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Franck Ribery hat noch bis 2011 einen Vertrag in München © getty

Die Münchner genießen nach dem Sieg über Dortmund das neue Selbstvertrauen. Ribery und van Gaal sind ein Herz und eine Seele.

Von Mathias Frohnapfel

München - Franck Ribery legte einen Spurt über 50 Meter hin.

Das Ziel des Franzosen war aber kein weitgeschlagener Ball, sondern Trainer Louis van Gaal.

Und der bekam eine ganz große Portion Herzlichkeit ab. Ribery sprang mit Anlauf dem Coach in die Arme, herzte und drückte ihn. Die herbeigeeilten Mitspieler feierten mit.

Denn mit einem herrlichen Freistoß zum 3:1 hatte der Mittelfeldzauberer in Dortmund alles klar gemacht. Dass der FC Bayern den BVB 5:1 besiegte, war mit sein Verdienst.

Zuerst flogen Giftpfeile

Dabei gab es zuletzt einige Sätze zu lesen, die eher dafür sprachen, dass Ribery und sein Chef künftig größtmöglichen Sicherheitsabstand einhalten würden.

Das Training unter van Gaal würde keinen Spaß bringen, hatte der 26-Jährige in der "Equipe" gemault.

Und hinzugefügt: "Das ist das erste Mal, dass mein Kontakt zu einem Trainer nicht positiv ist".

Van Gaal hatte Ribery seinerseits gegen Mainz nicht eingesezt. Ob der verletzt war oder nicht, dazu gab es unterschiedliche Ansichten.

Star muss auf die Bank

Nun ja, dieser Zwist schien am Samstag im Signal-Iduna-Park einer anderen Zeit anzugehören.

Auch dass van Gaal den Edeltechniker 45 Minuten auf der Bank ließ, schien vergessen.

Ebenso wie der schwache Beginn des FCB. Denn die ersten 30 Minuten gegen Dortmund erinnerten verdächtig an die ersten drei glanzlosen Liga-Partien der Roten.

Bis zur 29. Minute hatten die Münchner keine einzige Torchance.

Die Borussen entwickelten stattdessen enormen Druck, die Münchner Abwehr lief mehr als einmal wild durcheinander und auch Arjen Robben konnte in der FCB-Offensive wenig ausrichten.

"Er liebt diesen Trainer"

Die Hälfte zwei gehörte dann aber dem eingewechselten Ribery und Thomas Müller , dem ein Doppelpack glückte.

Die Bayern sprangen damit auf Platz vier der Tabelle (DATENCENTER: Bundesliga).

"Franck hat heute gezeigt, dass er diesen Trainer liebt", erklärte Louis van Gaal.

Seine einzige Kritik war denn auch mit einem Augenzwinkern versehen. "Es war schwierig stehenzubleiben", kommentierte van Gaal die Jubel-Attacke des Franzosen.

Ribery will sich "wieder Selbstvertrauen erarbeiten"

Ribery selbst berichtet, dass man eben "etwas Zeit" brauche, um sich aneinander zu gewöhnen. Probleme? "Nein!", so der Franzose.

Riberys Nahziel lautet jetzt, "mir Stück für Stück mein Selbstvertrauen wieder zu erarbeiten". Die nächste Gelegenheit bietet sich dafür beim Champions-League-Spiel am Dienstag in Haifa.

Mut machen dürfte den Münchnern auch, dass die Umstellung zum 4-3-3-System immer besser funktioniert.

"Schweini" lobt neues System

"Es sieht so aus, als ob wir uns damit ganz wohl fühlen", berichtete Torschütze Bastian Schweinsteiger.

"Wir haben die Spieler dazu - auch dank Arjen Robben. Natürlich werden sich aber die Gegner auch darauf einstellen."

Die Jubelszene zwischen Ribery und van Gaal hatte Schweini übrigens aus ganz eigener Perspektive gesehen. "Das sah lustig aus - ein Zwerg auf einem großen Trainer."

Die Dortmunder ärgerten sich derweil darüber, dass sie nach der Führung durch Mats Hummels so dramatisch eingebrochen sind.

"Das lässt sich schlecht erklären. Wir haben ja eine richtig gute erste Halbzeit hingelegt, den FC Bayern richtig unter Druck gesetzt", meinte Hummels.

Dortmunder deprimiert

Für die Bayern war es der höchste Sieg in Dortmund überhaupt. Hummels erkannte ein psychologisches Problem.

"Wir müssen das in den Kopf kriegen", forderte der Ex-Münchner, "dass wir so wie zu Beginn 90 Minuten spielen können."

Auch sein Trainer Jürgen Klopp versuchte, das Positive zu betonen.

"Die erste Halbzeit war sehr ordentlich. Wir haben jedoch aus unserer Vielzahl von Balleroberungen und gewonnenen Zweikämpfen nicht genügend Kapital geschlagen."

Rummenigge: "Wir sind hochzufrieden"

Die Bayern genossen indes den Kantersieg.

"Dafür hat die Mannschaft in der zweiten Halbzeit unglaublich gut und auch kraftvoll gespielt. Wir sind hochzufrieden", sagte FCB-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

Auch weil sich seine beiden Angestellten van Gaal und Ribery ja nun wieder lieb haben.

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