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"Wenn man gegen Liechtenstein spielt, kann man auch gegen den FC Tegernsee spielen!" (Über WM-Qualifikationsspiele gegen "Exoten")
Lukas Podolski (l., mit Uli Hoeneß) hat in Köln seinen zweiten Saisontreffer erzielt © imago

Streit-, Sonder- oder Glücksfall? Auf jeden Fall elektrisiert Podolski die Fans und polarisiert die Chefs in München und Köln.

Von Mathias Frohnapfel

München/Köln - Es gab mal eine Zeit, in der Uli Hoeneß sagen konnte: "Langsam kommt Lukas Podolski in München an und der Kölner Dom ist immer weiter weg."

Mittlerweile scheint es, als würde der Kölner Dom demnächst direkt am Münchner Marienplatz aufgebaut.

Dabei ist die Aussage des Bayern-Managers gerade ein halbes Jahr alt.

Wie der heißgeliebte Casanova

Doch in der Zwischenzeit ist "Poldi" zum Lieblingsthema von alljenen geworden, die an Isar und Rhein das Sagen haben.

Der jüngste Fall: Der 23-Jährige kehrte am Samstag zu seiner alten Liebe nach Köln zurück, traf beim 3:0 für die Bayern und wurde dennoch gefeiert wie ein Volksheld.

Es ist gerade so, als ob eine Schönheit ihrem Casanova Kusshände nachwirft, selbst wenn der schon zu neuen Abenteuern eilt.

Köln und Bayern im Clinch

"Poldi" macht alle verrückt. Seinetwegen beharken sich nun auch die Klubbosse.

Die Kölner hätten "hinten und vorne kein Geld", um den Nationalspieler zurückzuholen, lästerte Hoeneß. Angeblich habe es zwischenzeitlich ein Angebot zwischen drei und fünf Millionen Euro für den "Kölschen Jung" gegeben.

Vorm Bundesliga-Spiel war FC Bayern-Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge mit Kölns Präsident Wolfgang Overath gemeinsam zum Mittagessen.

"Hoeneß soll sich um seine Dinge kümmern"

Overath konterte in der tz: "Ich weiß nicht, von wem Herr Hoeneß diese Information hat. Es ist schon toll, wenn die Bayern wissen, wie es um unsere finanzielle Lage bestellt ist."

Dann legte er nach: "Der Uli sollte sich um seine Dinge im Klub kümmern."

Michael Meier gab ebenso seinen gereizten Kommentar ab: "Ich war beim Gespräch dabei, Uli Hoeneß nicht", sagte der Kölner Manager. "Entweder haben Hoeneß und Rummenigge ein Problem in ihrer Kommunikation oder Hoeneß will so bewusst Feuer legen."

"Poldi" stand früher im Block

Dass sich die Klubverantwortlichen derart hart in die Parade fahren, zeigt, wie "Poldi" mittlerweile zu einem Faktum geworden ist, über das sie selbst die Regie zu verlieren drohen.

Die FC-Fans lieben "Poldi", weil er früher selbst im Kölner Fanblock stand. Und den FC 2004/2005 mit 24 Toren zurück in die erste Liga schoss. Poldi-Manie, eben. "Der wird in Köln wie ein Gott verehrt", vermerkte Bayern-Profi Bastian Schweinsteiger erstaunt am Montag.

Keiner will Talent vergeuden

Zu sehr sticht "Poldis" Begabung hervor. Obendrein wäre es den Bossen zu peinlich, hieße es später: Hier haben sie eines der größten Talente des europäischen Fußballs mehr gehemmt als gefördert.

Franz Beckenbauer beschreibt im DSF-Interview anschaulich dieses Dilemma.

"Podolski passt sehr wohl zum FC Bayern, er ist ein vielseitig verwendbarer Spieler. So viele Linksfüßer gibt es nicht, die seine Klasse haben."

Fehlt noch das "Aber".

Für den "Kaiser" besteht das darin: "Ich würde ihm raten, nicht so viel über die Zukunft zu reden und welche Möglichkeiten er hat, sondern sich beim FC Bayern durchzusetzen."

"Podolski wird weggehen"

Podolskis ehemaliger Teamkollegen und Neu-Hamburger Marcell Jansen erklärte allerdings im DSF-Interview: "Egal, wie 'Poldi' sich entscheiden wird, ich denke, er wird von Bayern irgendwann weggehen."

Für Jansen steht dabei nicht nur Köln als Option im Raum.

"Sein Herz hängt nun mal am 1. FC Köln, aber ich denke, dass er irgendwo hin muss, wo er auch weiter am oberen Level mitspielen kann. Er hat das Zeug, bei allen Top-Teams in Europa zu spielen."

Matthäus: "Köln ist kein Rückschritt"

Laut Lothar Matthäus riecht es derweil eher danach, "dass es im Winter zu einem Wechsel kommen wird".

Eine Rückkehr zur alten Liebe "Kölle" hält der Rekordnationalspieler nicht für einen Rückschritt. "Er würde in der Bundesliga spielen bei einem Verein, der gut geführt ist, der tolle Fans und ein tolles Umfeld hat und dann bekommt er seinen Spielpraxis.?

"Poldi" selbst zeigt sich von allem Getöse rings um ihn höchst unbeeindruckt.

"Poldi" als Briefautor

Mit spitzbübischem Grinsen plauderte er am Samstag vor den Augen der Bayern-Aufpasser mit Kölner Freunden und Ex-Mitspielern.

Den FC-Fans schrieb er via "Kölner Express" einen Brief. "Danke, für diesen schönen Tag. Es war ein Tag, der mir unter die Haut gegangen ist. Als Ihr mich bereits beim Warmlaufen und dann nach dem Spiel gefeiert habt, da musste ich richtig schlucken. Das war einer der schönsten Momente meiner Karriere überhaupt."

Allerdings: Allen gegenseitigen Liebesbekundungen zum Trotz wird die Liebe zwischen Köln und ihm voraussichtlich weiter eine platonische bleiben. Ein 20-Millionen-Angebot, wie es Bayern jüngst angeblich von mehreren Klubs erhalten hat, können die "Geißböcke" nicht stemmen. Vorerst bleibt der Dom also in "Kölle" und "Poldi" in München.

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