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Mohamed Zidan erzielte in 80 Bundesliga-Spielen 27 Tore © imago

Nach dem heftigen Pfeifkonzert gegen Zidan beim Derby, nimmt Dortmund den Angreifer in Schutz - nicht aus reiner Nächstenliebe.

Von Martin Hoffmann

München - Er war der einzige Verlierer eines Unentschiedens, das sich wie ein Sieg für sein Team anfühlte.

Der Dortmunder Stürmer Mohamed Zidan hatte keinen Grund zum Jubeln, nachdem sich sein Team trotz 0:3-Rückstand im Derby gegen Schalke noch ein 3:3 erkämpft hatte.

Denn kurz bevor der BVB seine tolle Aufholjagd startete, war Zidan nach einem desorientierten Auftritt ausgewechselt worden - unter einem ohrenbetäubenden Pfeifkonzert der eigenen Fans.

Der ägyptische Neuzugang wurde zum Frustventil für die bis dahin arg gebeutelten BVB-Zuschauer - bekommt nun aber Rückendeckung allerorten.

"Völlig überzogen"

Ob Trainer, Sportdirektor, Presse- und Fansprecher: Alle nahmen den Angreifer vor dem eigenen Anhang in Schutz.

"Wir können es uns nicht erlauben, zu früh die Geduld zu verlieren", mahnte Sportdirektor Michael Zorc: "Zidan braucht das Publikum. Er braucht die Unterstützung. Irgendwann zahlt er das zurück."

Auch Trainer Jürgen Klopp kritisierte die Hassreaktionen auf Zidan als "völlig überzogen".

Offener Brief aus der Fanabteilung

Die Dortmunder Fanabteilung ging sogar so weit, einen offenen Brief an den BVB-Anhang zu schreiben.

Die Erklärung mit dem Titel "Fremdschämen" brandmarkt das Pfeifkonzert gegen Zidan als "unfair" und "unter der Gürtellinie".

"Sich bei aller verständlichen Kritik an einer mangelhaften Mannschaftsleistung einen Einzelnen herauszupicken und seinen Frust auf ihn zu fokussieren, ist unserer Meinung nach eines Herzblut-Borussen unwürdig", heißt es in dem Schreiben.

In die gleiche Kerbe schlug Dortmund Medienchef Josef Schneck, der sich auf der Vereins-Homepage zu Wort meldete und von den "echten Fans" wünschte, "dass wir niemals einen einzelnen Spieler, einen von uns, fertig machen".

Nicht aus reiner Nächstenliebe

Doch auch wenn sich die Vereinsverantwortlichen kollektiv vor Zidan werfen: Keiner bestreitet, dass Zidans Leistung gegen Schalke zu wünschen übrig ließ.

"Nicht schönreden" wollte Zorc, was Zidan ablieferte. Er habe "viele Dinge nicht richtig gemacht", wie der Sportdirektor diplomatisch erklärte.

Doch Zorc weiß, dass der als sensibel geltende Stürmer eher noch tiefer in ein Leistungsloch fällt, wenn die Fans ihn das auch spüren lassen.

Alle Verteidigungsappelle für Zidan geschehen daher auch nicht aus reiner Nächstenliebe, sondern aus Sorge, dass die Pfiffe der Fans dazu beitragen, dass Zidan in Dortmund genauso scheitert wie zuvor in Bremen und Hamburg.

"Zur Regel darf das nicht werden"

Schließlich war es Dortmunds Hoffnung, dass Zidan unter seinem alten Mainzer Trainer Jürgen Klopp wieder aufblüht - dem einzigen Coach, unter dem er in Deutschland bislang dauerhaft überzeugt hatte.

Der hofft im Übrigen, dass das Pfeifkonzert gegen Zidan eine einmalige Sache bleibt - verursacht durch die hochgeschaukelten Emotionen im Derby.

"Insofern war das am Samstag okay", befand Klopp: "Zur Regel darf das aber nicht werden."

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