vergrößernverkleinern
Offensiv-Allrounder Thomas Müller erzielte bereits vier Saisontreffer © imago

Champions League, Stammplatz beim FC Bayern, Tore: Momentan lebt der Shootingstar den Traum eines jeden Nachwuchskickers.

Vom FC Bayern berichtet Daniel Rathjen

München - Er erschien als erster Profi zum Bankett um kurz vor ein Uhr nachts.

Und Thomas Müller erntete Applaus beim Betreten des Ballsaals des Hilton-Hotels in Tel Aviv.

Dann verdrehte er aber die Augen. "Da mach' ich schon mal zwei Tore, und dann hast du das nicht drauf, Mann!", raunte er Max Reckers zu.

Der Video-Analyst des FC Bayern hatte die späten Treffer des Youngsters beim 3:0 (0:0) zum Champions-League-Auftakt bei Maccabi Haifa verpasst 152409(Die Bilder des Spiels).

Die Verantwortlichen wussten, wem sie für den "Auftakt nach Maß" (Manager Uli Hoeneß) und Rang eins in der Vorrundengruppe A (Statistik: Gruppe A) danken mussten.

Nicht Arjen Robben, nicht Franck Ribery, nicht Mario Gomez waren in aller Munde, sondern der aufstrebende Offensivallrounder. Er wird immer wertvoller.

"Wir haben viele sehr gute Spieler, aber der junge Müller ist für uns alle die größte Überraschung", schwärmte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge.

Hoeneß lobte vor allem die "gute Schusstechnik" und das "tolle Auge" des erst seit Sonntag 20-Jährigen, der am Tag vor seinem Geburtstag beim 5:1 in Dortmund ebenfalls zweimal getroffen hatte.

Hoeneß bremst Euphorie

"Aber ich werde ihn nicht zu hoch loben, das hat man schon bei Michael Rensing und Toni Kroos gemacht - und wo sind die jetzt?", fügte Hoeneß fragend an.

"Es macht einfach Spaß", meinte Shootingstar Müller, den van Gaal als "meinen besten Spieler" sah.

In der Heimat verfolgen die ehemaligen Vereinskollegen vom TSV Pähl den Werdegang ihres Schützlings ganz genau.

"Der Klub ist stolz auf ihn. Er ist ein begnadeter Fußballer und ein ganz normaler Junge geblieben", beschreibt Vorstandsmitglied Robert Wandel, der Müller auch privat kennt, im Gespräch mit Sport1.de.

Müllers Besuche im Dorf, gelegen zwischen Ammer- und Starnberger See, werden seltener. Doch regelmäßigen Kontakt pflegt er noch.

Im Jahr 2000 wechselte er in Bayerns D-Jugend. Bei einem Turnier hatte das "Bömberchen der Nation" die Späher des Rekordmeisters auf sich aufmerksam gemacht.

Vollends überzeugt waren die, als er damals beim Torwandschießen fünf von sechs Versuchen versenkte.

Es ist eine von vielen Anekdoten, die sich die Fußballer in Pähl gerne erzählen. Auch dass Müller in der E-Jugend allein 130 Tore zu insgesamt 165 Treffern in der Saison 1997/98 beisteuerte, lässt die Zeugen noch mit der Zunge schnalzen.

"Gott gab ihm Talent"

"Der liebe Gott hat ihn mit reichlich Talent gesegnet. Er hat das Zeug, es zu packen", urteilt Hermann Gerland, ehemaliger Trainer der Bayern-Reserve und derzeitiger Co-Trainer von Louis van Gaal.

Sein Debüt in der Bundesliga feierte Müller in der vergangenen Saison unter Jürgen Klinsmann. Insgesamt kam er zu vier Kurzeinsätzen. In seinem ersten Champions-League-Spiel, dem 7:1 im Achtelfinale gegen Sporting Lissabon, sorgte er für den Endstand.

Doch trotz des furiosen Starts seiner Karriere arbeitet Müller, der einen Profivertrag bis 2011 besitzt, weiter hart an sich.

"Thomas ist ein Anspielpunkt, aber er kann auch Tore machen", sagt van Gaal. Er ist bekannt dafür, Talenten eine Chance zu geben und sie zu fördern. "Ich bringe junge Spieler rein, und wenn sie das gut machen, dann können sie weitergehen."

Gegen Nürnberg gesetzt

Müller macht es momentan sehr gut. "Ich habe schon das Gefühl, gleichwertig zu sein", betont er in Richtung der Konkurrenz.

"Der Trainer schaut nur auf die Leistung, egal wie alt man ist. Er gibt jedem eine Chance."

Dass er schon jetzt quasi beim nächsten Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg einen Stammplatz sicher hat (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen), überrascht jedoch auch ihn: "Von solch einem steilen Aufstieg war nicht auszugehen", gibt er ehrlich zu.

Und wenn er weiter Tore am Fließband produziert, wird auch Bundestrainer Joachim Löw nicht an ihm vorbeisehen können.

Auf dem Sprung zu Löw

Ex-Bayern-Leitwolf Stefan Effenberg plädiert bereits jetzt dafür, Müller eine Chance zu geben.

"Podolski und Cacau sind ja nun wirklich nicht unumstößlich", schreibt er in seiner Kolumne für den "Stern".

"Ein bisschen mehr Mut bei Löw wäre da schon wünschenswert. Wenn also Thomas Müller weiter so überzeugend auftritt, hat er auch eine Chance in der Nationalmannschaft verdient", sagt "Effe".

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel