Beim Sieg gegen Köln setzt Schalke-Coach Felix Magath auf die Jugend. Rafinha gibt er Zeit. Streit müsse Beleidigungen aushalten.

Gelsenkirchen - Felix Magath macht aus der Not eine Tugend.

Der Trainer und Manager von Schalke 04 setzt mehr oder weniger gezwungenermaßen auf die Jugend.

Und das hart erkämpfte 2:1 (1:1) beim Tabellenletzten 1. FC Köln und der damit verbundene Sprung auf Rang drei gaben dem 56-Jährigen Recht.

Mit Benedikt Höwedes, Vasileios Pliatsikas (beide 21 Jahre), Carlos Zambrano (20), Christoph Moritz (19) und Levan Kenia (18) standen zu Beginn vier Junioren auf dem Platz, später kamen noch Lewis Holtby (18) und Jan Moravek (19) dazu.

"Können mehr laufen"

"Wir sind eine junge Mannschaft, aber dafür können wir mehr laufen als die, die mehr Erfahrung haben", meinte Moritz.

Auch für Magaths Tänze an der Seitenlinie zeigte er Verständnis: "Auf dem Trainer lastet viel Druck. Wir können das auf dem Platz in Zweikämpfen rauslassen, er muss das anders machen."

So erklärte auch der Chefcoach seine Wutanfälle. "Man muss mit den Armen und Füßen arbeiten und schreien, damit man auch gehört wird", sagte Magath.

"Ich war nervös. Aber ich knabbere keine Fingernägel. Ich schreie es raus. Ich scharre und kratze und haue gegen die Trainerbank."

Goldenes Händchen mit Asamoah

Am Ende ging die Rechnung voll auf. Und auch mit Gerald Asamoah, der für Kevin Kuranyi in die Startelf rückte, bewies Magath ein glückliches Händchen.

Der "Oldie" bedankte sich mit der Vorlage zum 1:0 durch Jefferson Farfan (2.).

"Bei mir kriegt jeder eine Chance. Wenn er im Training etwas anbietet, bekommt er Pluspunkte", sagte der Trainer, der sich "zufrieden" mit "zehn Punkten" und dem "aufopferungsvollen" Einsatz seines Teams zeigte.

Lewan Kobiaschwilis Tor (46.) nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich von Lukas Podolski (6.) reichte zum dritten Saisonsieg.

Rafinha im Sonderurlaub

Seine Chance wird auch Rafinha bekommen, dessen Sonderurlaub bis Mittwoch verlängert worden war.

Der Brasilianer will sich von seinen Beratern trennen, weil die ihm laut Magath "Flöhe" in den Kopf gesetzt haben.

Magath verfolgt in diesem Fall offenbar eine Doppelstrategie - das Team kurzfristig sportlich verstärken, um dann mittelfristig ein dickes Pfund in der Hand zu haben.

Denn Schalke ist klamm, Geld für Transfers ist nicht da.

"Ich habe ihm gesagt, er soll sich hier reinhängen. Denn, es gibt in der Bundesliga keinen besseren Rechtverteidiger", erklärte der Meistertrainer des VfL Wolfsburg.

"Wenn er gut spielt, dann wird sich Bayern München vielleicht auch wieder erinnern und melden. Oder Barcelona."

Und weiter: "Man muss da auch die Realitäten sehen und im Interesse des Vereins handeln. Einen Spieler wie Rafinha kann man nicht fesseln. Wenn einer mit fünf Millionen Euro ankommt, brauchen wir nicht zu reden."

Jones droht erneut Operation

Verzichten muss Magath schon jetzt auf Jermaine Jones - und das vielleicht noch länger als geplant. Bis Mitte der Woche soll entschieden werden, ob beim Mittelfeldspieler ein neuer Eingriff am linken Schienbein vorgenommen muss.

Bereits zweimal musste Jones sein Comeback verschieben, nachdem er Ende Juni einen Haarriss erlitten hatte und operiert worden war.

Kein Mitleid mit Streit

Freiwillig verzichtet Magath dagegen auf Albert Streit - und hat offenkundig auch kein Mitleid mit den Verbalattacken einiger Anhänger gegen den Mittelfeldspieler.

"Wenn die Fans auf der Tribüne singen, kann man das nicht verhindern. Sie wollen ja auch nicht zensiert werden", meinte der Trainer nach dem Spiel in Köln zu den Journalisten,

Am Wochenende hatte es beim Spiel der Schalker Reserve erneut Beleidigungen wie "Arschloch" und "Hurensohn" gegen Streit gegeben.

"Das muss der Spieler aushalten", sagte Magath.

Eine Woche zuvor war Streit im Heimspiel gegen Waldhof Mannheim nicht nur beschimpft, sondern auch bespuckt worden.

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