Udo Lattek beleuchtet in seiner Sport1.de-Kolumne die brenzligen Szenen des Spieltags. Lob gibt es für Ribery und Heynckes.

Hallo Fußball-Freunde,

es war eine spektakuläre Szene: Wolfsburgs Torwart Diego Benaglio stürmt in vollem Tempo heraus und erwischt den Leverkusener Angreifer Eren Derdiyok. Der stürzt und windet sich. Benaglio spielt das Unschuldslamm.

Für mich war das ganz klar eine Rote Karte. Aber nur auf den ersten Blick.

Ich musste mir erst zig Wiederholungen ansehen, um festzustellen, dass Schiedsrichter Dr. Felix wohl besser doch keinen Platzverweis ausgesprochen hätte.

Also bitte: Lassen wir doch die Schiris in Ruhe, die haben das schwierigste Amt überhaupt. Ich möchte nicht mit ihnen tauschen.

Eindeutig war hingegen die Schmuse-Attacke von Franck Ribery auf Louis van Gaal.

Der Sprung in die Arme des Trainers war ein Zeichen. Ribery sagt damit: Ich will! Er bekennt sich endlich zum FC Bayern.

Und van Gaal hat sich offenbar auch richtig gefreut. Wie man das jetzt langfristig bewerten soll, kann ich nicht sagen.

Fest steht: Ribery tut München gut. Ich habe immer das Gefühl, sobald Ribery auf dem Platz ist, weht ein ganz anderer Wind in der Mannschaft.

Die Bayern spielen dann anders, viel freier. Denn der Dribbel-König übernimmt auch Verantwortung - dann läuft es einfach.

Von einem Lauf kann ich bei Borussia Dortmund dagegen nicht sprechen. Der BVB hat zu viele Baustellen innerhalb des Teams.

Ich bin eigentlich ein Fan von Roman Weidenfeller, aber gegen Bayern hätte er ein paar Bälle halten müssen. Und seine Unsicherheit überträgt sich dann auch in die Abwehr.

Aber auch im Mittelfeld und Sturm herrscht keine Harmonie. Wenn das Spiel gegen Bayern der Leistungsmaßstab der Dortmunder Mannschaft ist, dann hat sie keine große Saison vor sich.

Der Hamburger SV aber schon. Bruno Labbadia steht mit seiner Elf momentan nicht umsonst an der Spitze der Liga.

Ich war angenehm überrascht über die Sicherheit und die Coolness, die der HSV gegen Stuttgart an den Tag gelegt hat.

Dabei haben es die Hamburger sehr schwer gehabt, da der VfB am Anfang doch sehr diszipliniert gespielt hat.

Aber der HSV ist in keiner Sekunde nervös geworden und hat nach dem 1:0 auch noch wesentlich besser gespielt.

Genauso abgezockt wie die Hanseaten wirkt auf mich auch Jupp Heynckes. Was er in Leverkusen leistet, ist ganz hervorragend.

Er war häufig sehr verbissen. Doch diese Eigenschaft rückt jetzt langsam in den Hintergrund.

Ich glaube, bei ihm ist die Weisheit des Alters eingekehrt. Er ist viel entspannter und durch seinen Aufenthalt in Spanien hat er auch dazu gelernt.

Mit diesem Coach kann Bayer einiges erreichen. Ob es für ganz oben reicht, wird sich vielleicht schon am kommenden Wochenende zeigen, wenn Leverkusen Werder Bremen empfängt.

Ich werde dann wieder genau hinsehen. Darauf könnt Ihr Euch verlassen.

Bis nächste Woche!

Euer Udo Lattek

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