In der Partie gegen seinen Ex-Klub VfL Wolfsburg muss Schalke-Trainer Felix Magath erneut vor allem auf junge Talente setzen.

Von Thorsten Mesch

München - Als Felix Magath im Mai mit Wolfsburg die Meisterschaft feierte, war seine Mannschaft die drittjüngste der Bundesliga.

"Er war der Papa des VfL", sagt Stürmer Edin Dzeko über seinen ehemaligen Coach, der in der Branche jedoch eher als "Quälix" und "harter Hund" bekannt ist, und weniger als Vaterfigur.

"Ich bin kein angenehmer Papa für die Spieler, aber ich sorge mich um sie und ihre Entwicklung", erklärt Magath in der "Sport Bild".

Mit Rasselbande gegen den Ex-Klub

Seit Juli ist Magath Trainer des FC Schalke, und wenn sein neuer Verein am Freitagabend (ab 20 Uhr LIVE) auf seinen alten Klub trifft, wird "Papa Felix" wieder eine junge Rasselbande auf den Rasen schicken.

Beim 2:1-Sieg in Köln standen am vergangenen Samstag mit Levan Kenia, Christoph Moritz und Carlos Zambrano drei Spieler in der Schalker Startelf, die zusammen gerade einmal auf 57 Jahre kommen.

Magath will kein Lamentieren

Magath ist 56. Theoretisch könnte er sogar der Großvater seiner jungen Garde sein. Doch wie ein Opa benimmt sich der Erfolgstrainer nicht, wenn er wild gestikulierend und laut rufend vor seiner Trainerbank herumspringt und seine Jungs zusammenstaucht.

"Keiner soll jammern oder lamentieren, sondern anpacken", sagt der Coach, der damit beim Arbeiterklub Schalke anscheinend genau den richtigen Ton trifft.

Nicht nur für seine jungen Spieler, sondern auch für den Anhang ist Magath bereits nach kurzer Zeit eine Art Identifikationsfigur geworden.

Magath als Identifikationsfigur

"Die Fans haben in den letzten Jahren das Vertrauen in den Klub und die Verantwortlichen verloren. Das müssen wir wieder aufbauen", sagt Magath.

"Der Papa wird's schon richten, der Papa macht's schon gut", sang einst Peter Alexander. "Der Papa der macht alles, was sonst keiner gerne tut."

Auf Magath scheint der Schlagertext zuzutreffen. Denn lange wurde in Gelsenkirchen nur geredet, seit Magaths Ankunft wird auch wieder etwas getan.

Jungspunde statt "Altlasten"

"Altlasten" wie Orlando Engelaar, Carlos Grossmüller oder Albert Streit wurden verkauft, ausgeliehen oder aussortiert, Jungspunde wie Kenia (18), Moritz (19), Zambrano (20), Jan Morawek (19) oder Lewis Holtby (wird am Samstag 19) ins Team integriert.

Aus der Not heraus: Verbindlichkeiten von 137 Millionen Euro sind eine schwere Last für die "Knappen".

Viel Geld für teure Einkäufe hatten und haben die Königsblauen nicht.

Wenig Geld für Neue

Für Holtby soll Schalke zwischen zwei und drei Millionen an Aachen bezahlt haben, Morawek kam für etwa 1,5 Millionen aus Prag, Vasilis Pliatsikas (21) kam von AEK Athen und kostete nur 400.000 Euro.

Alle sind Investitionen in die Zukunft und könnten zusammen mit den Schalker Eigengewächsen Manuel Neuer (23) und Benedikt Höwedes (21) das Gerüst einer Mannschaft bilden, mit denen sich der Anhang identifizieren kann.

Magath lobt seine Rasselbande jedenfalls in den höchsten Tönen:

"Fakt ist: Sie alle haben die Möglichkeit, sich zu Spitzenspielern zu entwickeln", sagte der Coach dem "kicker".

Pfiffe gegen Rafinha

Einen schweren Stand bei den Fans hatte zuletzt Rafinha. Als während des Spiels gegen Freiburg das Gerücht im Stadion die Runde machte, Rafinha gehe zum FC Bayern, wurde der Brasilianer gnadenlos ausgepfiffen.

Magath gab dem 24-Jährigen Sonderurlaub, um den Kopf frei zu bekommen. Als Rafinha dann zu spät aus seiner Heimat zurückkehrte, verzichtete "Papa Felix" nicht nur auf eine Bestrafung, sondern verlängerte Rafinhas Urlaub.

In Köln fehlte der Rechtsverteidiger noch, gegen Wolfsburg ist er wieder einsatzbereit. Wie lange Rafinha noch für Schalke spielen wird, steht in den Sternen - und ist wohl nur eine Frage der Ablöse.

Wann geht Rafinha?

Bei 35 Millionen könne er schwach werden, deutete Magath an. Doch tatsächlich dürfte er einen Transfer wohl schon bei einer wesentlich geringeren Summe abnicken.

Benedikt Höwedes kann schließlich ebenso auf der rechten Abwehrseite spielen wie Heiko Westermann, der mit seinen 26 Jahren unter all den Youngstern fast schon ein "alter Sack" ist.

Dennoch wehrt sich Magath dagegen, dass er den Brasilianer ins Schaufenster stellt:

"Nein!" sagt Magath zu dem Vorwurf. "Ich wollte nur deutlich machen, warum auch ein Spieler, der an einen Wechsel denkt, top-motiviert sein kann."

Schalke derzeit auf Rang drei

Mit seinen Nachwuchstalenten steht Felix Magath mit Schalke 04 nach fünf Spieltagen auf Platz drei. Mit einem Sieg gegen Wolfsburg könnten die Königsblauen sogar mit Tabellenführer Hamburg nach Punkten gleichziehen.

Ob es für Schalke am Ende für einen Platz im Europacup reichen wird, der für den Verein finanziell enorm wichtig wäre, bleibt abzuwarten.

Dies gibt auch Magath zu: "Sicherlich müssten wir beim erneuten Verpassen des internationalen Geschäfts erst recht die Personalkosten senken", so Magath.

"Da aber eine Reihe von Verträgen ausläuft, hätten wir dazu aber ohnehin die Möglichkeit."

So oder so: Auf "Papa Felix wartet noch eine Menge Arbeit."

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