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Florian Kringe wurde 2002 bereits von Dortmund an den 1. FC Köln ausgeliehen © imago

Im Sport1.de-Interview spricht Florian Kringe über die Situation bei Hertha, den Abschied aus Dortmund und den neuen Trainer.

Von Nikolai Kube

München - Gleich Drei auf einen Schlag schnappte sich die Hertha kurz vor Ablauf der Transferperiode.

Während die Neuzugänge Adrian Ramos und Clederson Cesar de Souza in Deutschland nur Fußball-Insidern etwas sagen, ist Florian Kringe schon eher ein Name mit Aussagekraft.

Die Berliner haben den 27-Jährigen, der in 179 Bundesligaspielen bisher 18 Tore erzielt hat, von Borussia Dortmund ausgeliehen. Kringe wird zunächst für ein Jahr die Schuhe des Hauptstadtklubs schnüren.

In der letzten Saison war "Dortmunder Junge" aus der BVB-Startelf nicht wegzudenken, zuletzt kam er unter Jürgen Klopp nicht mehr zum Zug.

Jetzt will der gebütige Siegener die Hertha, die mit nur einem Sieg aus vier Spielen schwach in die Liga gestartet ist, zurück in die Erfolgsspur führen. Am Samstag feiert er in Mainz (ab 15 Uhr LIVE) sein Debüt.

Im Sport1.de-Interview spricht Kringe über die momentane Situation in Berlin, den Abschied aus Dortmund und seinen neuen Trainer Lucien Favre. Außerdem verrät er, warum er nicht zu Lukas Podolski nach Köln gegangen ist.

Sport1.de: Herr Kringe, Ihr Wechsel von Dortmund nach Berlin kam in letzter Minute zustande. Wie verliefen die Stunden vor dem Transfer?

Florian Kringe: Sehr stressig. Die Entscheidung ist erst Sonntagabend gefallen, Montagmorgen musste ich dann schon den Auflösungsvertrag unterschreiben. Im Anschluss ging es sofort nach Berlin, wo die sportärztliche Untersuchung anstand. Nach der Unterschrift bin ich dann zurückgeflogen. Ich musste erst mal durchatmen, um alles zu realisieren.

Sport1.de: Fiel Ihnen der Abschied aus Dortmund denn schwer?

Kringe: Die Bindung zum BVB war schon enorm. Da schließt man nicht von heute auf morgen mit allem ab. Aber die Vorfreude auf die Hertha überwiegt.

Sport1.de: Sie waren in Dortmund lange Zeit Stammspieler. Warum kamen Sie unter Jürgen Klopp zum Schluss nicht mehr zum Zug?

Kringe: Wir haben letzte Saison eine kleine Siegesserie gestartet. Nach unserem ersten Erfolg habe ich mich leider verletzt. Nachdem die Jungs auch ohne mich weiter Punkte gesammelt haben, gab es für den Trainer keinen Grund, großartig etwas zu verändern. Dann war ich halt leider draußen.

Sport1.de: Kommen wir zu ihrer neuen Heimat. Was sind Ihre ersten Eindrücke von der Stadt Berlin?

Kringe: Berlin ist eine Riesenstadt, auch wenn ich bisher kaum Zeit hatte, mir irgendetwas anzuschauen. Auf Grund der englischen Wochen wird sich das wohl auch in Zukunft nicht bessern.

Sport1.de: Und wie wurden Sie vom Klub empfangen?

Kringe: Die ersten Eindrücke waren sehr positiv, ich bin super aufgenommen worden. Viele Spieler sind jedoch noch mit ihren Nationalmannschaften unterwegs. Die Trainingsgruppe ist noch sehr überschaubar.

Sport1.de: Ihr neuer Trainer Lucien Favre wurde zuletzt von Ex-Hertha-Stürmer Marko Pantelic scharf kritisiert. Was sind Ihre Eindrücke von Favre?

Kringe: Er spricht sehr viel mit den Spielern, er nimmt sich Zeit für jeden Einzelnen, will uns individuell verbessern. Auch das Training ist abwechslungsreich, es macht Spaß. Lucien Favre geht mit uns respektvoll um, teilweise auch locker, aber dennoch sehr professionell. Die Mischung scheint zu stimmen mit ihm.

Sport1.de: Warum genau haben Sie sich für die Hertha entschieden. "Poldi" und der 1. FC Köln hätten sich doch sicher auch über Sie gefreut.

Kringe: Dies hatte hauptsächlich sportliche Gründe. Die Hertha stellt für mich eine sehr reizvolle Aufgabe dar. Vor allem die Europa League können einem nicht viele Vereine bieten. Die Stadt ist toll, der Verein war mir schon immer sympathisch.

Sport1.de: Bei aller Vorfreude. Die Vereinsführung hat "nur" einen einstelligen Platz als Saisonziel ausgegeben. Das kann Sie doch nicht zufriedenstellen, oder?

Kringe: Es wird eine sehr schwierige Saison, denn wichtige Spieler haben uns verlassen. Am Ende werden Kleinigkeiten den Ausschlag geben. Im letzten Jahr ist es der Hertha gelungen, viele knappe Spiele noch zu gewinnen. Wir werden versuchen, hart zu arbeiten. Vielleicht gelingt uns dann wieder eine Überraschung. Aber wir dürfen jetzt nicht die Nerven verlieren, denn wir haben eine guten Kader zusammen.

Sport1.de: Wie schaut es bei Ihnen persönlich aus. Ist Ihnen ein Stammplatz im Mittelfeld sicher?

Kringe: Ich gehe davon aus, dass ich spiele. Wir haben noch gute andere Leute, aber durch die Doppelbelastung wird jeder zum Zug kommen. Schlussendlich entscheidet der Trainer. Ich mache mir keine Sorgen, dass ich auf der Bank schmore.

Sport1.de: Sehen Sie Ihren Wechsel denn als Fortschritt oder als Rückschritt?

Kringe: Zu 100 Prozent als Fortschritt. Diese internationale Perspektive konnte mir Dortmund nicht bieten.

Sport1.de: Am Samstag feiern Sie ihr Debüt gegen Aufsteiger Mainz. Die Bayern-Niederlage sollte Warnung genug sein. Was erwarten Sie sich von der Partie?

Kringe: Es wird keine leichte Aufgabe, weil Mainz zuhause unglaublich aggressiv spielt. Sie sind sehr unangenehm zu spielen. Wir müssen konzentriert in die Partie gehen und ihnen unseren Stempel aufdrücken. Dann werden wir die drei Punkte auch mit nach Berlin nehmen.

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