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Peer Kluge (l.) spielte von 2001 bis 2007 für Borussia Mönchengladbach © imago

Ausgerechnet Peer Kluge: Der Ex-Gladbacher schießt Nürnberg zum Sieg. Die Franken feiern, Gladbach fühlt sich veräppelt.

Nürnberg - Abgekämpft, blaues Auge, dicker Knöchel - Peer Kluge sah auf den ersten Blick nicht wie ein Gewinner aus.

Doch das breite Lächeln im Gesicht des Mittelfeldarbeiters verriet, wie es wirklich um sein Seelenleben bestellt war:

Der 28-Jährige hatte dem Bundesliga-Aufsteiger 1. FC Nürnberg mit seinem Tor beim 1:0 (1:0) gegen Borussia Mönchengladbach im fünften Spiel endlich den ersten Sieg beschert - und den Club aus der Abstiegszone befreit.

"Das war extrem wichtig für uns, aber auch ein komisches Gefühl für mich", sagte "unser Matchwinner", wie er von seinen Teamkollegen jetzt nur noch genannt wurde, nach dem Erfolg.

Tor gegen den Ex-Klub

Wichtig, weil sie in Franken schon zweifelten, ob sie mit der jungen Mannschaft das Ziel Klassenverbleib überhaupt erreichen können.

Komisch, weil Kluge das Tor (6.) gegen seinen Ex-Klub erzielte, wo er sechs Jahre spielte.

Komisch aber auch, weil Kluge das Gefühl des ersten Sieges gar nicht richtig auskosten konnte.

Wegen eines Schlages auf den hernach blauen rechten Knöchel musste er kurz nach der Pause raus.

"Ein reiner Zittersieg"

"Und weil es so spannend war, bin ich in der Kabine geblieben. Das konnte ich nicht mit ansehen, ein reiner Zittersieg", sagte er.

Kluge entging, dass Nürnberg trotz mäßiger Leistung gegen einen ebenfalls unterdurchschnittlichen Gegner einen höheren Sieg vergab.

Was vor allem am eingewechselten Angelos Charisteas lag, der erneut zwei große Chancen ausließ.

"Er muss solche Chancen auch mal nutzen, er hätte das Spiel im Alleingang entscheiden können", sagte Coach Michael Oenning.

Oenning skeptisch vor Bayern-Derby

Trotz des ersten Heimsieges im Oberhaus seit dem 7. Mai 2008 war der Trainer nur mäßig zufrieden.

"Wir haben uns zu weit hinten reindrängen lassen, immer wieder den Faden verloren. Ich bin sehr glücklich über den Sieg, aber ob das am nächsten Samstag gegen die Bayern reicht...", sagte er.

Kapitän Andreas Wolf, der wie gegen die Borussia auch noch in München gesperrt fehlen wird, sah indes etwas zuversichtlicher in die Zukunft.

"So kann man es schaffen", sagte der Spielführer über das Ziel Klassenerhalt.

"Es kann eine Überraschung geben"

Und Manager Martin Bader behauptete sogar: "Es kann in München auch eine kleine Überraschung geben."

Zumal "Krieger" Kluge dann wieder mitwirken will. "Es schmerzt, aber es ist nicht so schlimm", sagte er über seinen Knöchel.

"Zwei, drei Tage Pause" benötige er nur. "Typisch Peer Kluge", meinte Oenning, "er ist sehr hart gegen sich selbst."

Deshalb soll auch Kluges Auge, an dem er sich vor dem Spiel im Training verletzt hatte, bis zum Derby in München wieder klar sehen.

Lahmende FCN-Offensive

Jedoch muss sich dort besonders der Club-Angriff steigern.

Die Hamburger Leihgabe Eric-Maxim Choupo-Moting gab gegen Gladbach nach seiner Einwechslung (63.) ein ordentliches Debüt, betonte aber: "Bei uns Stürmern ist der Wurm drin."

Gladbach fühlt sich veräppelt

Das galt vor 46.780 Zuschauer im ausverkauften FCN-Stadion auch für den Borussen-"Angriff".

Trotz dessen Harmlosigkeit wähnten sich die Fohlen "in allen Belangen überlegen", wie Manager Max Eberl meinte, und von Schiedsrichter Peter Gagelmann (Bremen) um zwei Elfmeter - und so um den möglichen Sieg - betrogen.

Tatsächlich wurde Gladbach nach dem besten Start seit 22 Jahren wieder auf Normalmaß zurückgestutzt.

Aber Trainer Michael Frontzeck wollte "keinen Rückschlag" erkennen. "Mit Hoffenheim wartet jetzt eine sehr gute, sehr spielstarke Mannschaft. Aber wenn wir an die Leistung anknüpfen und vielleicht noch eine Schippe drauflegen, ist da sicher was drin", behauptete er.

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