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Wechselte im Tausch mit Mohammed Zidan vom BVB an die Elbe: Mladen Petric (l.) © imago

Nach dem 4. Spieltag hat der HSV den Platz an der Sonne erobert. Sport1 nennt acht Gründe, warum der HSV ein Titelaspirant ist.

Aus Hamburg berichtet Jürgen Blöhs

Hamburg - Als auf der Anzeigetafel der HSH Nordbank Arena am Samstag das 3:3 für Borussia Dortmund aufleuchtete, gab es für die HSv-Fans unter den rund 55.000 Besuchern kein Halten mehr.

"Wer wird Deutscher Meister? H, H, H, HSV!", schallte es von den Rängen.

Die Hamburger sind nach dem 3:2 gegen Leverkusen erstmals seit neun Jahren wieder Tabellenführer, fast die gesamte Hansestadt träumt vom Titel.

Letzte Meisterschaft vor 25 Jahren

Zuletzt gelang das 1983 unter dem legendären Coach Ernst Happel. Damals als Profi dabei war Bernd Wehmeyer, der auch amßgeblichen Anteil an den Meisterschaften 1979 und 1982 hatte.

Doch aktuell will sich der heutige Club-Manager des HSV (noch) nicht von der Begeisterung anstecken lassen.

"Es macht keinen Sinn nach vier Spieltagen von der Meisterschaft zu reden. Unser Ziel bleibt die Teilnahme am internationalen Geschäft", sagte Wehmeyer Sport1.de - fügte aber an:

"Fragen Sie mich nach zwei Dritteln der Saison noch mal. Sind wir dann noch oben, dann reden wir über neue Ziele."

Sport1.de nennt acht Gründe, warum der HSV in dieser Saison ganz oben mitspielen kann.

Mentale Stärke

Viel war nach dem dritten 0:2-Rückstand der Saison, den die Norddeutschen noch zumindest ausgleichen konnten, von "Moral", "Charakter" und "Selbstvertrauen" die Rede.

"Wir haben ein wahnsinniges Selbstvertrauen. Diese Mannschaft hat Charakter", meinte Ivica Olic. Ähnlich sah es Siegtorschütze Mladen Petric: "Wir haben eine tolle Moral im Team."

Auch Martin Jol meinte: "Unser Team gibt nicht auf", und attestierte seinen Spielern "Charakter wie Tiger".

Taktik

Der HSV 2008/09 ist offensiver ausgerichtet. Dem "die Null muss stehen" von Vorgänger Huub Stevens folgt das "Ich will jedes Spiel gewinnen" von Jol.

"Normalerweise kann man nur Spiele gewinnen, wenn die Defensive steht. Bei uns ist das anders. Die Abwehrspieler müssen sich daran gewöhnen, dass sie etwas weniger Unterstützung aus dem Mittelfeld erhalten", erklärt Jol seine Absage an eine "Doppel-Sechs".

Der Trainer

"Ich bin ich", stellt Jol klar, dass nur Einer das Sagen hat.

"Der Trainer stellt uns phantastisch auf jeden Gegner ein", lobt Olic. "Dass wir das 0:2 gegen Leverkusen noch umgebogen haben, ist auch sein Verdienst. Er findet in der Halbzeit immer die richtigen Worte."

So sehen es auch die Entscheidungsträger. "Er strahlt eine wahnsinnige Ruhe aus. Dabei ist er in seinen Entscheidungen sehr konsequent, das wissen die Spieler", so Wehmeyer. "Anders als sein Vorgänger sucht Jol mehr das Einzelgespräch und arbeitet mehr in kleinen Gruppen."

Teamgeist

Die Spieler des HSV vermitteln durch ihr Auftreten auf dem Feld einen unerschütterbaren Teamgeist.

"Da läuft einer für den anderen", lobt Jol. "Allein wie der Guerrero hinten aushilft, ist Wahnsinn. Die Einstellung stimmt."

Die Bank

Nationalspieler Marcell Jansen, die Neueinkäufe Alex Silva aus Brasilien und Mladen Petric, dazu mit Jerome Boateng und Collin Benjamin ehemalige Stammspieler - so eine Bank hatte in der Liga bisher nur der FC Bayern.

"Wir sind in der Breite viel stärker aufgestellt, als in der vergangenen Saison", beschreibt Jol seinen Kader.

Das werde sich bei der Dreier-Belastung Meisterschaft, Pokal, UEFA-Cup "noch positiv bemerkbar machen" - und kann in der Endphase der Saison entscheidend sein.

Die Fans

Keine Pfiffe trotz eines 0:2-Rückstandes, und obwohl "Leverkusen spielerisch sehr stark war und in der Balance schon weiter als wir", wie Jol feststellte, standen die Anhänger wie ein Mann hinter dem Team.

"Tolle Fans, ein tolles Stadion. Ich habe viel Spaß gehabt", so der Brasilianer Thiago Neves nach seinem ersten Spiel mit der Raute auf der Brust.

Der Verkauf von van der Vaart und Kompany

"Kein Kommentar", so Jols Reaktion auf Fragen nach Rafael van der Vaart oder Vincent Kompany.

Doch der neue Kapitän David Jarolim macht deutlich: "Wir sind taktisch viel schwerer auszurechnen."

Einerseits übernehmen andere Akteure mehr Verantwortung, andererseits kann ein "Stinkstiefel" wie Kompany nicht mehr für schlechte Stimmung sorgen.

Bodenhaftung

Trotz der Tabellenführung bleiben Trainer, Mannschaft und Umfeld auf dem Boden der Tatsachen. "Für die Zuschauer ist es ja schön, aber ich würde gern mal 1:0 in Führung gehen", sagte Olic.

"Wir können nicht jedes Spiel in Rückstand gehen. Auf Dauer kann das nicht immer gut ausgehen", unterstützt Petric seinen Sturm-Kollegen.

Auch für Jol gibt es keinen Grund, sich angesichts der Tabellenführung auf den Lorbeeren auszuruhen: "Wir sehen in der Defensive schlecht aus. Inklusive Pokal haben bereits fünf grobe Fehler zu Toren geführt. Darüber wird mit der Mannschaft zu reden sein."

Die Meisterschaft ist für den Trainer "noch kein Thema. Ich will erstmal meine Stammelf finden, denn so viele Trainingseinheiten haben wir noch nicht gemeinsam absolviert".

Oder wie es Petric beschreibt: "Wir haben noch Luft nach oben."

Das könnte die Konkurrenz auch als Drohung verstehen.

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