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Sebastian Rudy bekam im Sommer 2008 einen Profivertrag in Stuttgart © getty

Die Schwaben sind besonders findig im Aufspüren neuer Begabungen. Der nächste Newcomer heißt Sebastian Rudy.

Von Mathias Frohnapfel

Stuttgart - Das schönste Kompliment für Sebastian Rudy kommt vom Stuttgarter Abwehrrecken Ludovic Magnin.

"Er ist das größte Talent beim VfB", sagt der Schweizer.

Und obendrein ist der 19-Jährige der beste Beleg für die konsequente Jugendarbeit der Schwaben.

In der neuen Saison hat Rudy zwei Bundesliga-Partien bestritten, im Champions-League-Playoff-Spiel gegen Timisoara sogar Alexander Hleb vertreten.

Wie Timo Gebhart und Julian Schieber ist Rudy ein Puzzelteil, das im Rotationsprinzip von Markus Babbel bei Bedarf möglichst sofort passen soll.

Magnin: "Er kann ein ganz Großer werden"

"Technisch ist er sehr begabt. Wenn er lernt, noch etwas zu beißen, wird er ein ganz Großer", urteilt Magnin im Gespräch mit Sport1.de.

Rudy selbst reagiert auf Lob bescheiden, erzählt lieber vom Rückhalt im Verein und stellt vorm Spiel gegen Hamburg (Sa., ab 18.15 Uhr LIVE) fest:

"Beim VfB sind immer gute Talente dabei. Und sie setzen auf die Jungen, geben ihnen eine Chance."

Seit 2003 spielt Rudy, geboren im 115 Kilometer entfernten Villingen-Schwennigen, in Stuttgart.

Als 13-Jähriger begann er die Jugendteams zu durchlaufen, ehe er nun via Drittliga-Team den Sprung in den Profi-Kader schaffte. In Rekordtempo.

Und vom Training mit Granden wie Thomas Hitzlsperger und Hleb profitiert er noch immer.

Hilfe von den Stars

"Man kann sich viel abschauen und die helfen einem auch, dass man sich gut zurechtfindet", lautet Rudys Einschätzung.

Co-Trainer Rainer Widmayer verfolgt Rudys Entwicklung genau - auf dem Spielfeld und außerhalb. "Was für ein großes Talent" der 19-Jährige mit den noch jungenhaften Gesichtszügen ist, weiß Widmayer natürlich.

Und auch, wo der wendige Mittelfeldspieler sich noch steigern muss.

"Noch einen Tick frecher"

"Er muss noch einen Tick frecher werden", fordert der Co-Trainer gegenüber Sport1.de.

"Zum Beispiel wurde er gegen Dortmund klar gefoult, wollte aber aufstehen und sofort weiterspielen. In manchen Situationen muss er muss sich noch etwas raffinierter verhalten. Aber das kommt noch."

Vorbild für das VfB-Eigengewächs gibt es im eigenen Team genug: Sami Khedira und Serdar Tasci führte der Weg aus der schwäbischen Talentschmiede sogar bis in die Nationalmannschaft.

Stuttgarts starke Quote

Insgesamt spielen derzeit 18 Profis in der Bundesliga, die beim VfB in den vergangenen zehn Jahren ausgebildet wurden. Nur der FC Bayern hat mit 20 Spielern ligaweit eine noch bessere Bilanz.

Für Widmayer sind diese Zahlen kein Zufall und auch nicht, dass die eigenen Begabungen auch Einsatzzeiten in der Bundesliga bekommen.

Zum einen sei das die Philosophie die Vereins, zum anderen habe man auch "einen sehr guten Unterbau im Jugend- und Amateurbereich".

Diese Strategie muss sich an den harten Regeln des Profigeschäfts messen. Denn für Widmayer steht fest:

"Wer bei uns in der Lizenzmannschaft in dem Alter dabei ist, hat ein außergewöhnliches Talent, sonst würden wir ihm die Chance nicht geben."

35 Millionen für ein Eigengewächs

Sebastian Rudy ist 19 Jahre alt. Doch für die Schwaben hat die Ausbildung auch ganz klar einen finanziellen Anreiz:

So brachte Eigengewächs Mario Gomez beim Transfer an den FC Bayern 35 Millionen Euro Ablöse ein - Bundesliga-Rekord.

Der U-21-Nationalspieler muss jetzt zeigen, ob er sich schon in einer brillanten Konkurrenz behaupten kann.

Seit dem Einkauf von Zdravko Kuzmanovic (AC Florenz) streiten sie im Stuttgarter Mittelfeld noch heftiger um die Plätze.

Zwar ist der Serbe ein Rotationskandidat für die Sechserposition, doch auch insgesamt wird so die Flexibilität für Teamchef Markus Babbel größer.

Babbel will noch mehr Leistung herauskitzeln

"Ich will den Leistungsgedanken weiter vorantreiben. Jeder muss sich beweisen", erklärt Babbel.

Tauscht er in den Spielen zwischen Bundesliga, Pokal und Champions League, entspricht das dem Konzept, "möglichst vielen Spielern entsprechende Einsatzzeiten zu geben, damit sie ihr Topniveau erreichen".

Für VfB-Newcomer Rudy dürfte diese Aussage Motivation genug sein.

Ludovic Magnin glaubt ohnehin an ihn, auch weil er Qualitäten mitbringt, die im aufgeregten Profifußball gewiss nicht schaden:

"Er ist ein lockerer Bursche", berichtet Magnin "zeigt nie Nerven und hat immer die Ruhe weg."

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