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Robben (l.) begeistert die Liga - Beckenbauer hat trotzdem Kritik an den Bayern © getty

Vorm Hit in Dortmund lästet der "Kaiser" über Bayerns Abwehr und gibt Rensing einen Tipp. Klopp hat ganz andere Sorgen.

Von Christian Paschwitz

München - Die Bundesliga schwärmt vom neuen Offensiv-Duo der Liga, ist fasziniert von Arjen Robben und Franck Ribery:

Doch zwei Tage vor dem Duell bei Borussia Dortmund (ab 15 Uhr LIVE) schlägt Bayerns Präsident Franz Beckenbauer Alarm:

"Unser Problem ist die Defensive", sagte der "Kaiser" bei "Sat.1" und nahm den Cheftrainer gleich mit in die Pflicht. "Ich hoffe, dass Louis van Gaal das bald in den Griff bekommt."

Dass beim Rekordmeister nach vier Spieltagen nur Rang acht und schon wieder vier Gegentore zu Buche stehen, wurmt Beckenbauer sehr.

Kritik an Lucio-Verkauf

Ebenso, dass die Münchner angesichts der Defensivschwächen ihren langjährigen Abwehrchef Lucio zu Inter Mailand ziehen ließen: "Es war vielleicht ein Fehler, ihn hergegeben zu haben. Lucio war jahrelang ein großer Rückhalt."

Insbesondere in der Innenverteidigung des FC Bayern sieht Beckenbauer einen großen Schwachpunkt: "Van Buyten hat vorige Saison kaum gespielt, und von Badstuber habe ich vor zwei Monaten nicht gewusst, dass es ihn gibt."

Vorn allerdings machen die Bayern zum Schlagerspiel gegen Dortmund mächtig Eindruck - dank ihrer Flügelzange Robben und Ribery.

Die Westfalen basteln bereits seit Tagen an einer erfolgversprechenden Defensiv-Taktik. "Wir werden uns ein bisschen was zurechtlegen", sagte Jürgen Klopp im "kicker".

Spezialauftrag für Dede

Und offenbar will der Trainer seinem Linksverteidiger Dede dabei eine ganz besondere Rolle zukommen lassen.

Weil Robben, bei seiner Bundesliga-Premiere gegen Meister Wolfsburg (3:0) auf Anhieb zweifacher Torschütze, in van Gaals System erneut über die rechte Außenbahn Akzente setzen dürfte, droht dem 31-jährigen BVB-Routinier Schwerstarbeit.

Dede stapelt zwar tief und erklärt lapidar, unabhängig von großen Namen wie immer auf "volle Konzentration" zu setzen.

Dass Dede jedoch derjenige sein wird, der sich vorrangig darum verdient machen muss, Robbens Wirkungskreis einzuengen, scheint fraglos.

Klopp beschwört das Kollektiv

Wenngleich Klopp eilig nachschiebt: "Wir dürfen nicht alles auf die Außenverteidiger abwälzen."

Vielmehr sei die ganze Mannschaft gefragt, "es nicht zu Eins-gegen-eins-Situationen kommen zu lassen", fügt Patrick Owomoyela an angesichts der "irren Qualität" der Münchner.

Der wie Dede als (rechter) Außenverteidiger agierende Routinier ahnt offenbar, dass der Job des "Robben-Fängers" nur die eine Seite der Gesamtaufgabe ist, Bayerns Vorwärtsdrang lahmzulegen.

Schließlich blühte im Zusammenspiel mit Robben zuletzt auch Ribery wieder auf.

Ribery von Beginn an?

Es ist kaum anzunehmen, dass van Gaal in Dortmund nun davon absieht, sein niederländisch-französisches Tandem erneut gemeinsam wirbeln zu lassen - dann womöglich auch von Beginn an.

"Wenn Ribery und Robben den Ball haben und mit Tempo auf dich zulaufen, wird es schwierig", macht sich Owomoyela auf einiges gefasst: "Das bedarf extremer Gegenwehr."

Um die gefürchteten "Robbery" zu neutralisieren, hilft wohl aber ohnehin nur "Doppeln".

Auch Dortmunds angestammte Innenverteidiger Neven Subotic, Felipe Santana dürften deshalb in manches Duell verwickelt werden.

Hummels als Alternative

Eine Alternative fürs Dortmunder Defensivzentrum ist auch wieder Mats Hummels. Der Ex-Bayer sammelte unter der Woche in der U-21-Nationalmannschaft Spielpraxis, war beim 1:2-Fehlstart in der EM-Qualifikation gegen Tschechien noch beste deutsche Abwehrkraft.

Dortmund präpariert sich so oder so auf Bayerns mit drei Spitzen daherkommenden Angriff (Klopp: "Das hat man nicht jede Woche") - und freut sich irgendwie auch drauf.

Ob nun Robben (mit Ribery dahinter), Mario Gomez, Iviva Olic oder doch der im DFB-Team zu alter Treffsicherheit zurückfindende Miroslav Klose: Neben "viel Arbeit" verspürt Owomoyela auch den Genuss, "sich mit solchen Klasseleuten messen zu dürfen".

Watzke lobt, aber...

Denen bescheinigte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke via "Bild" "auf einer Stufe mit Real Madrid" zu stehen. "Das ist Weltklasse."

Watzke sagte aber auch: "Trotzdem wird es für sie kein Selbstläufer bei uns. Wir haben 80.000 Fans im Rücken und werden mit brutaler Leidenschaft versuchen, die Sensation zu schaffen."

Die Dortmunder Taktik ist klar: Hinten gut stehen - und dazu die Chance in der "Flucht nach vorn" suchen.

"Kaiser" sieht für Rensing schwarz

Nicht zuletzt mit Nelson Valdez, der mit Paraguay das WM-Ticket löste und in der Qualifikation Maradonas Argentinier abschoss.

Owomoyela formuliert es so: "Die Bayern machen alles gern, nur nicht verteidigen."

Genau darüber macht sich auch Beckenbauer seine Sorgen - und sieht obendrein für Keeper Michael Rensing kaum noch eine Zukunft in München: "Um ihn tut es mir ein bisschen leid, aber so kommt er hier nicht weiter."

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