vergrößernverkleinern
Junge Spieler wie Eljero Elia , Marcus Begr und Dennis Aogo (v.l.) glänzen beim HSV © imago

Noch nie ist der HSV besser in eine Saison gestartet. Auch Personalsorgen und böse Erinnerungen können die Freude nicht trüben.

Von Thorsten Mesch und Jürgen Blöhs

München - Fünf Spiele, 13 Punkte, 15:6 Tore: Noch nie ist der Hamburger SV besser in eine Saison gestartet.

Nach dem 3:1 gegen den VfB Stuttgart wurden die Rothosen noch eine Viertelstunde nach dem Abpfiff enthusiastisch gefeiert - und liefen angesichts des freudigen Anlasses sogar eine Ehrenrunde.

Zum 100. Mal steht der HSV, als einziger Verein seit Beginn der Gründung der Bundesliga im Jahr 1963 durchgehend im Oberhaus vertreten, auf Platz eins. (Datencenter: Ergebnisse und Tabelle)

Absturz in der Vorsaison

"Wir sind da, wo wir hinwollten", sagte Dennis Aogo zu Sport1.de, schob aber sofort nach: "Vom Titel zu reden ist noch viel zu früh."

Wer sich an die vergangene Spielzeit erinnert, der weiß, dass ein erster Platz beim HSV nichts heißen muss.

Fünf Mal standen die Hamburger an der Spitze, zuletzt am 21. Spieltag, rutschten aber noch auf Platz fünf ab.

"Mit unserem zu dünn besetzten Kader haben uns am Ende entscheidende Prozentpunkte gefehlt", blickte Kapitän David Jarolim auf die Vorsaison zurück.

Damals konnten Abgänge von Stammspielern wie Rafael van der Vaart oder Nigel de Jong und Verletzungen anderer Leistungsträger nicht kompensiert werden.

"Haben eine viel stärkere Bank"

Am Sonntag waren mit Marcell Jansen, Collin Benjamin, Paulo Guerrero, und Alex Silva waren gegen Stuttgart wieder vier potenzielle Stammspieler nicht dabei.

Doch das tat der Qualität des HSV-Spiels keinen Abbruch. "Wir haben in dieser Saison eine viel stärkere Bank. Darin liegt unser Vorteil", erklärte der 22-jährige Aogo, der mehr als nur ein Ersatz für Jansen war und längst zur festen Größe im HSV-Team geworden ist.

Labbadia schwant Böses

Wann Jansen und Benjamin wieder fit sein werden, steht noch nicht fest. Innenverteidiger Bastian Reinhardt fehlt mit seinem Mittelfußbruch noch monatelang, Alex Silva und Guerrero sind mit ihren Kreuzbandrissen ebenfalls langfristig außer Gefecht gesetzt.

"Noch mehr Ausfälle können wir nicht verkraften. Vielleicht macht der Verein ja noch etwas", meinte Mladen Petric daher.

"Unsere Ausfälle sind gravierend, wenn man sie auf Dauer sieht", wies auch Trainer Bruno Labbadia auf den Ernst der Lage hin. "Der Kader wird immer kleiner, es fehlt uns an der Breite."

Guerreros Verletzung, die er sich vergangene Woche in der peruanischen Nationalmannschaft zugezogen hatte, ist der Grund dafür, dass die Norddeutschen über die Nachverpflichtung eines Stürmers nachdenken.

Smolarek und andere namhafte Kandidaten im Blickfeld

Der ehemalige Dortmunder Ebi Smolarek steht anscheinend im Mittelpunkt der Überlegungen. Der polnische Nationalspieler hat seinen Vertrag bei den Bolton Wanderers aufgelöst und ist seitdem ohne Verein.

"Das wäre für beide Seiten eine tolle Sache", sagt der frühere HSV-Trainer Thomas Doll, der Smolarek aus gemeinsamen Dortmunder Zeiten kennt, der "Welt": "Ebi ist kaltschnäuzig und abgezockt vor dem Tor."

Als weitere Kandidaten nennt das "Hamburger Abendblatt" so hochkarätige Namen wie den Italiener Christian Vieri (zuletzt Bergamo), den Senegalesen Henri Camara (zuletzt Wigan), den Australier Mark Viduka (zuletzt Newcastle), den Franzose Sylvain Wiltord (zuletzt Marseille) und sogar den ehemaligen Dortmunder Marcio Amoroso.

Gegen Wien mit Petric und Berg

Im ersten Gruppenspiel in der Europa League beim österreichischen Vizemeister Rapid Wien (Do., ab 18.30 LIVE) vertraut Labbadia aber im Sturm wie gegen Stuttgart auf Petric und den 23-jährigen Marcus Berg.

Vereinslose Spieler wie Smolarek könnten jederzeit verpflichtet werden, doch die Hamburger zögern. "Ein Transfer ist momentan schwierig, da der Spieler im europäischen Wettbewerb nicht spielberechtigt wäre", gab Labbadia zudem zu Bedenken. Zudem hat der HSV vor der Saison schon mehr als 25 Millionen für Transfers ausgegeben.

Wohl auch deshalb sagt Labbadia: "Wir werden uns das gut überlegen, da die Situation auch eine Chance für unsere Jungen bedeutet."

Vergesslicher Elia

Diese hat Super-Talent Eljero Elia schon beim Schopf gepackt. Der niederländische Mittelfeldspieler war gegen Stuttgart nicht nur wegen seines Treffers bester Mann auf dem Platz.

Der ehemalige HSV-Coach und Huub Stevens wollte Elia einst nach Kerkrade lotsen und schwärmt von dem 22-Jährigen. "Elia ist so gut wie Robben", meint Stevens in seiner Sport1.de-Kolumne.

"Wir halten alle zusammen", erklärte Elia danach.

Den schriftlichen Beweis blieb er allerdings schuldig. Das eigens vorbereitet T-Shirt mit der Aufschrift "God bless Benjanin, Alex Silva and Guerrero" vergaß Elia in der Kabine.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel