Der Schiedsrichter, der gleich mit zwei Fehlern den Schalkern den Sieg beim Derby in Dortmund raubte, sorgt für Gesprächstoff.

Die Abseitsstellung vor dem 2:3 war zu deutlich, als dass man sich "im Zweifelsfall" für den Assistenten an der Linie einsetzen würde.

Und wo Schiedsrichter Lutz Wagner die Strafstoßentscheidung zum 3:3 im Derby bei Borussia Dortmunder gegen den FC Schalke 04 hergenommen hat, wird wohl immer sein Geheimnis bleiben.

Immerhin hat der 45-Jährige einige Fehler eingestanden, aber das sollte im Sinne des von Schiedsrichtern immer wieder geforderten "Fair Play" eine Selbstverständlichkeit sein und darf nach diesen Fehlentscheidungen keinesfalls dazu führen, zur Tagesordnung zurückzukehren.

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"Es ist für den Schiedsrichter ein unglaublich schwieriges Derby gewesen, mit vielen schwierigen Situationen, von denen er ja auch relativ viele richtig gelöst hat", so Lutz Michael Fröhlich im DSF-Doppelpass.

Im Umkehrschluss heißt das nichts anderes, als dass Wagner auch relativ viele Situationen falsch bewertet hat.

So erfreulich es ist, dass die Schiedsrichter-Verantwortlichen erstmals einen der Ihren öffentlich kritisieren, so weit ist der Weg, der noch zu gehen ist, bis Unparteiische endlich zu ihren Fehlern Stellung nehmen müssen und Konsequenzen zu fürchten haben.

"Aus unserer Sicht ist es viel wichtiger, dass man erkennt, dass es keine glückliche Spielleitung war, dass man mit dem Schiedsrichter offen und ehrlich aufarbeitet, an welchen Stellen in der Spielleitung Fehler gemacht wurden", so der Leiter der Abteilung Schiedsrichter beim DFB.

Wichtiger als was? Woche für Woche geht es um mehr als Tore und Punkte. Es geht um die Teilnahme im internationalen Geschäft, um Kampf gegen den Abstieg - mit anderen Worten: um viel Geld für die Vereine.

Wagner ist seit 1994 in der Bundesliga aktiv. Offensichtlich war den Verantwortlichen klar, dass er trotz seiner Erfahrung "heißen" Spielen nicht gewachsen ist. Warum sonst hat es 14 Jahre gedauert, bevor man ihn für erstmals für das Ruhrpott-Derby angesetzt hat? Ein Fehler, wie sich zeigte.

Der Schiedsrichter hatte weiche Knie: Angst, gegen Rafinha einen weiteren berechtigten Feldverweis auszusprechen, Angst, die fällige Nachspielzeit spielen zu lassen, Angst vor der Kulisse von 80.000 Zuschauern...

Das gab auch Fröhlich im DSF zu, als er auf die nicht nur von BVB-Trainer Jürgen Klopp vermisste Nachspielzeit angesprochen wurde. Wagner sei wohl froh gewesen, dass die Partie zu Ende war.

Da ist es zu wenig, die Fehler offen und ehrlich aufzuarbeiten. Der DFB kann es sich nicht erlauben, einen Schiedsrichter mit durchzuziehen, der der nervlichen Belastung eines "schwierigen Derbys" nicht gewachsen ist, denn es gibt keine "leichten" Spiele im Millionenspiel Fußball.

Auch für Schiedsrichter geht es um viel Geld, das sie neben ihrem Beruf einstreichen. Aber das darf Wagner nicht dazu bewegen, auf Gedeih und Verderb an seinem Posten festzuhalten.

Wagner sollte die Konsequenz aus seiner Leistung ziehen und die Pfeife an den Nagel hängen. Zeigt er die Einsicht nicht, dann sollte der DFB eine lange Denkpause verhängen, denn die Ansetzung Wagners dürfte derzeit keinem Team vermittelbar sein.

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