainer wäre, würde ich genau überlegen, ob ich jemanden mitnehme, der bei einem Fehler der Nummer 1, sofort aufbegehren würde. Ich bin gespannt, wie sich Löw entscheidet.

Ersteinmal bis nächste Woche!

Euer Udo Lattek

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